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GASTRONOMIE: Verschuldeter Luzerner Koch im TV macht Gläubiger sauer

Ein Koch aus dem Kanton Luzern präsentiert sich in den Medien als spezieller Vertreter seiner Zunft. Ein Blick ins Betreibungsregister zeigt: Hoteliers, Lieferanten und Behörden fordern ihr Geld zurück.
Alexander von Däniken
Sebastian Funck, chef at the restaurant "Wirtschaft im Franz", is preparing a meal in the restaurant kitchen, photographed in Zurich's district 3, Switzerland, on September 4, 2015. (KEYSTONE/Gaetan Bally) (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Sebastian Funck, chef at the restaurant "Wirtschaft im Franz", is preparing a meal in the restaurant kitchen, photographed in Zurich's district 3, Switzerland, on September 4, 2015. (KEYSTONE/Gaetan Bally) (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Die Siegprämie in einer TV-Kochshow ist stattlich, doch der Gewinn würde einen teilnehmenden Koch aus dem Kanton Luzern noch nicht von den Schulden befreien. Dazu später mehr. Noch ist er im Rennen der Show, die von über 1,5 Millionen Zuschauern verfolgt wird. Schon vor seinem TV-Auftritt suchte der Mann, der mit seiner Lebensgefährtin ein Catering-Unternehmen führt, die Öffentlichkeit – via Website und sozialen Medien.

Der Koch sagt über sich, er sehe nicht aus wie ein typischer Vertreter seiner Zunft. Eher vergleicht er sich mit einem Tätowierer oder Rockmusiker. Nichtsdestotrotz stecke in ihm ein gelernter Koch mit Erfahrung in gehobenen Betrieben.

Schulden von über 100'000 Franken

Die Kochkünste sind natürlich Geschmackssache. Das lässt sich vom Umgang mit Geld aber nicht behaupten. Der Koch ist verschuldet, wie ein Betreibungsregisterauszug zeigt, der unserer Zeitung vorliegt. Es geht um Forderungen, die unter dem Strich die 100'000-Franken-Grenze übersteigen. Unter den Gläubigern finden sich ein Kreditinstitut (über 50'000 Franken), verschiedene Behörden zwischen Zürich und Luzern, Krankenkassen, Lieferanten, Gastronomen und Hoteliers.

Erich Schäli etwa hat gegen den Koch aus dem Kanton Luzern eine Betreibung eingeleitet. Schäli vertreibt und repariert Küchenmaschinen, mit denen sich Suppen oder Pürees zubereiten lassen. Der Mann hat von Schäli eine Maschine für drei Wochen gemietet. Gezahlt hat er nie. «Auf meinen Vorschlag, die Miete zu verlängern oder die Maschine zu einem guten Preis zu kaufen, ging er nicht ein.» Noch immer sei die Maschine im Besitz des Kochs. «Er ist ein verlogener Mann», sagt Schäli und kündigt an: «Ich ziehe die Forderung durch – bis zum Schluss.» Eine andere unangenehme Erfahrung machte Marc Keller, der mit seiner Lebenspartnerin in der Nähe von Sarnen ein Restaurant führt. Zur Eröffnung im Sommer hat er den Luzerner für zwei Monate als Störkoch gebucht – gegen Vorauszahlung eines Drittels der Gage. Gekommen ist er aber nie. «Er hat sich krank gemeldet. Auf Facebook sah ich dann, dass er sich während dieser Zeit neue Tätowierungen machen liess. Mit seinem unprofessionellen Verhalten hat er die ganze Eröffnung unseres Restaurants gefährdet», so Keller, der bis jetzt auf der Vorauszahlung und den Umtrieben sitzen bleibt. Es geht um einen mittleren vierstelligen Betrag. Im Oktober fand vor dem Friedensrichter ein Termin statt. Ohne den Koch.

Um eine Prise besser ist es einem Hotelier aus der Zentralschweiz ergangen, der nicht namentlich genannt werden will. Auch er hat den Mann temporär engagiert. «Er ist dann auch gekommen, blieb aber nicht so lange wie abgemacht», sagt er. «Mich überrascht nichts mehr», meint er vielsagend. Die Betreibung läuft, auch hier wegen eines mittleren vierstelligen Betrags.

«Ja, mein Lohn wird gepfändet»

Der Koch erklärt auf Anfrage, er habe ein Burn-out gehabt: «Das war in der zweiten Jahreshälfte 2015, da wuchs mir vieles über den Kopf. Dann entschied ich, in eine Klinik zu gehen.» Dort habe er zwei Monate verbracht, dann habe er regelmässig das ambulante Angebot genutzt. Er sei für sieben Monate krankgeschrieben gewesen. «Seit Winter 2016 arbeite ich wieder.»

Wegen des Burn-outs, das er ärztlich belegen könne, hätten sich die Rechnungen gestapelt. «Ja, ich habe Schulden, und mein Lohn wird gepfändet. Aber ich bin auf dem besten Weg, die Schulden abzuzahlen.» Davon wissen die angefragten Gläubiger allerdings nichts. Was den Termin beim Friedensrichter betrifft, habe er diesen verschwitzt. «An der Ursache habe ich aber nur teilweise schuld, weshalb ich den Rechtsvorschlag nicht akzeptiere.» Er bedauert, dass seine ­finanzielle Situation den Weg in die Öffentlichkeit fand. «Denn so wird es für mich als Selbstständigen schwieriger, Aufträge und damit Einnahmen zu generieren, die den Gläubigern zugute kommen.» Andererseits habe er nur «ein paar» Gläubigern aktiv seine Burn-out-Situation geschildert, räumt er ein.

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