FÜRSORGE: Ihr Leben gehört den Katzen

Esther Huwyler (62) von der Katzenhilfe pflegt herrenlose Tiere in der Region Luzern. Dabei stösst sie nicht nur auf Unterstützung – sondern auch auf Menschen, die Katzen vergiften oder Hunde auf sie hetzen.

Astrid Longariello
Drucken
Teilen
Esther Huwyler lässt eine herrenlose Katze beim Zimmereggwald nach der Kastration wieder laufen. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 23. November 2016))

Esther Huwyler lässt eine herrenlose Katze beim Zimmereggwald nach der Kastration wieder laufen. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 23. November 2016))

Seit ihrer Frühpensionierung widmet sich die 62-jährige Esther Huwyler ihren vierbeinigen Lieblingen, den Katzen. Die in Luzern geborene, ehemalige Sängerin und Musiklehrerin lebte von Berufes wegen fünf Jahre in Amerika und ist dort auf die zahlreichen wilden, unter schlimmsten Umständen lebenden Tiere aufmerksam geworden. Nach ihrer Rückkehr stellte sie fest, dass auch in Luzern viele Katzen kein Zuhause haben. «Die armen Tiere leben draussen, namenlos in Kolonien, im Winter frierend und oftmals hungernd. Dagegen wollte ich etwas unternehmen», sagt sie.

Die Katzenliebhaberin fährt täglich frühmorgens los, mit einem voll bepacktem Auto, und betreut mehrere Katzenkolonien in der Region Luzern. Huwyler hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Katzen zu füttern, zu streicheln oder wenn möglich einzufangen und kastrieren zu lassen.

Im Notfall muss es schnell gehen

Zusammen mit anderen Freiwilligen sorgt sie für medizinische Versorgung, oder sie bringt die Vermittelbaren in das Tierheim Staffelweid. Dort suchen sie Lebensplätze bei geeigneten Menschen. «Es geht doch nichts über ein warmes Plätzchen, wenn es draussen gefriert und schneit», sagt Huwyler.

Die von Esther Huwyler organisierte Katzenhilfe wird vom Kantonalen Tierschutz, der Stiftung Pro Büsi und der Tierschutzorganisation NetAP unterstützt. «Dank ihnen und privaten Spenden können viele Kastrationen finanziert werden.» Futter bekommt Huwyler teilweise geschenkt, gespendet oder finanziert, doch viel Material kauft sie dennoch selbst.

Am liebsten arbeite sie selbstständig, da sie oft schnell handeln müsse. «Ich treffe Entscheidungen, die keinen Aufschub dulden. Oft hängt davon das Augenlicht oder gar das Leben einer Katze ab.» Huwyler ist selbstkritisch: «Oft frage ich mich, ob es die Katzen mit meiner Hilfe wirklich besser haben. Wenn ein Büsi beim Tierarzt stirbt, war es da wirklich richtig, ihm die Strapazen des Weges zum Tierarzt aufzubürden, oder hätte ich es besser an seinem Ort sterben lassen sollen?» Sie versuche jedoch stets, das Optimum für die Tiere herauszuholen. Die Tierhilfe hat mittlerweile eine Facebook-Seite. Immer mehr Menschen wenden sich an Huwyler, wenn sie ein Tier finden oder Hilfe brauchen. «Am liebsten möchte ich ein Haus finden, damit ich möglichst viele Tiere bei mir zu Hause aufnehmen kann», sagt sie über ihre Zukunftspläne.

Huwyler erzählt, dass sie bei ihrer Arbeit auch auf uneinsichtige Hundehalter treffe, die ihre Hunde auf die Katzen loslassen. Doch meistens könne sie die Situation mit einem Gespräch klären. Ein schlimmer Fall habe sich in einer Katzenkolonie am Stadtrand ereignet. «Dort verschwanden 25 Katzen von einer Woche auf die andere. Niemand weiss, was passiert ist, und sie wurden bis heute nicht gefunden. Das Veterinäramt hat nun eine amtliche Untersuchung eingeleitet», so Huwyler. Zudem gebe es auch heute noch Menschen, die Katzen vergiften. Trotzdem ist die Tierhelferin überzeugt, dass bei ihrer Arbeit die schönen Momente überwiegen. «Es wärmt mein Herz, wenn ich eine Katze vor dem sicheren Tod retten kann.»

Astrid Longariello

region@luzernerzeitung.ch