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Für den Ölprinzen in Engelberg nimmt Old Shatterhand Reitunterricht

Der Krienser Richard Bucher spielt an den Karl May Freilichtspielen Winnetous Blutsbruder. Für den 43-jährigen Schauspieler ist dies die erste Westernrolle. Dass er scharf schiessen kann, bewies er aber schon vor Jahren bei Borba Luzern.
Roger Rüegger
Richard Bucher (Old Shatterhand) vor dem noch nicht fertiggestellten Saloon auf der Freilichtbühne. (Bild: Pius Amrein, Engelberg, 4. Juni 2019)

Richard Bucher (Old Shatterhand) vor dem noch nicht fertiggestellten Saloon auf der Freilichtbühne. (Bild: Pius Amrein, Engelberg, 4. Juni 2019)

Die Rolle als Old Shatterhand ist Richard Leron Bucher nicht unbedingt auf den Leib geschrieben. Der Schauspieler und Musical-Darsteller hat sich denn auch nicht selber für die Karl May Freilichtspiele in Engelberg beworben. «Ehrlich gesagt, habe ich lange nicht mitbekommen, dass hier Winnetou gespielt wird. Ich kenne Engelberg als Ferienort. Auf den Pisten lernte ich Skifahren», verrät uns der 43-Jährige, als wir ihn beim Schauplatz unterhalb des Wasserfalls für das Interview besuchen.

Noch ist die Freilichtbühne eine Baustelle. Auf der Veranda eines Saloons sitzen ein paar Männer und Frauen im Schatten, während andere das Gebäude fertigstellen. Auf dem Vordach füllt ein Kulissenbauer Fugen, andere sind mit dem Innenausbau beschäftigt. Nur einen Tomahawk-Wurf entfernt steht ein Pueblo und hinter einem künstlichen See sind bereits die Gerüste einiger Tipis erkennbar.

«Pierre Brice und Lex Barker kannte jedes Kind»

«Das werden starke Auftritte. Nicht oft haben Schauspieler Gelegenheit, auf einer solch gewaltigen Bühne zu spielen», sagt Bucher. Dass er ab dem 6. Juli den Blutsbruder Winnetous (Tom Volkers) spielt, ist für ihn ein Glücksfall. «Ja klar, ich bin mit den Filmen aufgewachsen. Pierre Brice und Lex Barker kannte jedes Kind. Die Produzenten von ‹Winnetou und der Ölprinz› haben mich per E-Mail zum Vorsprechen eingeladen», blickt er zurück und lacht.

Er hat auch gut Lachen, denn eine der Bedingungen für die Rolle des Old Shatterhand war, dass der Darsteller Reiten kann. Und Bucher kann’s nicht. Er sei in seinem Leben zweimal auf einem Pferd gesessen. Auf geführten Touristenpfaden. Mit Reiten habe das nicht viel zu tun. Deshalb hatte er sich nach dem Vorsprechen keine Illusionen gemacht und mit einer Absage gerechnet.

Unbeschwert wie ein Kind beim Cowboy und Indianer

Das Gespräch für seine erste Westernrolle habe er trotzdem genossen. Es sei richtig cool gewesen, er habe sich fast wie früher als Kind beim Cowboy und Indianer Spielen gefühlt. Vielleicht hat er deshalb unbeschwert aufgespielt und mit seiner Art die Verantwortlichen überzeugt. Fakt ist, sie haben ihm die Rolle gegeben, obwohl er sich nicht mit Pferden auskennt.

«Mein Stil hat dem Regisseur offensichtlich gepasst», analysiert Bucher, der jetzt natürlich Reiten lernen muss. Er hat bereits mehrere Reitstunden absolviert. «Der Reitlehrer findet, dass ich Potenzial habe. Seine Tipps, wie man lockerer im Sattel sitzt, habe ich gut umgesetzt. Die Arbeit mit dem Tier macht Spass», sagt Bucher, der topfit ist. Deswegen hat ihm auch der unfreiwillige «Absteiger» vom Pferd, den er kurz vor unserem Treffen fabrizierte, nichts anhaben können.

Der Krienser mit Wohnsitz in Zürich lebt vorübergehend in Engelberg. Immer an seiner Seite ist «Kimo», ein Parson Russel Terrier. «Dem gefällt es in den Bergen ebenso gut wie mir. Wir bewegen uns viel im Freien», sagt der Schauspieler. Derzeit wird fast täglich geprobt, die Präsenzzeit ist gross. Nicht selten sind die Darsteller von 10 bis 21 Uhr am Arbeiten. Wenn die Saison beginnt, spielen sie bis am 10. August 20 Vorstellungen – bei jedem Wetter.

Netflix machte beinahe einen Strich durch die Rechnung

Auf den Start fiebert Bucher hin. «Ich stand noch nie auf einer Freilichtbühne. Das wird ein eindrückliches Erlebnis.» Für einen Moment stand sein Part als Old Shatterhand jedoch auf der Kippe. Grund: Es erreichte ihn unverhofft ein verlockendes Angebot. Er wurde zu einem Casting einer Netflix-Produktion eingeladen. Um welche Serie es sich handelt, darf er nicht verraten. Nur dass sechs Staffeln geplant sind, gibt er preis.

Das muss ihn nicht kümmern, die Rolle wurde anderweitig vergeben. Bucher ist einerseits erleichtert, weil er sich nun voll auf den Ölprinzen konzentrieren kann, andrerseits ist er sich bewusst, dass es eine einmalige Chance für einen Schweizer Schauspieler ist, eine Figur in einer Netflix-Serie zu verkörpern. «Wenn es dazu gekommen wäre, hätte ich das Gespräch mit den Winnetou-Produzenten gesucht, ganz klar», sagt er und betont, dass es eine schwierige Entscheidung geworden wäre.

Der Handballer entscheidet sich für das Schauspiel

Gewichtige Entscheidungen hat Bucher viele treffen müssen in seiner Laufbahn. Als Handballer in der Nationalliga A mit Borba Luzern hatte er sportlichen Erfolg. Mitte 20, im besten Handball-Alter, legte er seine Sporttasche jedoch beiseite und packte die Reisekoffer. Er flog nach New York um Gesang zu studieren. «Obwohl ich leidenschaftlicher Handballer war, entschied ich mich für eine künstlerische Karriere», beschreibt er die damalige Situation. Das war 2001.

Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Amerika packte ihn der sportliche Ehrgeiz wieder. Er schoss abermals Tore für Borba und arbeitete wieder als Kaufmann, seinem erlernten Beruf. Auf Anraten eines Arbeitskollegen nahm er damals an der Wahl zum «Coke Light Mann» teil, die er auch prompt gewann. «Der Preis war ein Mini. Das Auto verkaufte ich sofort wieder und finanzierte mit dem Ertrag meine Schauspielausbildung in Zürich», sagt Bucher.

Für Old Shatterhand die grauen Haare braun färben

Diese schloss er 2007 mit einem Diplom ab. Damit nicht genug. In seiner Jugend war neben dem Sport auch die Musik wichtig für ihn. Mit der Band «Drudge »stand er als Gitarrist und Sänger auf der Bühne. Zudem wirkte er in diversen Musical-Produktionen mit. Als bisher eindrücklichste Arbeit bezeichnet er das Stück «Ausser Kontrolle», bei dem er im Bernhard Theater Zürich neben Erich Vock aufgetreten ist.

Auch vom Fernsehen her kennt man den Luzerner. Etwa von Gastauftritten in der ARD-Serie «Verbotene Liebe» oder der SAT-1-Produktion «Schicksale - Neues Glück verboten». Als Sänger ist Richard Bucher immer wieder an Projekten beteiligt und auch in Kurzfilmen und Werbespots ist er zu sehen. Für seinen Part als Old Shatterhand musste Bucher übrigens nicht stark verändern. «Nur den Bart etwas stutzen und die grauen Schläfen braun färben!»

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