GASTRONOMIE: In Luzern hat sichs ausgestrippt

Eine jüngst in Kraft getretene Bestimmung verbietet es Cabaret-Unternehmern, Frauen aus Nicht-EU-Staaten zu engagieren. Auch das führte dazu, dass Luzerner Stripteaselokale von der Landkarte verschwanden.

Thomas Heer
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Rotes Licht für Cabaret-Lokale in Luzern. (Symbolbild/KEYSTONE/AP Eckehard Schulz)

Rotes Licht für Cabaret-Lokale in Luzern. (Symbolbild/KEYSTONE/AP Eckehard Schulz)

Die Werbetafeln, solide fixiert in der Hausfassade, deuten darauf hin, dass hier im Gebäude Unter der Egg 10a eine besondere Art des Luzerner Nachtlebens über die Bühne geht. Der Besucher steht vor dem «The Nightclub» und wird darüber informiert, dass es sich beim Lokal um «Lucernes Number one» handle. Ausser sonntags empfängt der Klub seine Gäste täglich zwischen 20 und 4 Uhr in der Früh. Zutritt erhält nur, wer mindestens 25-jährig ist. Die Klingel ist beschriftet mit «bitte läuten».

Das Aus für das «Du Pont»

Wer die Anlage jedoch bedient, tut dies vergebens. Denn «Lucernes Number one»-Stripteaselokal, das «Du Pont», einst eingerichtet in einem historischen Gebäude am rechten Reussufer, hat den Betrieb eingestellt. Gegen Ende des letzten Jahres kam für das traditionelle Etablissement das Aus. Das «Du Pont» war das Letzte seiner Art in der Stadt Luzern. Bereits früher machten der «Manhattan-Club» an der Rössligasse und der nur einen Steinwurf entfernte «Hirschen» dicht. Nicht nur in der Stadt Luzern sind die Tanzdarbietungsbetriebe, wie die Striptease­-­lokale in korrektem Amtsdeutsch bezeichnet werden, von der Bildfläche verschwunden. Gemäss Urs Renggli, Chef Fachbereich Gastgewerbe bei der Luzerner Polizei, sind Lokale dieser Art im gesamten Kantonsgebiet gänzlich abhanden gekommen. Auf die Frage, weshalb dem so ist, antwortet Renggli: «Ich gehe davon aus, dass wirtschaftliche Gründe dahinterstecken.» Teilweise haben die Unternehmer umgesattelt und führen die Betriebe nun als Kontaktbars weiter.

Rückläufiger Alkoholkonsum

Ein Branchenkenner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, stützt Rengglis Aussage: «Die Umsätze gingen kontinuierlich zurück.» Das mag zum einen mit den verschärften Richtlinien in Sachen Rauchen zusammen-hängen. Zum anderen darf davon ausgegangen werden, dass in den Gastrobetrieben im Vergleich zu früher in letzter Zeit generell weniger Alkohol konsumiert wurde. Für Stripteaselokale fällt dieser Umstand besonders negativ ins Gewicht. Verdienen die Tänzerinnen ihr Gehalt doch zu einem wesentlichen Teil damit, dass sie mit ihren Gästen möglichst ausgiebig dem Champagnerkonsum frönen.

Keine Drittstaatlerinnen mehr

Der finale Knock-out für die Stripper-betriebe kam aber in Form veränderter rechtlicher Rahmenbedingungen. Denn seit 1. Januar des laufenden Jahres ist das sogenannte Tänzerinnenstatut abgeschafft. Für die Cabaret-Betreiber bedeutet dies, dass sie nun lediglich noch Frauen aus dem EU-Raum oder Tänzerinnen mit einer Niederlassungsbewilligung einstellen dürfen. Personen aus Drittstaaten, wie zum Beispiel Brasilien, Thailand oder die Ukraine, erhalten keine Bewilligung mehr, um in der Schweiz acht Monate pro Jahr als Tänzerinnen zu arbeiten.

EU machte Druck

Der eingangs erwähnte Branchenkenner sagt denn auch: «Das Bewilligungsverfahren wurde immer aufwendiger.» Jürg König ist Präsident des Branchenverbandes Ascot. Er bedauert die neue Regelung und sagt: «Das Ganze kam auch auf Druck der Europäischen Union zu Stande. Die Schweiz war dem Vorwurf ausgesetzt, Frauen aus Nicht-EU-Ländern Arbeitsbewilligungen zu erteilen.» Gemäss König sei es für Cabaret-Unternehmer schwierig, Frauen aus dem EU-Raum zu rekrutieren. «Bereits in den Heimatländern wird geregelt, wann und wo die Frauen zu arbeiten haben.» Und das seien dann, so König, Saunaclubs oder Kontaktbars.

In der Schweizer Wirtschaftsmetropole, in Zürich, gab es Ende der 1990er-Jahre noch mehr als 30 Stripteaselokale. Gemäss «Tages-Anzeiger» lassen sich aber auch dort die Etablissements mittlerweile fast an einer Hand abzählen.

Thomas Heer