GASTREGIONEN: Eklat in letzter Minute verhindert

Die Gastkantone und -regionen sind an der Luga nicht mehr wegzudenken. Nur einmal kams fast zum Eklat.

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Am Ende kam alles gut: Luzerns Stadtpräsident Urs W. Studer unterschreibt 2002 den Vertrag zur Städtepartnerschaft mit Potsdam. (Bild Archiv Luga)

Am Ende kam alles gut: Luzerns Stadtpräsident Urs W. Studer unterschreibt 2002 den Vertrag zur Städtepartnerschaft mit Potsdam. (Bild Archiv Luga)

Liste aller Luga-Gastkantone und -Gastregionen auf www.luzernerzeitung.ch/bonus

nez. An der diesjährigen Luga präsentiert sich der Gastkanton Zürich unter anderem mit einem schönen Garten. Bereits seit 1983 werden Regionen, Kantone oder gar Städte als Gäste an die Luga eingeladen. Dahinter stecken oft jahrelange Verhandlungen, manchmal mit Behörden, manchmal aber auch mit Einzelpersonen. «Wir versuchen, diese Partnerschaften stets möglichst breit abzustützen», erzählt Albert Schwarzenbach, Kommunikationsbeauftragter der Messe Luzern. Die Idee dahinter ist klar: «Die Luga möchte möglichst verschiedene Anziehungspunkte bieten. Dank dem Gastkanton gibt es für die Luga-Besucher ein zusätzliches Angebot an Essen, Darbietungen und Spezialitäten», sagt Schwarzenbach. Der Gastkanton seinerseits erhält ein willkommenes Schaufenster, um sich zu präsentieren.»

Dies tun sie auf ganz unterschiedliche Weise. «Als Uri 2004 Gast war, trat jeden Tag eine Gemeinde auf. So lernt man auch die Leute kennen», erinnert sich Albert Schwarzenbach. Der Kanton Obwalden hatte 2001 das Motto «Hinter dem Mond». Doch der Slogan täuschte, wie Schwarzenbach sagt: «Obwalden bewies mit dem Auftritt von hochmodernen Firmen genau das Gegenteil. Das war eine richtige Image-Kampagne.»

Touristen-Boom im Jura

Für eine Region kann der Auftritt an der Luga nachhaltige Veränderungen bewirken. Das habe etwa der Gastkanton Jura 2005 erfahren, erklärt Schwarzenbach. «Danach haben uns die Verantwortlichen gemeldet, dass sie, in Zahlen messbar, signifikant mehr Touristen verzeichnen konnten.» Das führte sogar dazu, dass der Kanton Jura später nochmals eine Werbeaktion in der Zentralschweiz machte. Auch der Auftritt der deutschen Stadt Potsdam 2002 wirkt bis heute nach in der Städtepartnerschaft mit Luzern, die immer noch besteht. Bis es soweit war, mussten die Luzerner allerdings viel Nervenstärke beweisen. «Im Herbst 2001 kam eine Delegation aus Potsdam nach Luzern», erzählt Albert Schwarzenbach. «Sie hatten ein schönes Konzept in der Tasche, samt attraktiver Programmideen – auch als bekannte Filmstadt.» Es habe alles vielversprechend ausgesehen. Dann aber habe man in Luzern plötzlich nichts mehr von den Potsdamern gehört. Inzwischen hatten die Verantwortlichen schon das Luga-Plakat gestaltet: Die Hörner der Luga-Kuh waren darauf aus Celluloid – als Anspielung auf die Film- und Gaststadt Potsdam. Plötzlich sei ein Fax aus Deutschland gekommen, so Schwarzenbach: «Die Potsdamer warnten uns, dass sie finanzielle Engpässe hätten und eventuell nicht so an der Luga teilnehmen könnten.»

In aller Eile nach Potsdam

Daraufhin flogen Niklaus Zeier, Kommunikationschef der Stadt Luzern, und Albert Schwarzenbach umgehend nach Potsdam. Vor Ort wurde klar: Die Städtepartnerschaft war in Potsdam noch gar nicht beschlossene Sache, genausowenig wie der Luga-Auftritt. Kurzerhand wurde eine Sitzung des dortigen Stadtparlaments einberufen, an der Niklaus Zeier die Stadt Luzern vorstellte. Die darauffolgende Abstimmung über diese Partnerschaft fiel grossmehrheitlich zugunsten Luzerns aus. Nur eine Vertreterin der Grünen enthielt sich. «Sie war die Exfrau von Oberbürgermeister Matthias Platzeck», schmunzelt Albert Schwarzenbach.

Die Potsdamer kamen dann also doch an die Luga. Und es war auch an der Luga, wo die Städtepartnerschaft am 4. Mai 2002 offiziell besiegelt wurde vom damaligen Stadtpräsidenten Urs W. Studer und dem Potsdamer Oberbürgermeister. Doch die ganze Sache kam Luzern teurer zu stehen als geplant. Die Stadt und die Luga halfen finanziell noch etwas nach, damit Potsdam seinen Luga-Auftritt auch wirklich realisieren konnte. «So hatte Potsdam einen schönen Auftritt, und wir mussten nicht unsere Plakate neu gestalten», lacht Schwarzenbach.