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Personalengpass im Betagtenzentrum Eichhof: Für das Duschen blieb keine Zeit mehr

Bei Teilen der Belegschaft im Alters- und Pflegeheim Eichhof herrscht Unmut. Grund: zu wenig Personal. Die Geschäftsleitung gelobt Besserung, und die SP der Stadt Luzern fordert mit einem Postulat mehr Transparenz bei der Pflegequalität.
Thomas Heer
Blick auf das Betagtenzentrum Eichhof. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 3. August 2018))

Blick auf das Betagtenzentrum Eichhof. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 3. August 2018))

Geschrieben wurde das bemerkenswerte Dokument am vergangenen 13. September respektive 9. Oktober auf offiziellem Papier von Viva Luzern. Zur Erinnerung: Das ist jene gemeinnützige Aktiengesellschaft, die zu 100 Prozent der Stadt Luzern gehört. Das Schreiben trägt die Überschrift «Vorübergehender Rekrutierungsstopp und Auswirkungen». Als Verfasserin des Schriftstücks gibt sich unter anderem die damalige Leiterin Pflegedienst im Alters- und Pflegeheim Eichhof zu erkennen, einer von zahlreichen Betrieben, die von Viva Luzern gemanagt wird.

Das Zentrum Eichhof ist baulich in vier Häuser aufgeteilt. Die Liegenschaften tragen die Namen von Edelsteinen, nämlich Rubin, Diamant, Saphir und Aquamarin. In der von der damaligen Leiterin Pflegedienst mitverfassten Schrift heisst es unter «Punkt 2 – Auswirkungen Haus Rubin» (aufgrund des Rekrutierungsstopps, Anm. d. Red.) unter anderem: «Projekte müssen vor­übergehend gestoppt werden. Reagieren steht im Vordergrund. Qualitätseinbussen. Kündigungen nehmen zu, da die Herausforderungen zu gross werden.»

War Gesundheitsversorgung nicht mehr gewährleistet?

Unter Abschnitt 2.1 «Bewohner» steht zudem: «Bei der Körperpflege wird nur noch Gesicht und Intimbereich gewaschen, tägliche Körperpflege nicht immer gewährleistet.» Und weiter: «Duschen wird auf eine Minute reduziert oder gar nicht mehr, Nagelpflege und Rasur wird nur noch ausgeführt, wenn es die Zeit erlaubt. Lagerungswechsel und Einlagewechsel bei Bewohner verzögert sich (Dekubitus- Gefahr).» Mit anderem Worten heisst das: Den Patienten drohen Wundliege-Geschwüre.

Unter «Punkt 4 – Fazit» ist Folgendes festgehalten: «Ein Stellenstopp, auch wenn er nur kurz ist, hat Langzeitwirkungen.» Der Stellenmarkt in der Pflege sei ausgetrocknet, Fachkräfte seien rar. Und ausgerechnet in dieser Situation hätten gute Bewerber abgewiesen werden müssen.

Das Personal läuft am Limit

Rund 10 Monate sind nun seit der Niederschrift des erwähnten Papiers vergangen. Und die prognostizierten Langzeitwirkungen sind offenbar eingetreten. Denn, wie die «Zentralschweiz am Sonntag» aus Kreisen des Personals erfahren hat, die Situation ist im Eichhof zumindest teilweise noch immer sehr angespannt. Es würden, so wird berichtet, unzählige Überstunden anfallen. Das Personal fühle sich von der Viva-Geschäftsleitung in der Misere allein gelassen. So könne es, heisst es zudem, nicht mehr weitergehen. Die Leute würden am Limit und teils dar­über hinaus arbeiten. Ein Vergleich, der immer wieder fällt: «Wir sind mit dem letzten Tropfen Benzin unterwegs.»

Mit den Vorwürfen konfrontiert, behauptet Viva-Geschäftsleiter Beat Demarmels: «Die Versorgung im Eichhof ist gesichert. Die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner war nie gefährdet. Dies zeigen auch die Qualitätsindikatoren, die regelmässig erhoben werden.» Wie viele Stellenprozente im Eichhof derzeit fehlen, kann ­Demarmels nicht sagen. Er sagt, dass alles unternommen werde, die vakanten Stellen zu besetzen, es aber schwierig sei, auf dem Arbeitsmarkt genügend qualifizierte Leute im Pflegebereich zu finden.

Mehrere Kader-Mitglieder haben gekündigt

Derzeit gibt es im Eichhof auf Stufe Kader einige Vakanzen. Erst vor wenigen Tagen trat Eichhof-Betriebsleiterin Judith Bieri zurück. Dies aufgrund unterschiedlicher Auffassungen bezüglich der Strategie des Unternehmens, wie es offiziell hiess. Bereits vor Monaten verliessen der Leiter Gastronomie, der oberste Personalverantwortliche sowie die eingangs erwähnte Pflegedienstleiterin den Eichhof. Demarmels sagt, diese Stellen würden ersetzt. In der Zwischenzeit leiten Mitglieder der Geschäftsleitung ad interim vor Ort. Diese führen Gespräche mit den Teamleitungen und den Mitarbeitenden, um Verbesserungsmassnahmen einzuleiten. Demarmels sagt auch: «Das Kantonsspital Luzern unterhält einen Personalpool, worauf neu auch wir in Notsituationen zurückgreifen können.»

Die Sozialdemokraten lancieren Postulat

Ein kommunikativer Fauxpas sorgte im Eichhof jüngst für zusätzlichen Verdruss. Mitte Mai sagte Viva-Verwaltungsratspräsident Beat Däppeler gegenüber der «Luzerner Zeitung», das Haus Diamant werde bis 2024 zu einem Gesundheitszentrum umgebaut. Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern und deren Angehörigen sorgte diese Nachricht für gehörig Unruhe. Zumal die Betroffenen erst nach dem Zeitungsbericht über das Vorhaben informiert wurden, dass die Betagten bereits 2019 an einen neuen Standort verlegt würden.

Viva Luzern, die mit 78 Millionen Franken Aktienkapital ausgestattete Firma, die letztes Jahr 780 000 Franken Dividenden an die Stadt Luzern entrichtete, kämpft damit, genügend qualifiziertes Personal zu rekrutieren. Martin Wyss, Grossstadtrat der SP, reicht daher in diesen Tagen ein Postulat ein. Wyss fordert unter an­derem: «Der Stadtrat (d. h. die Regierung, Anm. d. Red.) wird gebeten, auf der Grundlage bereits bestehender Instrumente und Qualitäts-Reporting für Institutionen der geriatrischen Langzeitpflege die Grundlage für einen in Luzern jährlich durchzuführenden Nachweis der Qualitäts- und Leistungsfähigkeit der Leistungserbringer in der Langzeitpflege zu entwickeln.» Die Ergebnisse sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

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