Für den Spitalneubau in der Region Sursee ist eine weitere Extrarunde nötig

Der Standortentscheid für den Neubau des Spitals Sursee verzögert sich. Das verärgert die Gemeinden, deren Projekte dadurch gebremst werden.

Yasmin Kunz und Ernesto Piazza
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Wo der Neubau des Luzerner Kantonsspitals in Sursee zu stehen kommt, ist weiterhin unklar.

Wo der Neubau des Luzerner Kantonsspitals in Sursee zu stehen kommt, ist weiterhin unklar. 

Bild: Pius Amrein.4. Juni 2018

Es ist die Frage, die in der Luzerner Gesundheitslandschaft derzeit viele umtreibt: Wo kommt das neue Spital der Region Sursee zu stehen? Am jetzigen Standort oder in der Schwyzermatte in der Nachbargemeinde Schenkon? Ende Herbst 2019 wollte die Luzerner Regierung den Entscheid mitteilen.

Nun ist jedoch klar, dass Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP), den Standortentscheid in diesem Jahr nicht mehr bekannt geben wird. Dies bestätigt der Regierungsrat in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Detailliertere Abklärungen zum Grundwasser

Der Grund ist Graf zufolge ein einfacher: «Der Antrag der Spitalleitung liegt mir noch nicht schriftlich und in der definitiven Fassung vor.» Der Spitalrat habe den Entscheid zur Standortwahl zwar getroffen. Aufgrund verschiedener Fragen von Guido Graf muss der Bericht aber noch ergänzt werden. Er sagt: 

«Ich verlange für beide Standorte detailliertere Abklärungen. So etwa in Bezug auf mögliche Auswirkung punkto Grundwasser und zu den Fruchtfolgefläche, die von Gesetzeswegen kompensiert werden muss.»

Die Abklärungen des Luzerner Kantonsspitals (Luks) befinden sich in der Schlussphase. Er erwarte den Bericht in den nächsten Tagen, betont Regierungsrat Graf. Er weist darauf hin, dass alles möglichst bis ins Detail abgeklärt werden muss, um einen definitiven Entscheid zu fällen. Das bestätigt auch das Luks: «Der Spitalrat hat eine abschliessende Beurteilung der beiden Standorte vorgenommen. Inzwischen wurden die Resultate zuhanden des Regierungsrates aufbereitet und der Bericht auf dessen Wunsch entsprechend ergänzt.»

Regierungsrat Guido Graf will Geschäfte trennen

Zudem, betont der Regierungsrat, spiele beim Fahrplan eine Rolle, dass der Kantonsrat zurzeit eine Revision des Spitalgesetzes berät. Das Luks und die Luzerner Psychiatrie sollen in gemeinnützige Aktiengesellschaften umgewandelt werden. In diesem Gesetz seien auch die heutigen Spitalstandorte aufgeführt. Damit die beiden Geschäfte nicht vermischt würden, beabsichtige er, den Standortentscheid erst dann zu traktandieren, wenn die zweite Beratung des Spitalgesetzes abgeschlossen sei, so Graf. Das wird Ende Januar der Fall sein.

Die Gemeinde Schenkon, die Stadt Sursee und Roger Wicki vom Pflegeheim Seeblick in Sursee müssen also eine erneute Vertagung des Entscheids hinnehmen. Schon im März dieses Jahres ging die Entscheidungsfindung in eine Extrarunde (siehe Artikel am Ende des Textes).

Verzögerungen bremsen andere Projekte aus

Roger Wicki, Co-Geschäftsleiter des Pflegeheims Seeblick in Sursee, sagt: «Im Hinblick auf unsere künftigen Investitionen, unsere Rechtsform und unsere Eigenkapitalstrategie hätten wir einen Entschied noch in diesem Jahr sehr begrüsst.» Der «Seeblick» ist Nachbar der Spitals, die beiden Institutionen nutzen Synergien. Weiter möchten nicht nur der «Seeblick», sondern auch die Gemeinden Klarheit haben, mit welchem Szenario sie ihre eigene Versorgung angehen müssen. Stellt sich die Frage: Spielt diese Verzögerung eine entscheidende Rolle? Wicki:

«Uns wurde der Entscheid von den Verantwortlichen schon seit längerer Zeit in Aussicht gestellt. Wenn wir wüssten, dass er in diesen Tagen erfolgt, wäre das kein Problem. Erfahrungsgemäss kann es aber zu weiteren Verzögerungen kommen.»

Offensichtlich gebe es immer wieder Gründe, den Entscheid zu vertagen. «Dadurch wird unser Zeitplan für eine neue Lösung stets kürzer», so Wicki. «Zurzeit führen wir mit allen Verbandsgemeinden Gespräche. Dabei spüren wir, dass der ‹Seeblick› eine hohe Akzeptanz geniesst und seine Zukunft für die Region von zentraler Bedeutung ist.»

Gemeinden fordern «zeitnahen» Entscheid

Punkto Kommunikation des Standortentscheids habe er bereits diverse Termine gehört, sagt der Surseer Stadtpräsident Beat Leu (CVP) und fügt an: «Ich lasse mich überraschen und glaube es erst, wenn das Verdikt definitiv zugestellt ist.» Wie auch immer: Der Stadtrat glaubt nach wie vor daran, mit dem aktuellen Standort gut im Rennen zu liegen. Und dies, obwohl er den vom Spitalrat zur Standortfrage auszufüllenden Fragenkatalog seinerzeit unbeantwortet zurückgeschickt hatte. «Wichtig ist für uns in der jetzigen Situation vor allem, dass zeitnah ein Entscheid gefällt und kommuniziert wird», so der Surseer Stadtpräsident.

Den Schenkoner Gemeindepräsidenten Patrick Ineichen frustriert die monatelange Hängepartie. Zwar kann er nachvollziehen, dass Investitionen in der Höhe von 200 Millionen Franken sorgfältige Abklärungen bedingen. Trotzdem fordert der CVP-Politiker: 

«Sagt endlich, was ihr wollt.»

Seine Ungeduld hat Gründe. «Das Hinhalten bremst die Gemeinde in ihrer Entwicklung.» Immer wieder bekomme die Gemeinde für den Standort Schwyzermatte anderweitige Anfragen. «Diese Interessenten müssen wir momentan vertrösten.»

Schenkoner müssten über Spitalstandort abstimmen

Zudem hat Ineichen auch Mühe damit, «dass die Schenkoner Bevölkerung ständig mit wieder anders lautenden Informationen konfrontiert werden muss. Das ist sie nicht gewohnt». Daher dürfte eine klare Kommunikation umso wichtiger sein, da ein Spital auf dem Areal Schwyzermatte die Zustimmung des Souveräns zu einer Umzonung mittels Gemeindeversammlungs-Entscheid benötigt. Wenn dann Klarheit bestünde, «sind wir bereit mitzuhelfen», so Ineichen. Ob das Spital in Sursee oder Schenkon gebaut wird, will er nicht zu hoch gewichten. «Es muss eine Lösung für die ganze Region sein.»

Gesundheitsdirektor Guido Graf kann den Unmut verstehen. Er betont aber, dass bei einem derart grossen Projekt eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Standorten Voraussetzung sei, um einen Entscheid fällen zu können.

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