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FUSSBALL: Kommen Eltern straflos davon?

Eltern attackieren Luzerner C-Junioren nach einem Match. Nur: Diese zu bestrafen, ist nicht ganz leicht.
«Wir machen seit sechs Jahren Prävention gegen idiotische Eltern.» Luca Balduzzi, Schweizerischer Fussballverband (Bild: Photopress / Alexandra Wey)

«Wir machen seit sechs Jahren Prävention gegen idiotische Eltern.» Luca Balduzzi, Schweizerischer Fussballverband (Bild: Photopress / Alexandra Wey)

Ein Video des Vorfalls in Bern finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/video

Würgemale am Hals und Abdrücke eines Schuhs auf den weissen Trikothosen. Das sind unter anderem die unliebsamen Souvenirs, welche die C-Junioren der gemeinsamen Fussball-Mannschaft des SC Obergeissenstein (OG) und der Kickers Luzern am Sonntag aus Bern nach Hause genommen haben. Sie stammen aus dem Halbfinal-Spiel gegen die Mannschaft CS Italien Genf (Ausgabe von gestern). Verantwortlich für die unschönen Erinnerungen sind Eltern der gegnerischen Mannschaft. Diese stürmten nach der Partie, die 3:2 zu Gunsten der Luzerner endete, das Spielfeld und attackierten einige Spieler. Auf dem Spiel stand der Schweizer-Meister-Titel im Junioren-Breitenfussball. Ein Video auf dem Online-Portal «regiofussball.ch» zeigt die Tumulte (siehe Link).

«Kein Verständnis» für die Ereignisse im Berner Neufeld-Stadion hat Luca Balduzzi. Er ist Chef des Breitenfussballs beim Schweizerischen Fussballverband (SFV). «Wir machen seit rund sechs Jahren Präventionsarbeit gegen idiotische Eltern», sagt er auf Anfrage. Hierfür hat der SFV zum Beispiel ein Elternbarometer auf seiner Website aufgeschaltet. Eltern von Junioren können einen Flyer durchlesen und anschliessend Fragen zum eigenen Fairplay beantworten. Das Ergebnis zeigt Fussball-Vätern und -Müttern, ob ihr Verhalten vorbildlich oder eher unsportlich ist.

Leibchen waschen, nicht coachen

Eltern seien zwar gerade im Breitenfussball wichtig für die Kinder: «Sie dürfen gerne die Trikots waschen, Brote schmieren und Fahrdienste machen aber nicht von der Seitenlinie dreinreden», erläutert Balduzzi. Trotz des Ärgers vom Sonntag sei der Vorfall aber ein Ausreisser: «In 99 Prozent der Spiele herrscht ein ruhiges Klima, wo gerne und oft gejubelt wird», fügt Balduzzi an. Der Breitenfussball umfasst in der Schweiz rund 1400 Vereine. Jedes Wochenende werden gegen 10 000 Spiele absolviert.

Eltern des Platzes verwiesen

Doch welche Konsequenzen hat das Verhalten in Bern für die Westschweizer? «Ein Junior, der schon während des Spiels negativ aufgefallen war, wurde suspendiert.» Er wird für einige Spiele in der nächsten Saison gesperrt sein. Die Eltern wurden von der Turnierleitung vom gesamten Stadionareal verwiesen und durften dieses nicht wieder betreten. Eine verletzte Mutter musste zudem vor Ort medizinisch betreut werden. Balduzzi war selbst vor Ort: «Die Turnierleitung konnte die Situation sofort unter Kontrolle bringen, sodass das Turnier rasch weitergehen konnte.»

Raphael Weltert, Juniorenobmann des SC OG, zeigt sich noch immer betroffen. «Die Sommerpause kommt für die Junioren des Teams OG Kickers nun gerade richtig», sagt er auf Anfrage. Denn in der bisherigen Aufstellung dürfte die Mannschaft ohnehin nicht mehr spielen. Zurzeit finden die jährlichen Selektionstrainings der A- bis C-Junioren statt, in denen die Kader dann wieder neu zusammengesetzt werden. Rechtliche Schritte planen Kickers und OG momentan nicht.

Strafen werden teurer

Dass es im Regionalsport Sanktionen gegen Spieler oder Trainer gibt, kommt immer wieder vor. Der Innerschweizer Fussballverband (IFV) weist diese Strafen in seinem Bulletin auch aus: 50 Franken kostet es etwa, wenn ein Spieler oder Trainer einen Schiedsrichter beleidigt. Ab dem 1. Juli müssen die Fehlbaren tiefer in die Tasche greifen: Dann tritt das neue Bussenreglement des IFV in Kraft. Reklamationen werden neu mit mindestens 150 Franken und Beleidigungen mit mindestens 250 Franken bestraft. «Dadurch sollen unsere Schiedsrichter geschützt werden», erläutert Markus Berwert, Präsident der Wettspielkommission beim IFV, die Neuerung.

Entscheid folgt morgen

Eltern oder Zuschauer hat der IFV auch schon sanktioniert, etwa wegen Beleidigungen. «Doch mussten wir noch nie handgreifliche Zuschauer bestrafen», sagt Berwert weiter. Dem Verband seien die Hände gebunden, wenn Privatpersonen in das Spielgeschehen eingriffen. «Wir können nicht die Heimmannschaft büssen, nur weil einer ihrer Zuschauer ausfällig wurde», erklärt Berwert. Der Heimverein könne allerdings belangt werden, wenn die Platzordnung nicht eingehalten worden sei. Jedoch handle es sich bisher um Einzelfälle, «die man nicht reglementieren kann».

Eine wüste Szene ereignete sich unlängst auch bei einem B-Junioren-Spiel der OG Kickers. Vor einer Woche ging der Vater eines Spielers der Gegnermannschaft Emmen United auf den Trainer des eigenen Teams los. Grund für den Ausraster: Der Sohn durfte nicht spielen. Dieser wurde ebenfalls ausfällig. Die beiden Vereine Emmen United und OG Kickers haben bis morgen Zeit, um dem IFV eine Stellungnahme abzugeben. Dann will der IFV entscheiden, wie Vater und Sohn mit den zur Verfügung stehenden Reglementen gebüsst werden sollen.

Carole Gröflin

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