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Gästezimmer in Luzerner Klöstern: Das Angebot wächst weiter

Übernachten in der Klosterzelle? Das machen zahlreiche Glaubensgemeinschaften möglich – vor allem, um zusätzliche Einkünfte zu generieren. Doch nicht überall geht die Rechnung auf.
Evelyne Fischer
Schwester Maria Nicola Schmucki zeigt eines von sieben Zimmern, die das Stadtluzerner Frauenkloster St. Anna auf dem Gerlisberg für Gäste bereitstellt. (Bild: Pius Amrein, 30. Juli 2018)

Schwester Maria Nicola Schmucki zeigt eines von sieben Zimmern, die das Stadtluzerner Frauenkloster St. Anna auf dem Gerlisberg für Gäste bereitstellt. (Bild: Pius Amrein, 30. Juli 2018)

Mit der Vermietung von Gästezimmern wollte das Kloster der Arenberger Dominikanerinnen in Rickenbach seine wirtschaftliche Lage verbessern. Weil die Nachfrage aber gering blieb, wird das Angebot per Ende Jahr eingestellt.

Daniel Blättler, der Leiter des dortigen Gästehauses, kann über den Grund der tiefen Belegungszahlen nur mutmassen: «Rickenbach ist vermutlich zu wenig zentral gelegen.» Dass der Standort für die Auslastung wohl eine wichtige Rolle spielt, zeigt das Beispiel des Stadtluzerner Frauenklosters St. Anna auf dem Gerlisberg: «Wir vermieten zwei Seminarräume und sieben Zimmer. Die Auslastung ist gut und die Nachfrage steigt», sagt Schwester Maria Nicola Schmucki. «Seit wir eine Website haben, erhalten wir fast täglich Anfragen.» Anklopfen würden Studenten oder Menschen, die eine Auszeit suchen.

Kloster St. Anna baut Angebot aus

Eine Übernachtung in einer Klosterzelle auf dem Gerlisberg kostet samt Frühstück 50 Franken. Die beiden Seminarräume vermieten die Schwestern für 250 Franken pro Tag. «Nebst den Erträgen aus der Hostienbäckerei und dem Verkauf von Klosterprodukten wie Karten, Kerzen oder Tee sind die Vermietungen unsere wichtigsten Einnahmequellen», sagt die Oberin. «Damit können wir unseren hochbetagten Schwestern den Verbleib auf Gerlisberg ermöglichen.» Das Standbein wird deswegen ausgebaut: «Bis Ende Jahr dürften gegen sieben weitere Ferienzimmer hinzukommen.»

«Die Mieteinnahmen sind die wichtigste Einnahmequelle des Klosters.»

Damian Keller, Guardian des Kapuzinerklosters Wesemlin

Das Angebot des Frauenklosters St. Anna richtet sich vor allem an Interessierte, die mehr als nur einige Tage Erholung suchen. Auf längere, gar unbefristete Aufenthalte ausgerichtet sind auch die zehn unmöblierten Studios, die das Stadtluzerner Kapuzinerkloster Wesemlin anbietet. Auch ein Meditationsraum und ein kleiner Mehrzweckraum mit Küche werden auf Zeit an Dritte vergeben. Ferner hat das Kloster eine Fläche von gegen 1000 Quadratmetern ans Ärztezentrum Medicum vermietet. «Für die Studios und die Räume des Ärztezentrums gibt es feste Mietverträge», sagt Damian Keller, Guardian des Kapuzinerklosters.

«Medicum wäre gar an weiteren Räumen interessiert. Unsere Studios sind aber alle vermietet.» Letztere kosten zwischen 700 und 900 Franken monatlich. Die Mieteinnahmen seien die «wichtigste Einnahmequelle» des Klosters, sagt Keller. Deswegen will man auch hier aufstocken: Mit dem Neubau «Francesco» sollen 30 Wohnungen auf sechs Etagen entstehen. Das Bauprojekt ist derzeit vor Gericht blockiert.

Gar Firmen residieren in der Klosterherberge

Auch das Kloster Baldegg, das immer wieder Asylsuchende aufgenommen hat, bietet in der Klosterherberge seit bald zehn Jahren 13 Gästezimmer mit 20 Betten an. Eine Übernachtung im Einerzimmer mit Frühstück gibt es ab 56 Franken. «Hie und da können wir nicht alle Gäste aufnehmen», sagt Schwester Gabrielle Meier. Es gebe aber keine genaue Statistik zur Auslastung. Diese müsse ohnehin im Zusammenhang mit dem Gesamtangebot von Klosterkafi und Klosterherberge betrachtet werden und sei auch von den personellen Ressourcen abhängig.

«Einige schreiben bei uns an einer Diplomarbeit oder bereiten sich auf ein Examen vor. Andere freuen sich, mit den Schwestern Weihnachten zu verbringen.»

Schwester Gabrielle Meier, Kloster Baldegg

«Wir stellen fest, dass unsere Klosterherberge ein breit gefächertes Zielpublikum anspricht. Männer und Frauen verschiedenen Alters, kirchliche Gruppen oder Firmen aus der ganzen Schweiz», sagt Schwester Gabrielle. Es seien Gäste, die Ruhe suchen. «Einige schreiben bei uns an einer Diplomarbeit oder bereiten sich auf ein Examen vor. Andere freuen sich, mit den Schwestern Weihnachten und Ostern zu verbringen oder an den spirituellen Angeboten des Klosters teilzunehmen.»

Die Herberge sei in erster Linie ein «niederschwelliger Ort des seelsorgerlichen Einsatzes». «Mit den Einnahmen versuchen wir, die anfallenden Personal- und Betriebskosten der externen Mitarbeitenden in der Klosterherberge und den Unterhalt dieses Gebäudes zu decken. Aufgrund der eingeschränkten Betriebszeiten müssen wir sehr Sorge tragen, dass wir diese Ausgaben decken können.»

Bei den Benediktinern haben Gäste Tradition

Ausgerechnet Luzern Tourismus wirbt für Übernachtungen in den Klöstern von Engelberg und Einsiedeln. Einsiedeln, auch auf der Plattform von Schweiz Tourismus verzeichnet, sagt auf Anfrage aber: «Wir verstehen uns nicht als Hotel, sondern wollen die Gäste an unserem Leben teilnehmen lassen. Dies ganz im Sinn des heiligen Benedikt, der in allen Menschen Christus ankommen sah», so Pater Cyrill Bürgi.

Das Kloster Einsiedeln nimmt Männer für eine Dauer zwischen einer Übernachtung bis zu einer Woche auf. Von ihnen wird erwartet, dass sie an den Gebets- und Mahlzeiten der Gemeinschaft teilnehmen. «Wir stellen 28 Zimmer zur Verfügung. Davon sind drei für Jakobspilger reserviert.» Für die Übernachtungen erwartet das Kloster eine Spende zwischen 70 bis 100 Franken. «Je nach Zimmer und Mahlzeiten.» Die Gästezahlen seien in den letzten zehn Jahren konstant geblieben, sagt Pater Cyrill. Aber: «Der Herbergebetrieb ist vom Finanziellen her betrachtet ein Verlustgeschäft. Gäste sind uns trotzdem wichtig, weil wir dadurch einen guten Austausch mit anderen Menschen haben. Das ist für uns ein grosser Gewinn.»

Auch in der Benediktinerabtei Engelberg ist die Vermietung von Zimmern nebst Erträgen aus den eigenen Betrieben wie etwa der Schreinerei oder dem Weinberg nur ein kleiner Nebenerwerbszweig. «Das Geschäft ist selbsttragend und wirft teilweise einen kleinen Gewinn ab. Für uns ist das Beherbergen von Gästen aus traditioneller Sicht wichtig», sagt Pater Benedikt Locher. Im Westtrakt stehen 17 Zimmer mit 24 Betten zur Verfügung. Eine Übernachtung im Einzelzimmer samt Frühstück gibt’s ab 105 Franken, Studenten zahlen weniger.

«Über das Jahr hinweg erreichen wir eine Auslastung von ungefähr 50 Prozent. Damit schneiden wir besser ab als manch ein Engelberger Hotel», sagt Pater Benedikt. Willkommen seien Menschen, die Ruhe suchen. «Wer nur Skifahren will, den verweisen wir an eine andere Unterkunft.» Die Benediktinerabtei will künftig noch mehr Zimmer anbieten. «Denn die Nachfrage nimmt zu.» (fi)

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