«Für uns der wichtigste Anlass im Jahr»

Die Safran-Zunft besucht im Dreilinden betagte Menschen - und hat daran selber «pure Freude».

Drucken
Teilen
Der Fritschivater und die Fritschimutter an der Bescherungsfahrt Safran-Zunft im Betagtenzentrum Dreilinden (Bild: Maria Schmid/Neue LZ)

Der Fritschivater und die Fritschimutter an der Bescherungsfahrt Safran-Zunft im Betagtenzentrum Dreilinden (Bild: Maria Schmid/Neue LZ)

«Hau de Chatz de Schwanz ab.» Zum wilden Geschränze der Guuggenmusig X-tra zieht der Tross der Zunft zu Safran am Freitagabend ins Betagtenzentrum Dreilinden ein – zu der alljährlichen Bescherungsfahrt. Angeführt vom Zunftmeisterpaar 2011, Karl und Margaret Bucher, mitsamt Fritschipaar in ihren historischen Masken.

Dreilinden wird zur «Lindenburg»

Dreilinden heisst für einmal «Lindenburg». Das Betreuungs- und Küchenpersonal tritt mittelalterlich gewandet auf – als Burgfräuleins, Mägde, Ritter. Auch viele der Bewohnerinnen und Bewohner haben sich Kronen und Spitzhüte aufgesetzt und farbige Gewänder angezogen. Hoffnungsvoll harren sie der Dinge, die da kommen – und werden nicht enttäuscht.

Das Essen (Schweinsbraten) ist vorzüglich. «Wie immer hier», versichert der 77-jährige Lionel van Roggen, der seit sieben Jahren im Dreilinden wohnt. Gespenster und Rigi-Königinnen treten auf, getanzt wird auch. Es gibt emotionale Momente. Etwa wenn der 80-jährige Max Weber, der seit dreieinhalb Jahren im Dreilinden wohnt, von Fritschivater Bucher persönlich begrüsst und umarmt wird. «Das hat mich so berührt», sagt Weber danach. Stolz erzählt er, dass er zwanzig Jahre lang Bannerherr war – allerdings nicht bei der Safran-, sondern bei der Wey-Zunft.

«Es ist eine pure Freude, hierher zu kommen», erklärt der Fritschivater in seiner kurzen Rede. Danach gehts an den handfesten Teil der Bescherung. Jede Bewohnerin, jeder Bewohner erhält persönlich aus den Händen des Fritschivaters und seiner Gattin einen gut gefüllten Geschenksack mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten und Gegenständen des täglichen Gebrauchs.

«Wertvolle Begegnungen»

«Die Bescherungsfahrten sind der wichtigste Teil unserer vorfasnächtlichen Aktivitäten», sagt der Fritschivater im Gespräch mit unserer Zeitung. «Es gibt hier so viele wertvolle Begegnungen.» Die Wohltätigkeit ist in den Statuten der Zunft verankert. Es sind seit Jahrzehnten immer dieselben Institutionen, die die Safran-Zunft besucht: die Betagtenzentren Dreilinden, Rosenberg und Eichhof sowie die Kinder- und Jugendsiedlung Utenberg.

«Es ist für uns der wichtigste Anlass im Jahr», sagt Jasmin Höliner, Dreilinden-Zentrumsleiterin. «Die Bewohner freuen sich sehr darauf.» Auch für Sozialdirektor Ruedi Meier, der die Grüsse des Stadtrats überbrachte, ist klar: «Die Bescherungsfahrten der Zünfte sind sehr wichtig für das soziale Leben Luzerns.»

Hugo Bischof

Bescherung gehört zur Fasnacht

Wohltätigkeit gehört zum Zunftleben wie das Amen zur Kirche. «Wir tun es nicht nur pro forma, sondern aus echter Überzeugung», sagt Bruno Spörri. Der langjährige Zunftrat und Zunftmeister 2010 der Wey-Zunft Luzernbetont: «Es ist auch für uns schön, zu sehen, wie viel Freude wir den Menschen bringen können.» Für viele sei der Besuch des Zunftmeisters wichtiger als der des Stadtpräsidenten, sagt Spörri schmunzelnd. Die Wey-Zunft beschert seit Jahrzehnten traditionell die Betagtenzentren Wesemlin und Unterlöchli sowie das Blindenheim Horw. Die Safran-Zunftbesucht andere Zentren (siehe Haupttext). «Wir haben uns abgesprochen, damit kein Heim zu kurz kommt», sagt Spörri.

Auch die anderen Luzerner Zünfte machen im grosszügigen Bescherungsreigen mit. Die Dünkelweiher-Zunftbesucht das Betagtenzentrum Steinhof, die Schwerbehinderten-WG Eichwäldli, den Kindergarten Moosmatt und den Heilpädagogischen Kindergarten Hubelmatt. Die Zunft an der Reuss besucht die Heilpädagogische Schule Würzenbach und organisiert die Behindertenfasnacht St. Karl. Auch die Maskenliebhabergesellschaft Luzern, die Fidelitas Lucernensis und die Mättli-Zunft Littau unterstützen jedes Jahr wohltätige Institutionen und bedürftige Luzerner.

Auch in vielen Agglomerationsgemeinden haben sich Fasnachtszünfte die Wohltätigkeit gross auf ihre Fahne geschrieben. Stellvertretend für viele sei die Galli-Zunft Kriens genannt. Sie hatte gestern ihren grossen Bescherungstag in den Alters- und Pflegeheimen Zunacher 1 und 2, Grossfeld und Kleinfeld. Gemäss Zunftmeister Hansruedi Bolliger wurden etwa 300 Geschenksäcklein an alle Heimbewohnerinnen und -bewohner verteilt. Inhalt: Shampoo, Guetsli, Papiernastücher, Orangenjus, Schokolade und vieles mehr. «Alles, nur keine leicht verderblichen Esswaren», sagt Bolliger.

hb