GASTKANTON: Zürich will sich an der Luga von seiner grünen Seite zeigen

Zürich ist an der diesjährigen Luga zu Gast. Die Schmach mit dem Sechseläuten ist längst vergessen: Zürich kommt mit viel Blumen nach Luzern.

Drucken
Teilen
Zürcher Bauwerk in Luzern: Die Vorbereitungs- und Aufbauarbeiten an der Luga laufen auf Hochtouren. (Bild: PD)

Zürcher Bauwerk in Luzern: Die Vorbereitungs- und Aufbauarbeiten an der Luga laufen auf Hochtouren. (Bild: PD)

Wenn man an den Kanton Zürich denkt, dann kommt einem meist zuerst die grösste Stadt der Schweiz in den Sinn. Aber der Kanton Zürich hat weit mehr zu bieten, sagt Regierungspräsidentin Regine Aeppli (SP). «Wir wollen an der Luga eine andere Seite unseres Kantons präsentieren», sagt sie. «Denn wir haben nicht nur die beiden Städte Zürich und Winterthur, sondern auch viel Land und grosse Ackerflächen im Kanton.» Der diesjährige Gastkanton Zürich präsentierte gestern die Details zu seinem Auftritt an der Luga in Luzern, die am 24. April beginnt.

Ein Mini-Zürichsee

Die Sonderschau des Gastkantons präsentiert sich als grüne Gartenlandschaft, inklusive echtem Wald, Blumenbeeten und Mini-Zürichsee. Von einem 7 Meter hohen Holzturm können die Besucher den «Familie Zürchers Garten» bestaunen. Aber auch die städtischen Grünräume fehlen nicht. Das Zauberwort dabei lautet «Urban Gardening». Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil zeigt, wie auch in engen Städten Pflanzen wachsen können. So sind an der Luga eine bepflanzte Wand sowie ein sogenannter «Pendularis » zu sehen – das sind Röhren, auf denen Pflanzen wachsen können. Ähnlich einer Lampe können sie an der Decke befestigt werden. Etwas ganz anderes präsentiert der Studiengang «Game Design» der Zürcher Hochschule der Künste. Dort werden Videospiele realisiert. Davon bekommen auch die Luga-Besucher etwas zu sehen. Ob vernichtende Roboterbienen oder die Welt einer psychisch kranken Person: Ungewöhnliche Themen werden in diesen Games aufgegriffen. Auf mobilen Geräten kann man die Spiele dann testen.

«Halten die andere Wange hin»

Ursprünglich war vorgesehen, dass nicht nur Zürich Luzern besucht, sondern auch umgekehrt. Doch die Absage Luzerns zum diesjährigen Sechseläuten aus Spargründen sorgte für hohe Wellen. 500 000 Franken waren dem Kanton Luzern zu viel für eine Teilnahme als Gastkanton am Zürcher Traditionsanlass. Sogar 1,5 Millionen Franken bezahlt nun Zürich für seinen Auftritt an der Luga. Auch im Zürcher Regierungsrat sorgte die Sechseläuten-Affäre für Diskussionen, erzählt Regine Aeppli. «Es war aber eine Absage gegenüber den Zünften und nicht gegenüber dem Kanton», sagt Aeppli. Eine Absage zum Auftritt an der Luga sei deshalb für den Kanton Zürich nicht in Frage gekommen. «Wir handeln nicht Auge um Auge. Wenn uns jemand auf die Wange schlägt, halten wir lieber noch die andere hin», sagt Aeppli schmunzelnd. Zur Tatsache, dass Zürich dreimal so viel bezahlt, wie ein Auftritt Luzerns beim Sechseläuten gekostet hätte, kommentiert Aeppli so: «Gastfreundschaft kann man nicht in Geld messen.»

Am Eröffnungstag am Freitag wird Aeppli selber an der Luga anwesend sein und eine Rede halten. «Ich werde sicher gerne ein bisschen durch die verschiedenen Stände schlendern», erzählt sie. Und wie sieht es mit dem Luna-Park aus? «Dafür bin ich wohl langsam zu alt», sagt die 62-Jährige lachend.

Zürich und Luzern seien sich durchaus ähnlich, findet Regina Aeppli, die auch privat Freunde in Luzern hat. «Beide haben mit Monopolstadt-Problemen zu kämpfen. So wohnen viele in steuergünstigeren Kantonen und arbeiten in der Stadt.» Aber ein grosser Unterschied gibt es gemäss Aeppli dann doch: «Luzern feiert ‹rüüdig› viel lieber als Zürich.»

Raphael Gutzwiler