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Für den Luzerner Pfarrer Beat Hänni gehören Glaube und soziales Engagement zusammen

37 Jahre war Beat Hänni Pfarrer, zuletzt für den Pfarrkreis Matthäus Myconiushaus Luzern. Nun geht er in Pension. Die Zukunft der Kirche beschäftigt ihn aber mehr denn je.
Ines Häfliger
Der abtretende Pfarrer Beat Hänni in der Matthäuskirche. (Bild: Jakob Ineichen, 17. Oktober 2018)

Der abtretende Pfarrer Beat Hänni in der Matthäuskirche. (Bild: Jakob Ineichen, 17. Oktober 2018)

Coach, Supervisor, Organisationsberater, Buchautor, Altersseelsorger, Ehemann, Vater von vier Kindern – «nur» Pfarrer zu sein, genügte Beat Hänni nie. Die Bezeichnung «Allrounder» scheint angesichts seines vielfältigen Tätigkeitsbereichs passender.

Der 65-jährige, der Ende Monat als Pfarrer des Pfarrkreises Matthäus Myconiushaus Luzern in Pension geht, hat seinen Beruf stets als etwas Ganzheitliches betrachtet: «Das Evangelium redet in alle Lebensbereiche.» Die Betreuung der Glaubensgemeinde zählte Hänni daher genauso zu seinem Aufgabenbereich wie das Engagement in der Kirchenpolitik und der Verfassungskommission der Kantonalkirche.

Nächstenliebe als Kernbotschaft

Dass der gebürtige Thuner Pfarrer wurde, hing primär mit seinem Umfeld zusammen. Die Mutter war Sozialarbeiterin und half gesellschaftlich Benachteiligten, der Vater brachte die bei der Arbeit erlebten Ungerechtigkeiten am Mittagtisch mit Gott in Verbindung. Auch der Konfirmationsunterricht prägte seinen Berufswunsch wesentlich mit. «Ich hatte dazumal einen ausgezeichneten Pfarrer. Er begeisterte mich in theologischer Hinsicht, aber auch im Umgang mit uns Jugendlichen.» Für Beat Hänni war es eine logische Schlussfolgerung, soziales Engagement durch den Glauben zu vertiefen.

Bereits bei seiner ersten Stelle als Gemeindepfarrer im Emmental konnte er das umsetzen. Als junger Pfarrer nahm er Migranten auf und setzte sich für eine bessere Integrationspolitik für tamilische Kriegsflüchtlinge ein. «Das war früher noch möglich. Die Leute kannten die Aufgabe des Pfarramts: die Vermittlung der evangelischen Botschaft – Nächstenliebe.» Heute sei das anders. Vielen Leuten fehle der Bezug zu ebendieser Botschaft.

«Die Kirche hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Sie hat sich in der Vergangenheit viel zu Schulden lassen kommen.»

Auch die Mitgliederzahlen haben sich verändert. Während das Christentum in Lateinamerika, Asien und Afrika boomt, treten hierzulande immer mehr aus der Kirche aus. Die Gründe für den Bedeutungsverlust seien vielfältig, so. «Zum einen hat die Kirche ein Glaubwürdigkeitsproblem. Sie hat sich in der Vergangenheit viel zu Schulden lassen kommen. Andererseits wird hierzulande der Individualismus auf die Spitze getrieben.»

Im 2007 erschienenen Buch «Kirchgemeinde gemeinsam leiten und entwickeln» suchte Beat Hänni mit Felix Marti nach Lösungen, um unter anderem diese Spannung zwischen Individualismus und dem christlichen Gemeinschaftsgedanken zu überwinden. Eine Möglichkeit sieht er in überschaubaren Orten in den Kirchgemeinden, die der Mitgliedervernetzung dienen. Dennoch dürften Struktur und Methode nicht den Inhalt verdrängen, stellt Hänni klar. «Ansonsten verkommt die Kirche zu einer Dienstleistungsorganisation.» Letztendlich baue die Kirchenarbeit auf Beziehungen auf – zwischen Menschen, aber auch mit Gott. «In das müssen wir investieren.»

Auf (zu) vielen Hochzeiten getanzt?

Während seiner 38-jährigen Berufslaufbahn hatte der persönliche Kontakt zu den Menschen daher stets höchste Priorität. Beat Hänni betreute Familien, Arbeitslose, alte Leute, traute Eheleute. Das Abschalten sei dabei oft zu kurz gekommen, gibt er zu bedenken. Und fügt schmunzelnd hinzu: «Im Falle eines Burnouts hätte ich wenigstens gewusst wieso.» Glücklicherweise sei es nie so weit gekommen.

Beat Hänni hofft, bald mehr Zeit für seine grosse Leidenschaft, das Segeln auf dem Thunersee, zu finden. Und auch für das Schlechtwetterprogramm ist vorgesorgt: «Im Keller wartet eine Modelleisenbahnanalage schon lange darauf, wieder in Betrieb genommen zu werden.»

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