GASTRO: Das «Schiff» droht zu verlottern

Das Hotel Schiff ist seit vier Monaten geschlossen. Jetzt machen Gerüchte um einen Verkauf die Runde. Das Problem: Das Haus muss dringend saniert werden.

Lena Berger
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Wie es mit dem Hotel Schiff an der Reuss weitergeht, ist momentan unklar.

Wie es mit dem Hotel Schiff an der Reuss weitergeht, ist momentan unklar.

Ein schönes historisches Gebäude mit Ausblick auf die weltbekannte Kapellbrücke an einer Traumlage direkt an der Reuss: Das Hotel Schiff ist ein Schmuckstück in der Luzerner Altstadt. Seit Anfang Jahr jedoch steht es leer – und das wird sich wohl so schnell nicht ändern. Auf Nachfrage hiess es von Seiten der Besitzerfamilie, derzeit sei der Betrieb nicht zur Verpachtung ausgeschrieben. Man werde informieren, sobald es etwas Neues gebe.

8 Millionen Franken?

Derweil brodelt die Gerüchteküche. So wird in Gastrokreisen gemunkelt, dass das «Schiff» verkauft werden soll, wie mehrere Quellen gegenüber unserer Zeitung bestätigten. Der Verkaufspreis soll 8 Millionen Franken betragen.

Gemäss einem ehemaligen Mitarbeiter dürfte es allerdings Jahre gehen, bis das «Schiff» seine Türe wieder öffnen kann. Die Besitzerfamilie habe es jahrelang versäumt, dringend notwendige Sanierungen vorzunehmen. Dass Investitionsbedarf besteht, bestätigen auch die ehemaligen Betreiber des «Schiffs», die das Haus von 1995 bis 2012 geführt hatten. «Wir bedauern es ausserordentlich, dass das Haus derzeit leer steht», sagt Sylvia Wiesner, die nun zusammen mit ihrem Mann die benachbarte Bar La Barca betreibt.

Bei einem grösseren Umbau könnte allerdings die so genannte Bestandesgarantie verfallen. Diese besagt, dass unter altem Recht bewilligte Bauten bestehen bleiben dürfen, auch wenn sie nach neuem Recht unzulässig sind. Konkret würde das gemäss dem Luzerner Stadtarchitekten Jürg Rehsteiner bedeuten, dass ein neuer Besitzer bei einem Umbau aktuelle Bauvorschriften wie Behindertenzugänglichkeit und Energiestandards einhalten müsste – und das bei einem Gebäude, dessen Bausubstanz aus dem späten 16. und dem 19. Jahrhundert stammt.

Haus in der Schutzzone

Da sich das «Schiff» in der Ortsbildschutzzone A und im Altstadtinventar befindet, sind zusätzliche Vorschriften zu beachten. «Den denkmalpflegerischen Anliegen ist entsprechend Rechnung zu tragen. Eine Entkernung des Gebäudes sehen wir nicht», sagt Rehsteiner. Bei solchen Bauvorhaben sei es sinnvoll, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt die Stadt und die Denkmalpflege beizuziehen. Bislang sei allerdings noch keine Anfrage eingegangen. «Es ist schade, dass dieses Gebäude nicht mehr voll genutzt wird. Im Falle eines Umbaus oder einer Neunutzung bieten wir gerne Hand für eine optimale Lösung», so der Stadtarchitekt.

Gemäss der kantonalen Denkmalpflegerin Conny Grünenfelder wird die Schutzwürdigkeit eines Gebäudes in der Altstadt nach einer Besichtigung von Fall zu Fall beurteilt. Für sie ist aber klar: «Das ‹Schiff› ist schützenswert. Es handelt es sich um eine wichtige Fassade an der Reuss.»

Experte: Preis ist zu hoch

Das Gerücht um einen Verkaufspreis von 8 Millionen Franken ist auch zum Luzerner Immobilienexperten Bruno Sigrist durchgedrungen. «Mir scheint er aber kaum realistisch», sagt dieser dazu. Dass ein hoher Renovationsbedarf besteht, sehe man auf den ersten Blick. «Eine Bausubstanzerhaltung ist aber wahnsinnig teuer. Der Preis wird in etwa so hoch sein wie bei einem Neubau.»

Dass sich dafür ein ausländischer Investor finden wird, ist seiner Meinung nach unrealistisch. «Für Ausländer ist das ‹Schiff› nicht attraktiv. Ihnen fehlt der Bezug zur Historie. Zudem ist das Gebäude nicht so prestigeträchtig wie beispielsweise das Château Gütsch – man kann damit nicht protzen», so Sigrist. «Das Restaurant im ‹Schiff› war eine tolle Beiz. Aber um es zu kaufen, müsste man schon ein Idealist sein. Ich glaube nicht, dass die Umsätze die Kosten in nützlicher Frist decken können.»