GAULT MILLAU: Dieser Vitznauer Koch ist neu der Beste seiner Gilde

Nenad Mlinarevic ist Koch des Jahres 2016. Er erhält 18 Punkte. Das Rezept seiner Küche ist simpel – aber effektiv.

Drucken
Nenad Mlinarevic (34) vor dem Park Hotel Vitznau, wo er das 18-Punkte-Restaurant Focus führt. (Bild Pius Amrein)

Nenad Mlinarevic (34) vor dem Park Hotel Vitznau, wo er das 18-Punkte-Restaurant Focus führt. (Bild Pius Amrein)

Grosse Ehre für Nenad Mlinarevic. Der Koch des Restaurants Focus, welches im Fünfsternehaus Park Hotel Vitznau untergebracht ist, wurde vom Restaurantführer Gault Millau als Schweizer Koch des Jahres ausgezeichnet. Das Restaurant erhält neu einen Punkt mehr und kommt somit auf 18 Punkte. Neben Mlinarevic erreicht in der Zentralschweiz nur noch Franz Wiget vom «Adelboden» in Steinen 18 Punkte (siehe Kasten).

Urs Heller, Chefredaktor des Gault Millau Schweiz, ist des Lobes voll: «Ein Riesentalent war er schon immer», sagte Heller gestern an der Preisübergabe im Park Hotel Vitznau über den besten Koch des Jahres. «In den letzten Monaten hat Mlinarevic seine eigene Handschrift gefunden. Jetzt weiss er, wohin er will», fügte Heller an. «Dieses Jahr ist das ‹Nenad-Jahr›. Er ist reif für diese Auszeichnung.» Der 34-Jährige habe in seinen Kreationen eine freche Handschrift. Zudem verzichte er auf Luxusprodukte. Das Konzept sei: kein Kaviar, kein Hummer. Eher Kohl und Kalbskopf.

Mlinarevic ist mit dieser Auszeichnung einer der jüngsten Küchenchefs, die in der Geschichte des Gault Millau zum Koch des Jahres ernannt wurden. Gault Millau schreibt über ihn, dass zum ersten Mal überhaupt ein Küchenchef ausgezeichnet werde, der ausschliesslich auf Schweizer Produkte setzt.

Zutaten aus der Region

Nenad Mlinarevic setzt in seiner Küche auf Regionalität, was ausschlaggebend war für die Auszeichnung: «Ich habe den Titel überhaupt nicht erwartet», sagte er. Die Gründe für die Auszeichnung kennt Mlinarevic: «Unser Konzept mit 100 Prozent Schweizer Produkten ist sicher ein Grund für diese Auszeichnung», sagte er. Er achte mit seiner Küchenmannschaft darauf, dass nur Schweizer Produkte verwendet würden, am besten noch aus der Region um die Rigi. «Was sicher auch in die Bewertung mit eingeflossen ist, ist unsere Konstanz», führte er aus. Es sei eine «riesige Ehre für mich und das ganze Team». Nun seien sie gefordert, mit guter Arbeit weiterzumachen. «Wir haben Spass an der Arbeit, und wir wollen unsere Gäste glücklich machen.»

2010 «Entdeckung des Jahres»

Der Zürcher schloss seine Kochlehre im Jahr 2000 im «Dolder Waldhaus» in Zürich ab. Danach arbeitete er in verschiedenen Küchen in der Schweiz und in Deutschland sowie in Skandinavien. 2010 wurde er als «Entdeckung des Jahres» ausgezeichnet. Ein Jahr später lockte ihn das Park Hotel Vitznau an den Vierwaldstättersee. Er konzipierte das darin integrierte Restaurant Focus von Grund auf, bis es 2013 zusammen mit der Wiedereröffnung des Hotels in Betrieb genommen wurde. Es erhielt auf Anhieb 16 Gault-Millau-Punkte und zwei Michelin-Sterne.

Breite Palette von Köchen

An der Preisübergabe wurde nicht nur der Koch des Jahres geehrt, sondern auch die Aufsteiger des Jahres. Dies sind in der Deutschschweiz Enrico und Roberto Cerea, welche in St. Moritz kochen (18 Punkte). In der Romandie ist es Michel Roth aus Genf (18 Punkte). Aus dem Tessin konnte Dario Ranza den Titel entgegennehmen (17 Punkte). Rolf E. Brönnimann ist der «Schweizer Star im Ausland» (17 Punkte). Er kocht auf Sylt in Deutschland.

Aber nicht nur aktive Köche werden ausgezeichnet. Spitzenkoch André Jaeger erreicht das Pensionsalter und verabschiedete sich im Sommer aus der Küche. Er erhält deswegen den «Aussteiger des Jahres»-Preis für die «Fischerzunft» in Schaffhausen (19 Punkte). Am Ende der Zeremonie tat der Koch des Jahres dann noch das, was er am besten kann: Er zauberte den Gästen ein Viergangmenü auf die Teller.

Matthias Stadler

Die von Gault-Millau ausgezeichneten Restaurants finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus