Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GASTGEWERBE: Unisex-WCs sollen in Luzern erlaubt werden

Der Luzerner Regierungsrat will in Gastrobetrieben sogenannte Unisex-WCs ermöglichen. Die Betriebe sollen selber entscheiden können, ob sie geschlechtergetrennte Anlagen wollen. Doch die Liberalisierung hat einen Haken.
Christian Glaus
Im Restaurant Anker teilen sich Damen und Herren die Toiletten. (Bild: (Luzern, 13. Dezember 2016))

Im Restaurant Anker teilen sich Damen und Herren die Toiletten. (Bild: (Luzern, 13. Dezember 2016))

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Im Zug, im Flugzeug und teilweise auch auf öffentlichen Plätzen sind sie gang und gäbe: Die sogenannten Unisex-WCs, die nicht nach Geschlechtern getrennt sind. Anders in Zentralschweizer Gastrobetrieben: Diese sind verpflichtet, getrennte Damen- und Herren-WCs anzubieten. Das will der Luzerner Regierungsrat nun ändern. Er hat am Montag eine Teilrevision der entsprechenden Verordnung für das Gastgewerbe in die Vernehmlassung geschickt. Die Betriebe sollen künftig keine getrennten Toilettenanlagen für Damen und Herren mehr zur Verfügung stellen müssen.

Mindestvorgaben soll es aber zur Anzahl WCs geben: Bis 50 Plätze braucht es künftig ein Klosett und ein Pissoir. Grössere Betriebe bis 100 Plätze müssen zwei Klosetts zur Verfügung stellen; bei Lokalen bis 200 Plätze werden vier Klosetts und zwei Pissoirs gefordert. Zusätzlich muss ein behindertengerechtes Klosett vorhanden sein. Die Vernehmlassung dauert bis am 30. April. Geplant ist laut Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP), dass die neue Verordnung am 1. Juli in Kraft tritt.

Winiker spricht von Liberalisierung

Die Sache ins Rollen gebracht hat die Firma Remimag mit dem Umbau des Hotel Restaurant Anker in Luzern. Am 14. Dezember 2016 wurde der Betrieb wiedereröffnet. Doch statt der geforderten geschlechtergetrennten WCs baute die Remimag Unisex-Anlagen ein (wir berichteten). In der Folge reichte Kantonsrat Giorgio Pardini (SP, Luzern) einen Vorstoss ein und forderte, dass die Gesetzesparagrafen überprüft werden. Auch der Regierungsrat sprach sich dafür aus, der Vorstoss wurde klar überwiesen.

Paul Winiker spricht von einer Liberalisierung: «Die Betriebe sollen aufgrund ihrer Grösse und ihrer Art selber entschieden können, ob sie geschlechtergetrennte WCs zur Verfügung stellen wollen oder nicht.» An einem runden Tisch mit Gastrovertretern von Stadt und Kanton sei man zum Schluss gekommen, dass dies die sinnvollste Regelung sei. «In der Gesellschaft hat eine Umorientierung stattgefunden», begründet Winiker die neue Offenheit.

Vor allem eine Frage dürfte die Restaurantbesucher beschäftigen: Leiden Sauberkeit und Sicherheit auf dem stillen Örtchen, wenn Männer und Frauen das gleiche WC benützen? Paul Winiker will auch auf Nachfrage keine Stellung beziehen. «Dazu erhoffe ich mir in der Vernehmlassung viele Rückmeldungen – vor allem von Frauen.» Es gehe dabei um die gefühlte Sicherheit, auf die «Frauen sensibler reagieren».

Spezialvorschriften soll es nicht geben

Winiker verweist auf die Zürcher Lösung: Dort müssen Betriebe ab 50 Plätzen getrennte WCs zur Verfügung stellen. «Treiber waren die Nachtclubs und Bars. Dort tragen getrennte WCs dazu bei, die gefühlte Sicherheit zu erhöhen», erklärt Winiker. Dennoch sieht er von Spezialvorschriften ab. «Im Zentrum der Teilrevision steht die Liberalisierung, da wollen wir nicht schon wieder Teilvorschriften erlassen.»

Seit über einem Jahr hat Bastian Eltschinger, Geschäftsführer der Remimag AG, im «Anker» Erfahrungen mit Unisex-WCs gesammelt: «Sauberkeit und Sicherheit sind besser als in geschlechtergetrennten WCs.» Er erklärt dies damit, dass man sich auf Unisex-WCs «mehr zusammennimmt und sich schlechter verstecken kann». Die Remimag AG will bei Neu- oder Umbauten den Einsatz von weiteren Unisex-WCs prüfen. Auch Paul Winiker geht davon aus, dass Wirte die neuen Möglichkeiten vor allem im Rahmen grösserer Bauvorhaben nutzen werden.

Die Liberalisierung hat allerdings einen Haken: Denn die meisten Betriebe werden auch künftig nach Geschlechtern getrennte WCs anbieten müssen – nämlich für ihre Mitarbeiter. Dies schreibt das Arbeitsgesetz vor. «Diese Bundesvorschrift können wir nicht antasten», sagt Winiker. Doch er würde auch da eine Liberalisierung begrüssen. «Die Forderung nach getrennten Garderoben und Toiletten kommt aus dem Fabrikbereich.» Die Auswirkungen dieser Regelung veranschaulicht Winiker am Beispiel der Luzerner Polizei: «Mit relativ grossem Aufwand wurden auf allen Polizeiposten getrennte Garderoben eingerichtet.»

Gastroverband will keine «Lex Anker»

Patrick Grinschgl, Präsident von Gastro Stadt Luzern, sieht das Arbeitsgesetz nicht als Problem. In grösseren Betrieben dürften die Mitarbeiter ohnehin nicht die Gäste-WCs benützen. Er unterstützt die geplante Neuerung: «Der Gesetzgeber soll nur regeln, was er regeln muss, der Rest soll den Kunden überlassen werden.»

Ruedi Stöckli, Präsident des kantonalen Verbands Gastro Luzern, sieht in Unisex-WCs keine Vorteile. Dennoch sagt er: «Wir wollen uns gegenüber gesellschaftlichen Veränderungen nicht verschliessen.» Stöckli stört aber wie die Verordnungsänderung ins Rollen gebracht wurde. «Wir wollen keine Lex Anker», sagt er und kündigt an, in der Vernehmlassung neue Änderungsanträge einzubringen.

Bastian Eltschinger hofft, dass die neue Verordnung bald in Kraft tritt. Denn noch sind die Unisex-WCs nicht rechtskonform, der «Anker» hat daher nur eine provisorische Betriebsbewilligung erhalten. Mit Konsequenzen, wie Eltschinger sagt: «Wegen des hängigen Verfahrens dürfen wir die Terrasse nicht erweitern.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.