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365 Millionen Franken für zwei Hochschulen: Luzerner Regierungsrat konkretisiert Pläne für Campus Horw

Die Pädagogische Hochschule und das Departement Technik & Architektur der Hochschule Luzern sollen einen gemeinsamen Campus erhalten. Der Kanton will den Bau an eine Aktiengesellschaft auslagern. Das Projekt ist nun in der Vernehmlassung.
Alexander von Däniken
Der Campus an der Technikumstrasse in Horw soll für 365 Millionen Franken ausgebaut werden. (Bild: PD / Bearbeitung: Oliver Marx)

Der Campus an der Technikumstrasse in Horw soll für 365 Millionen Franken ausgebaut werden. (Bild: PD / Bearbeitung: Oliver Marx)

Wohlwollend kann mit Patina beschrieben werden, wie sich die teils dunklen und teils hellen Fassadenstücke der Horwer Vormittagssonne zeigen. Fakt ist: Die Gebäude des Departements Technik und Architektur der Hochschule Luzern sind sanierungsbedürftig. Oder wie es Markus Hodel, Rektor der Hochschule Luzern, gestern vor Ort den Medien gegenüber ausdrückte:

«Die jetzige Fassade passt überhaupt nicht zur grössten Baufachhochschule der Schweiz.»

Markus Hodel, Rektor der Hochschule Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher)

Markus Hodel, Rektor der Hochschule Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher)

Immerhin werden hier Architekten ausgebildet. Die Gebäude stammen aus dem Jahr 1977. Damals studierten 500 junge Menschen hier. Heute sind es 500 Mitarbeiter und 1900 Studenten.

Die Sanierungsbedürftigkeit und der Platzmangel der Hochschule haben aber nicht allein zum Projekt Campus Horw geführt. Schliesslich soll auch die Pädagogische Hochschule Luzern hier unterkommen. Auch diese hat mit steigenden Studentenzahlen bei engen Platzverhältnissen zu kämpfen. Seit 2004 ist die Zahl der Studenten von 250 auf 2100 gestiegen. Dazu kommen 6900 Personen in der Weiterbildung.

Hans-Rudolf Schärer, Rektor der PH Luzern. (Bild: PD)

Hans-Rudolf Schärer, Rektor der PH Luzern. (Bild: PD)

Wobei es «eine» PH gar nicht gibt; die Schule ist auf elf Standorte in der Stadt Luzern verteilt. Das erschwert laut deren Rektor Hans-Rudolf Schärer nicht nur das Bilden einer gemeinsamen Identität:

«Die Mieten sind teuer, die Distanzen gross und der planerische Aufwand riesig.»

Übrigens muss mittlerweile auch das Hochschuldepartement Technik und Architektur Büros und Unterrichtsräume anmieten.

Erste Planungsphase wird gestartet

Damit soll bald Schluss sein: Der Luzerner Regierungsrat hat gestern das Projekt Campus Horw in die Vernehmlassung geschickt. Im Optimalfall sollen in zehn Jahren Tausende Lehrerinnen, Ingenieure und Architekten die neuen Räumlichkeiten nutzen können. Dafür muss der Kanton Luzern laut Finanzdirektor Reto Wyss (CVP) rund 365 Millionen Franken investieren. Wie viel genau, wird sich noch zeigen. Was die bauliche Entwicklung betrifft, wird nun die öffentliche Ausschreibung der Präqualifikation für den Wettbewerb gestartet. Zur Erinnerung: Der Kanton wollte diese erste Planungsphase als Studienauftrag mit ausgewählten Generalplanerteams durchführen, wurde dann aber von Berufsverbänden und Jungarchitekten zurückgepfiffen.

Finanzdirektor Reto Wyss. (Bild: Dominik Wunderli)

Finanzdirektor Reto Wyss. (Bild: Dominik Wunderli)

Es geht also noch nicht um die konkrete Gestaltung und Anordnung der Gebäude. Doch der organisatorische Rahmen ist abgesteckt. So soll der für den Campus Horw eine Immobilien AG gegründet werden, die dem Kanton Luzern gehört. Das erlaubt laut Reto Wyss eine schnellere Reaktion auf Entwicklungen:

«Fälle wie die Ansiedlung des Hochschuldepartements Informatik und des Innovationsparks in Rotkreuz sollen künftig nicht mehr passieren. Der Hochschulwettbewerb nimmt auf politische Abläufe keine Rücksicht.»

Bundessubventionen sollen auch über die Aktiengesellschaft fliessen können. Die AG soll mit Bareinlagen von 32,1 Millionen und mit Sacheinlagen von 58 Millionen Franken finanziert werden. Bei Letzterem handelt es sich ausschliesslich um die Parzellen und Gebäude.

Der Verwaltungsrat soll aus Vertretern des Kantons, der beiden Hochschulen und Dritten zusammengesetzt sein. Weil künftige Investitionen auf dem Campus über die AG laufen sollen, wird die kantonale Investitionsrechnung nicht belastet. Dieses Vorgehen hat die SP bereits kritisiert. Die Partei schrieb von einem «finanzpolitischen Griff in die Trickkiste».

Unabhängig davon hat die Immobilien AG laut Reto Wyss auch den Vorteil, dass sie sich besser um die Ansiedlung von passenden externen Forschungsstätten und Unternehmen kümmern kann. Das ist nebst Hochschule und PH das dritte Standbein des Campus.

Die Nähe der Hochschulen und der Wirtschaft freut Gaudenz Zemp, Direktor des KMU- und Gewerbeverbands Luzern:

«Dass 3000 Quadratmeter für Spin-offs, Forschungsunternehmen und Start-ups bereitstehen, ist ein starkes Bekenntnis zur Wirtschaft.»

Gaudenz Zemp, Direktor des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Luzern. (Bild: PD)

Gaudenz Zemp, Direktor des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Luzern. (Bild: PD)

Schon jetzt zeige die Hochschule, dass Forschung «nicht im Elfenbeinturm» stattfinde, sondern praxisnah. Wie die Rektoren von PH und HSLU ist auch Zemp, der für die FDP im Luzerner Kantonsrat sitzt, überzeugt, dass sich die Hochschulen gut ergänzen. «Rund 85 Prozent der Erstsemester-Studierenden an der PH sind Frauen. Es wäre schön, durch die Nähe mit der Hochschule die MINT-Fächer stärker in den Fokus zu rücken.»

Zemp, der auch im Namen der Industrie- und Handelskammer sowie der Wirtschaftsförderung sprach, äusserte sich auch zu den jetzigen Standorten: «Die eigentlich praxisnahe PH ist im Uni-Gebäude am falschen Ort.»

Uni erhält durch Wegzug der PH mehr Platz

So oder so dürfte die Universität froh um die Rochade sein, weil das Gebäude beim Bahnhof Luzern bereits aus allen Nähten platzt. Ganz andere Herausforderungen kommen indes auf die Gemeinde Horw zu. «Wir müssen uns auf grössere Pendlerströme vorbereiten, die Infrastruktur anpassen und das Freizeitangebot ausweiten», so Gemeindepräsident Ruedi Burkard (FDP). Der Gemeinderat mache dies aber gerne:

«Wir sind stolz auf die Pläne am Standort Horw. Das ist ein starkes Bekenntnis.»

Ruedi Burkard, Gemeindepräsident Horw. (Bild: PD)

Ruedi Burkard, Gemeindepräsident Horw. (Bild: PD)

Nun erwartet der Regierungsrat Unterstützung von den Parteien und Verbänden in der bis Mitte Januar 2020 laufenden Vernehmlassung. Das gilt für Reto Wyss im Speziellen: Der Bauingenieur hat vor rund 30 Jahren in Horw studiert.

Im Jahr 2021 sollen die Immobilien Campus Luzern-Horw AG gegründet und die Volksabstimmung durchgeführt werden. Ab 2025 sollen die Bagger auffahren, der Bezug soll in Etappen bis 2029 geschehen. «Wir wollen die Bau-, Platz – und Entwicklungsprobleme gemeinsam lösen», so Wyss. Das Gemeinsame betonten auch PH-Rektor Hans-Rudolf Schärer und HSLU-Rektor Markus Hodel.

Von Synergien im Unterricht und bei der Forschung war die Rede, von gemeinsamen Projekten wie eines Robotikzentrums, von Zusammenarbeit mit externen Partnern auf dem Gelände. Von der Hochschule, die als wichtigste Forschungsinstitution in der Region nicht nur bei den Studenten auf Wachstum angewiesen ist. Doch ist auf dem rund 65'000 Quadratmeter grossen Areal in Horw auch ein weiteres Wachstum der Schulen möglich? «Wir haben ein moderates Wachstum miteinberechnet», sagte Reto Wyss auf entsprechende Nachfrage.

Wie wichtig eine moderne Infrastruktur und genügend Platz sind, zeigte sich gestern bei einem Rundgang durch die Gebäude des Departements Technik und Architektur: In den Pausen sind Plätze und Aufenthaltsräume gut gefüllt, in den Labors stehen moderne Apparate neben altem Mobiliar, in die Sitzungszimmer drängen fast ungefiltert Aussengeräusche, Böden, Türen und Fensterrahmen sind teilweise verwittert. Kurz: Das Institut für Gebäudetechnik und Energie müsste den eigenen Räumlichkeiten schlechte Noten ausstellen.

Von der Idee bis zum Bau: Campus Horw

März 2015 Der Luzerner Regierungsrat beauftragt die Dienststelle Immobilien, einen Masterplan für den Ausbau des Hochschul-Standorts in Horw zu erarbeiten.

Juni 2016 Die Hochschule Luzern macht Druck: Weil das Departement Technik und Architektur rasant wächst, soll der Neubau 2022 stehen. Der Kanton vertröstet auf frühestens 2024.

Juli 2017 Der Regierungsrat erwähnt erstmals, dass auch die Pädagogische Hochschule nach Horw ziehen soll. Bis 2026 sollen 333 Millionen Franken investiert werden. Ebenfalls erstmals wird die Immobilien-AG erwähnt. Diese soll im Besitz des Kantons sein, aber ihrerseits die Campus-Immobilien besitzen.

Juli 2019 Die Dienststelle Immobilien des Kantons leitet ein zu enges Wettbewerbsverfahren ein. Auf Beschwerde von Berufsverbänden und Jungarchitekten einigt man sich schliesslich auf einen
Kompromiss.

Oktober 2019 Der Regierungsrat schickt das Projekt Campus Horw in die Vernehmlassung und startet die erste Planungsphase. Das Investitionsvolumen wird neu mit 365 Millionen Franken beziffert.

2021 Die Immobilien Campus Luzern-Horw AG soll gegründet werden. Zudem soll die Bevölkerung über das Projekt abstimmen können. Parallel dazu läuft das Planungsverfahren.

2023 bis 2025 Der Campus Horw kommt in die Projektierungsphase, die mit der Baubewilligung endet.

2025 bis 2029 Bauphase und etappierte Inbetriebnahme.

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