Für seine Sonja verlässt Hans Schwegler das geliebte Emmen Richtung Obwalden

Hans Schwegler (SVP) hat die Politik Emmens über 15 Jahre mitgeprägt. Nun hat das Seebistro seiner Frau auf dem Campingplatz in Giswil Vorrang.

Beatrice Vogel
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Sonja und Hans Schwegler beim Campingplatz in Giswil, wo sie das Seebistro führt. (Bild: Pius Amrein, 17. Juli 2019)

Sonja und Hans Schwegler beim Campingplatz in Giswil, wo sie das Seebistro führt. (Bild: Pius Amrein, 17. Juli 2019)

Es ist ein warmer Sommertag, auf dem Campingplatz in Giswil herrscht Ferienstimmung. Hans und Sonja Schwegler haben einiges zu tun: Sonja im Seebistro, das sie heuer die zweite Saison gepachtet hat. Vorbereitungen für den 1. August stehen an. Hans packt an freien Tagen mit an. Er arbeitet weiterhin als Verkaufsleiter beim Storenhersteller Griesser in Luzern. Zudem sind sie derzeit mit dem Umzug nach Kägiswil beschäftigt.

Die Schweglers sind Ur-Emmer, beide haben ihr ganzes bisheriges Leben dort verbracht. Ein wenig Wehmut ist deshalb auch dabei. «Emmen ist eine tolle Gemeinde», sagt Hans. Der heute 61-Jährige sass 15 Jahre für die SVP im Einwohnerrat, war vier Jahre Präsident der SVP Emmen, 2008/09 Einwohnerratspräsident, von 2016 bis 2018 Fraktionschef und während der 15 Jahre praktisch permanent Mitglied der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission. Schwegler, der als Sohn eines Giessereiarbeiters im Schindlerdörfli aufgewachsen ist, war dabei, als das Parlament die Bebauungspläne der Feldbreite genehmigt hat. «Das war nicht ganz einfach für mich. Aber es war vernünftig, dort zu verdichten», sagt er heute.

Frust über schlechte Finanzlage Emmens

Der Hauptgrund für den Umzug nach Obwalden ist Sonjas Engagement auf dem Camping Giswil – damit ihr Arbeitsweg kürzer ist. «Ein weiterer Grund ist, dass ich mit den Entwicklungen in Emmen nicht ganz happy bin», sagt Hans Schwegler. Dass mit dem vierten Trakt des Schulhauses Erlen viel Geld «verlocht» werde, beschäftigte ihn; ebenso das «Trauerspiel» um das Areal des ehemaligen Betagtenzentrums Herdschwand.

Schwegler, der ein bescheidener Typ ist, mag nicht über seine Erfolge in der Emmer Politik reden. Vielmehr darüber, was man eben nicht erreicht habe: «Eine gute Finanzlage.» War am Debakel nicht ein SVP-Finanzdirektor beteiligt? «Die Landverkäufe haben nicht den langfristigen Ertrag gebracht, den man erhofft hat», sagt Hans Schwegler dazu. Dass die Kürzungsanträge der SVP in den vergangenen Jahren keine Mehrheit fanden und nun der Steuerfuss erhöht wurde, bedauert er.

Hans Schwegler ist im Komitee der Wachstumsinitiative, die das Bevölkerungswachstum in Emmen auf 0,7 Prozent im Jahr begrenzen will. Vom Gegenvorschlag des Gemeinderats, der ohne definierte Zahl auskommen will, ist Schwegler enttäuscht: «Da steht nichts Neues drin, nichts mit Hand und Fuss.»

«Bei der SVP wurde man als Frau nicht gewählt»

Auch Sonja Schwegler war Mitglied der SVP Emmen – sie hat sogar vor ihrem Mann für den Einwohnerrat kandidiert, allerdings vergeblich. «Bei der SVP wurde man damals als Frau einfach nicht gewählt.» Stattdessen war sie acht Jahre in der Schulpflege und schrieb eine Weile das Fraktionsprotokoll. «Da hat man einiges mitbekommen», sagt die 57-Jährige. Anfang der Nullerjahre habe in der SVP ein anderer Wind geweht. Fraktionsmitglieder hätten damals nur Nein zu Geschäften gesagt, weil die Linken Ja sagten. «Mit diesen Hardlinern hatte ich anfangs Mühe», sagt auch Hans.

Die Zeiten haben sich geändert, auch dank Schweglers Parteiarbeit: «Heute ist es ein konstruktives Mitarbeiten.» Dass kürzlich ein Vorstoss von SVP und Linken gemeinsam eingereicht wurde, ist bezeichnend dafür. Derzeit hat die SVP keinen Gemeinderat, doch die Fraktion pflegt nicht die harte Opposition. «Nur poltern bringt nichts», sagt Schwegler dazu.

Hans Schwegler war in Emmen im Turnverein Mauritius und in der Fasnachtsgruppe Erlen/Neuhof aktiv. Das ist nun vorbei: Die Fasnachtsgruppe wird ohnehin aufgelöst, «und turnen werde ich künftig wohl in Kägiswil». Auch Sonja, die Präsidentin des Familiengärtnervereins ist, sucht für dieses Amt einen Nachfolger. Trotzdem wird man die beiden ab und zu in Emmen antreffen. Ihre beiden Söhne (31 und 28) wohnen dort, «und ich werde das politische Geschehen natürlich weiter verfolgen», so Hans.

Dass Sonja Schwegler das Seebistro übernommen hat, kommt übrigens nicht von ungefähr: Schweglers sind im Camping- und Caravanclub Luzern und haben viele Sommer auf dem Camping Giswil verbracht. Die Wirtin will nun vermehrt Einheimische ansprechen.