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Gasthaus Sonne in Alberswil: Noch ein letzter Schwatz am Stammtisch, dann ist Schluss

Das Wirtepaar der «Sonne» hat nach 43 Jahren schweren Herzens die Tür geschlossen. Wie der Dorfladen ist auch das Gasthaus aus der Zeit gefallen.
Stephan Santschi
Ein Prosit auf die Zukunft: Wirtepaar Marlis und Karl Heimann (Mitte) mit Tochter Karin Boog. (Bild: Dominik Wunderli (Alberswil, 21. Dezember 2018))

Ein Prosit auf die Zukunft: Wirtepaar Marlis und Karl Heimann (Mitte) mit Tochter Karin Boog. (Bild: Dominik Wunderli (Alberswil, 21. Dezember 2018))

«Alles hat seine Zeit. Nun ist es für uns soweit.» So stand es auf einem Zettel an der Eingangstür des Gasthauses Sonne. Seit letzten Samstag ist sie definitiv geschlossen, 120 Gäste waren zum Abschiedsanlass gekommen und feierten bis in die Morgenstunden. Fast zur gleichen Zeit wie der Dorfladen, der Ende Jahr dichtmacht, verliert Alberswil auch die Dorfbeiz. 43 Jahre lang haben Marlis und Karl Heimann hier gewirtet, nun können sie nicht mehr. «Wenn ich künftig am Morgen die Treppe runterkomme, um mein Frühstück einzunehmen, wird es ruhig sein», sagt Karl Heimann mit traurigem Blick. Obwohl er und seine Frau längst im Pensionsalter sind, fiel das Loslassen schwer. Vor allem ihm.

Sieben Pensionäre sassen am letzten Freitagvormittag am Stammtisch, tranken Kaffee Schnaps, Bier und Weisswein. «Hier trifft man sich, hier wird diskutiert und manchmal auch über alte Zeiten plagiert», sagt Toni Lütolf. Sein Gegenüber Edy Limacher erwähnt, dass «wir in der Sonne immer sehr gut gegessen haben». Als kulinarisches Aushängeschild galt das Cordon-Bleu, erhältlich in 13 Variationen. «Schade, gibt es keinen Nachfolger», bedauert Limacher, seine Kollegen nicken. Und schmunzelnd fügt er an: «Wir hätten auch eine Frau akzeptiert.»

«Ich konnte meine Eltern doch nicht hängen lassen»

Angesprochen war Karin Boog-Heimann, eines von vier Kindern der Heimanns. Ab ihrem 19. Lebensjahr arbeitete die gelernte Köchin im Familienbetrieb. Heute ist sie 46-jährig, selber Mutter und die treibende Kraft hinter dem Schlussstrich. «Wir durften nicht warten, bis einer von uns nicht mehr da ist. Dann wäre es ohnehin nicht weitergegangen», erklärt sie. Weshalb sie nicht das Ruder übernehme? «Weil die Präsenzzeit sehr hoch ist und der Umsatz zurückgeht.» Wie viele Restaurants auf dem Land ist die Sonne aus der Zeit gefallen. Die junge Kundschaft ging verloren, Hochzeitsgesellschaften kamen immer seltener. Ausserdem weiss Karin Boog:

«Auch die Senioren sind fitter als früher, fahren lieber mit dem E-Bike, als bei uns zu jassen.»

Versteht Karl Heimann, dass seine Tochter sein Lebenswerk nicht weiterführen mag? «Na klar. Wir hatten ja nie Zeit für die Familie. An einem Weissen Sonntag brauchten wir ein gutes Umfeld, um wenigstens schnell in die Kirche gehen zu können.» Er weiss, dass er ihr viel zu verdanken hat. Neben einer festangestellten Kellnerin war Karin Boog der grosse Rückhalt im Betrieb. «Ich konnte meine Eltern doch nicht hängen lassen», erklärt sie. Die Familienbande der Heimanns ist stark, auch ihre Geschwister sprangen jeweils ein, wenn Personalnot herrschte.

Auf dem Parkplatz und der Wiese plant die Familie nun Eigentumswohnungen. Später soll am Standort der «Sonne» ein Neubau mit Mietwohnungen folgen. Was bleibt, sind Erinnerungen an Maskenbälle im Säli, an Kegelturniere im Untergeschoss, an Freitagabende bei Handorgelmusik und viele zufriedene Gäste. «Wir sind in diesem Monat überrannt worden, jeder wollte nochmals vorbeikommen», erzählt Karin Boog. Andere hätten sich telefonisch bedankt. Die Nostalgie ist spürbar, ihr steht aber die Vorfreude auf freie Abende und Wochenenden gegenüber. «Wir gehen mit einem weinenden und einem lachenden Auge.»

Sonne Alberswil

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