Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GASTRONOMIE: «Anker» in Luzern provoziert Gesetzeshüter mit Unisex-Toiletten

Als erstes Restaurant in Luzern hat der «Anker» ein Unisex-WC gebaut. Es sei die Toilette der Zukunft, sagen die Betreiber. Gegenwärtig ist die Anlage jedoch nicht gesetzeskonform.
Sandra Monika Ziegler
Archivbild Eveline Bachmann / LZ (Luzern, 9. Mai 2003)

Archivbild Eveline Bachmann / LZ (Luzern, 9. Mai 2003)

Morgen öffnet das Hotel-Restaurant Anker nach zwei Jahren Umbau wieder. Die Betreiber haben sich dabei etwas einfallen lassen: Im Restaurant wird es eine Unisex-Toilette geben – das erste nicht nach Geschlechtern getrennte WC in einem Restaurant in Luzern. Und dieses könnte für Ärger sorgen: Denn laut den kantonalen Vorschriften sind Unisex-WCs nicht zulässig.

Vorgeschrieben sind für alle Restaurants getrennte Toiletten und Handwaschanlagen – egal, wie viele Sitzplätze der Betrieb hat. Einzig bei Verpflegungsständen bis zu einer Grösse von 25 Quadratmetern braucht es nur eine Toilette, erklärt Urs Renggli, Chef Gastrogewerbe und Gewerbepolizei. Das beeindruckt die Verantwortlichen beim Anker jedoch nicht. «Wir sind uns der Problematik bewusst. Doch wir werden so oder so eröffnen», sagt Peter Eltschinger, Verwaltungsratspräsident der Betreiberfirma Remimag.

Bisher gab es noch keine Verfahren wegen WCs

«Im Kanton Luzern sind Unisex-Toiletten zurzeit kein Thema. Unsere Aufgabe ist es, dass die bestehenden Gesetze eingehalten werden», sagt Urs Renggli. Eine Änderung dieser Gesetzesvorschrift müsste auf politischer Ebene erfolgen. Somit ist klar: Sollte das Restaurant Anker morgen eröffnen, dürfte die Bewilligung und damit die Voraussetzung für ebendiese Eröffnung fehlen. Dazu Renggli: «Wird ein Betrieb illegal eröffnet, dann kommt es zur Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.» Diese sei auch für das entsprechende Strafverfahren zuständig. Das sei bis anhin aufgrund von WC-Anlagen jedoch noch nie der Fall gewesen, räumt Renggli ein. Deshalb kann Renggli auch nichts über die Höhe der allfälligen Busse sagen.

Geregelt sind die Vorschriften in der Gastgewerbeverordnung des Kantons Luzern. Für die Toilettenanlagen gilt Paragraf 15. Dort steht unter anderem geschrieben, dass gastgewerbliche Betriebe in genügender Anzahl über getrennte Toilettenanlagen für Damen und Herren mit Handwascheinrichtungen im Vorraum verfügen müssen. Die Toilettenanlagen müssen ungehindert zugänglich sein und über mindestens ein rollstuhlgängiges Klosett verfügen. Das wäre im neuen Restaurant Anker der Fall – nur eben nicht nach Geschlechtern getrennt.

In der Schweiz hat als erster Betrieb das vietnamesische Restaurant Coming Soon im Zürcher Langstrassenquartier geschlechtsneutrale Toiletten eingeführt. Damals sagte der Mitinhaber Rico Fanchini gegenüber dem Newsportal «Watson», dass sie damit ein «Zeichen gegen Ausgrenzung» setzen wollen und deshalb auch eine allfällige Busse in Kauf nehmen würden.

Doch so weit kam es bisher nicht, wie gestern Fanchini auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt: «Von Seiten der Zürcher Behörden haben wir seit der Eröffnung Ende September nie mehr etwas gehört.» Fanchini vermutet, dass dies noch nicht geschehen sei, weil den Behörden die Argumentation für ein Verbot fehle. Denn in Zügen und öffentlichen WC-Anlagen wie etwa entlang dem Zürichsee gebe es nur Unisex-Toiletten.

Für das «Coming Soon» haben diverse Gründe den Ausschlag für das Unisex-WC gegeben: so etwa der erhöhte Platzbedarf bei getrennten WCs und die Diskriminierung der rollstuhlfahrenden Männer, die die Damentoilette hätten benutzen müssen. Fanchini: «Bei uns war das Handicap- und das Frauen-WC das gleiche, das wollten wir ändern.» Und wie haben die Gäste auf den neuen stillen Ort reagiert? «Wir haben bis jetzt nur positive Reaktionen. Bei uns herrscht seither auch im Toilettenbereich eine ausgesprochen entspannte Atmosphäre.»

Für die Betreiber des Ankers waren ähnliche Gründe massgebend, wie Peter Eltschinger ausführt: «Erstens glaube ich, dass die Unisex-Toilette die Zukunft ist. Und es braucht weniger Platz und kann so grosszügiger gestaltet werden.» Im Restaurant Anker sind sieben Toilettenkabinen, davon zwei nur mit Pissoir, vorhanden. Im Vorraum befindet sich die gemeinsame Handwaschanlage. Für Eltschinger ist das der ideale Ort für Konversation: «Beim gemeinsamen Händewaschen oder auch beim Schminken können interessante Gespräche entstehen.» Zudem ist im Vorraum auch eine alte Passfotokabine für Porträts, die jeder Gast gratis benutzen kann, aufgestellt.

Probanden waren «begeistert»

Dass das neue Toilettenkonzept auch bei den Restaurantgästen gut ankommen wird, davon ist Eltschinger überzeugt: «Bei den Probeläufen mit über 200 Personen ist die Unisex-Toilette sehr gut angekommen. Es gab niemand, der sich daran gestossen hätte. Im Gegenteil – alle waren begeistert.»

Zum Vergleich: Unisex-Toiletten sind in New York ab dem Jahr 2017 obligatorisch. Dies, damit Transmenschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen, nicht ausgegrenzt werden. Auch in England oder Schweden sind solche Anlagen bereits Standard. Für Fanchini wie auch für Eltschinger ist klar: Hier hinkt die Politik hinter der Realität nach.

Sandra Monika Ziegler
sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.