Gaming
Handgezeichnetes Luzerner Videospiel feiert weltweiten Erfolg – nach sechs Jahren Arbeit

Das Videospiel «Mundaun» hat die Aufmerksamkeit vieler geweckt. Das Ein-Mann-Projekt zeigt die Berge von ihrer düsteren Seite.

Federico Gagliano
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Die Schweizer Berglandschaft hatte schon immer eine mystische Wirkung auf die Menschen. Ihre Imposanz inspirierte zahlreiche Sagen und Geschichten, die oft Übernatürliches und Unerklärliches beinhalten. Eine solche Geschichte ist seit einigen Wochen spielbar: Im Videospiel «Mundaun» des Luzerner Studios «Hidden Fields» wird man in surreale Ereignisse verwickelt.

Szene aus dem Videospiel «Mundaun».

Szene aus dem Videospiel «Mundaun».

Bild: PD

Spieler begleiten dabei den jungen Flurin Caminada, der den Tod seines Grossvaters aufklären will. Als er in der Bündner Region Mundaun ankommt, wird die Bergidylle aber schnell von einer düsteren Gestalt gestört, die dunkle Absichten verfolgt. Wie in vielen Berggeschichten geht es um einen Pakt mit dem Teufel und dessen Folgen. «Solche kurzen Sagen eignen sich perfekt für ein Videospiel», erzählt Michel Ziegler, Entwickler von «Mundaun».

«Mir gefiel der tölpelhafte Teufel, der in solchen Geschichten beschrieben wird. Er hat meist bescheidene Ziele, wird dann aber betrogen und stiftet Unheil.»
Ziegler hat alle Objekte im Videospiel von Hand gezeichnet.

Ziegler hat alle Objekte im Videospiel von Hand gezeichnet.

Bild: PD

Figuren im Spiel sprechen Rätoromanisch

Ziegler hat vor über sechs Jahren mit der Entwicklung des Spiels begonnen. Zwei Dinge lassen «Mundaun» in der Flut von wöchentlich veröffentlichten Videospielen besonders herausstechen. Einerseits der Look: Ziegler hat alle Texturen des Spiels mit Bleistift gezeichnet und dann ins Spiel eingescannt. Inspiriert wurde er von der Bündner Landschaft in Mundaun, da er als Kind dort viel Zeit verbrachte. Inzwischen sei er noch viele Male dort gewesen, um Sujets zu suchen, die er ins Spiel nehmen konnte. Doch auch akustisch überrascht das Game: Neben altbekannten Alpgeräuschen sprechen alle Figuren auch Rätoromanisch – Untertitel sind aber vorhanden, damit man trotzdem der Handlung folgen kann.

Durch diese zwei Besonderheiten erreicht «Mundaun» eine einzigartige Atmosphäre, die inzwischen auch international aufgefallen ist. Neben grossen Videospielmagazinen wie «Kotaku» oder «Waypoint» wurde das Game auch in der «Washington Post» in höchsten Tönen gelobt. Ein grosser Erfolg für Ziegler, denn «Mundaun» ist hauptsächlich ein Ein-Mann-Projekt. Nur für Musik, Sound Design und Story hat er sich auswärtige Unterstützung geholt. «Einige Freelance-Programmierer halfen noch in der Schlussphase», erzählt Ziegler. Letztes Jahr kam noch ein Helfer dazu: Das Produktionsstudio Madison Wells Media Interactive (MWM) mit Sitz in Los Angeles wurde auf sein Game aufmerksam. MWM übernahm das ganze Marketing und die Portierung des PC-Spiels auf Konsolen wie Playstation 4 und Xbox. Als Nächstes soll im Mai eine Version für die Nintendo Switch folgen – sowie japanische Untertitel, damit «Mundaun» auch im Mutterland der Videospiele verkauft werden kann.

Michel Ziegler, Entwickler von «Mundaun».

Michel Ziegler, Entwickler von «Mundaun».

Bild: PD

Es sei ein grossartiges Gefühl, all die positiven Kritiken zu erhalten, sagt Ziegler. Wie viel sich das Game verkauft habe, könne er noch nicht sagen. Er habe seine Arbeitsstunden aber bereits wieder eingeholt. Und für die Zukunft? «Ich würde gerne weiter Games entwickeln.» Er habe auch schon einige Ideen. Jetzt sei aber eine Pause nötig: «Ich fühle mich vor allem erschöpft. Zuerst will ich mich von der Arbeit erholen.» Und er wolle auch etwas mehr Zeit mit der Familie geniessen: Ziegler ist während der Entwicklung von «Mundaun» Vater geworden.

«Mundaun» ist für PC, Playstation 4 und Xbox One erhältlich. Preis: 19.50 Franken.