GASTRONOMIE: Luzerner Restaurants sollen ein Hygiene-Zeugnis erhalten

Ein Stadtluzerner Gourmet-Restaurant wurde wegen Schimmel und Schmutz von der zuständigen Behörde gebüsst. Nun wird die Forderung nach Transparenz laut. Die SP reicht einen entsprechenden Vorstoss ein.

Martina Odermatt
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Ein Lebensmittelinspektor bei der Arbeit in einer Küche eines Restaurants. (Bild: Philipp Schmidli (Littau, 24. April 2009))

Ein Lebensmittelinspektor bei der Arbeit in einer Küche eines Restaurants. (Bild: Philipp Schmidli (Littau, 24. April 2009))

Nachdem ein Stadtluzerner Gourmet-Restaurant in die Kritik kam, weil es Hygienemängel aufwies (wir berichteten), erhält ein viel diskutiertes Thema Auftrieb: Restaurants sollen bezüglich ihrer Hygienestandards transparenter werden. Aktuell wird den Betrieben nach der Lebensmittelkontrolle ein Bericht zugestellt, der Mängel und Massnahmen aufführt. Dieser dürfe jedoch nur ganzheitlich veröffentlicht werden, erklärt Kantonschemiker Silvio Arpagaus. Es sei nicht erlaubt, nur die guten Punkte aufzuführen.

Weiterhin mehr Transparenz bei Gastronomiebetrieben fordert etwa Prisca Birrer-Heimo, Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz, wie sie gestern ausführte: «Wir werden dranbleiben, um dieses Ziel zu erreichen», sagte sie. Politische Massnahmen hat die Luzerner Nationalrätin zurzeit allerdings nicht geplant, denn das vom Parlament verabschiedete Lebensmittelrecht tritt per 1. Mai 2017 in Kraft. Die Forderung nach mehr Transparenz bei den Gastrobetrieben fand im Parlament keine Mehrheit. «Wir müssen diese Niederlage akzeptieren», sagt Birrer-Heimo.

Positive Erfahrungen in Zug mit Bescheinigung

Doch kantonal lassen sich Massnahmen ergreifen, wie das Beispiel Zug zeigt. Seit 2010 wird für Lebensmittelbetriebe im Kanton Zug nach jeder Kontrolle eine amtliche Qualitätsbescheinigung zwischen «sehr gut» und «ungenügend» ausgestellt. «Trotz der positiven Erfahrung sind wir noch immer der einzige Kanton in der Schweiz mit einer solchen Bescheinigung», sagt Andreas Meyerhans von der Gesundheitsdirektion Zug. Auf einen Blick ist ersichtlich, wie die Hygiene eines Betriebes von der kantonalen Lebensmittelkontrolle bewertet wird. «Diese Transparenz wird geschätzt», sagt Meyerhans weiter. Das Aufhängen der diplomähnlichen Bescheinigung ist freiwillig. Die Hygiene und Sauberkeit der Betriebe hat sich laut Meyerhans auf einem hohen Niveau etabliert. «Wir stossen bei unseren Kontrollen auf Verständnis. Der eine oder andere benützt die Gelegenheit auch, um Fragen zu besprechen.» In Zug hatte sich zu Beginn Widerstand formiert, doch dieser sei längst gebrochen. «Wir setzen nicht nur auf Kontrollen. Gemeinsam mit den Fachverbänden haben wir die Betriebe schon zum Informationsaustausch eingeladen, was das gegenseitige Verständnis sehr fördert.»

Bald könnte das Zuger Modell in Luzern übernommen werden; denn die Luzerner SP-Kantonsrätin Marlene Odermatt wird einen entsprechenden Vorstoss einreichen. «Ich finde es wahnsinnig, dass man noch immer die schwarzen Schafe beschützen will, statt jene Wirte zu loben, die ihre Arbeit Jahr für Jahr gut machen.» Sie wünscht sich, dass die Lebensmittelbetriebe in Zukunft genauso stolz auf die Bescheinigung sind wie auf eine Auszeichnung von Gault-Millau oder Michelin.

Nicht sehr begeistert über diesen Vorstoss ist Ruedi Stöckli, Verbandspräsident von Gastro-Luzern. «Das ist eine Zwänglerei. Es wurde auf nationaler Ebene beschlossen, dass die Transparenz ausreichend ist.» Ausserdem sorge man sich immer um den Datenschutz, doch hier wolle man ihn nicht aufrechterhalten.Die Lebensmittelkontrolle an sich findet der SVP-Kantonsrat aus Meierskappel wichtig und richtig. «Doch wenn man die Bewertung öffentlich macht, dann ruiniert das Gastronomiebetriebe, und das kann nicht das Ziel sein», argumentiert er. Zudem gingen die Kontrollen auf die Rechnung des Wirtes, falls Mängel festgestellt würden. Da werde manchmal auch nach Fehlern gesucht, um einerseits die Kontrolle zu finanzieren und andererseits die Arbeit der Kontrolleure zu rechtfertigen.

Statt des öffentlichen Prangers schlägt Stöckli eine andere Lösung vor: «Wir sollten den Betrieben helfen, ihre Arbeit gesetzeskonform auszuführen.» Beispielsweise könnten Fachpersonen solche Betriebe begleiten und den Wirten aufzeigen, wie man die Küche dem Gesetz entsprechend pflegt und sauber hält. Er wäre auch für andere Alternativen, die es den Wirten erspart, eine Bescheinigung öffentlich zu machen: «Wir müssen den Betrieben doch eine Chance geben, sich zu verbessern.»

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch