Luzern
«Gault-Millau» verneigt sich vor der «Jazzkantine»

Der Gourmet-Guide kürt die Beiz an der Grabenstrasse zum «POP des Jahres 2022» – ein Lichtblick auch für die Luzerner Altstadt.

Hans Graber
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Es geht auch ohne viel Tamtam. Jazziges Intro, lobend-launige Worte, eine Tafel zum Aufhängen, ein Händedruck: Das war’s dann auch schon mit dem kurzen und weitgehend schmerzlosen offiziellen Teil am frühen Montagabend in der «Jazzkantine». Das Lokal an der Grabenstrasse ist von «Gault-Millau» soeben zum «POP des Jahres 2022» erkoren worden. Die «Jazzkantine» sei «eine Wohlfühloase mit engagierten Gastgebern, spannendem Konzept und Produkten von bester Qualität», sagte «Gault-Millau»-Chef Urs Heller. Der Ur-Luzerner betonte obendrein, dass die Auszeichnung auch ein «Lebenszeichen der Altstadt» sei. Gleich wie das seinerseits POP-würdige «Magdi» an der Eisengasse.

Das Team der «Jazzkantine» hat allen Grund zur Freude.

Das Team der «Jazzkantine» hat allen Grund zur Freude.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 18. Oktober 2021)

POP – der etwas eigenartige Name verlangt nach einer Erklärung. Es gibt nun mal Genussmenschen und Genussmenschen. Die in der gedruckten Ausgabe des «Gault-Millau» gepriesenen Häuser entsprechen oft nur noch bedingt den Bedürfnissen einer Klientel, die es gerne ungezwungener hat und sich unter vielen «Punkteessern» eher unbehaglich fühlt.

Dass sich die zwei Welten nicht unter demselben Buchdeckel vereinen lassen, hat «Gault-Millau» erkannt. Links liegen lassen möchte er die wachsende Zahl an Feinschmeckern der anderen Art aber nicht. Deshalb wurde vor vier Jahren nach Vorbild des französischen Mutterhauses die Kategorie POP auch für die Schweiz geschaffen. POP ist keine Abkürzung, man kann hineininterpretieren, was man will. Hellers Version: «Ein Trend-Guide für Restaurants und Bars, die nicht zwingend im ‹Gault-Millau› punkten, aber ein lifestyliges Publikum begeistern.»

Die Nummer 1 von 192 Lokalen

Die gesamtschweizerisch 192 POP-Lokale finden sich vornehmlich in grösseren Städten. Der «Gault-Millau» machte bislang nur in der «Schweizer Illustrierten» und online auf sie aufmerksam, jetzt erscheint ein Booklet mit den 50 Top-POPs. Die «Jazzkantine» dient als königliches Aushängeschild.

Auch wenn sich POP und der «richtige» Guide nicht ausschliessen: Sylvan Müller, seit 2019 zusammen mit Mario Waldispühl Geschäftsführer der «Jazzkantine», hat nicht im Entferntesten im Sinn, nun auch noch auf Punktejagd zu gehen:

«Wir werden uns auch künftig nicht verbiegen und nach wie vor das servieren, was wir selber am liebsten essen und trinken.»

Das muss weder Kaviar noch Filet sein, manchmal reicht ein Stück Sauerteigbrot mit einem Belag aus Schmalz und Grieben drauf. Oder «ein sagenhaft gutes Rüebli, produziert von wunderbaren Menschen». Die «Jazzkantine» und ihre Lieferanten sind fast wie eine Familie. «Regionaler und saisonaler als bei uns geht es praktisch nicht», betont Müller.

Die Auszeichnung «POP des Jahres» ist für ihn und das 14-köpfige Team die Bestätigung, «dass wir es nicht so verkehrt machen». Und dies, «obwohl es doch am ehesten unser Konzept ist, dass wir gar keines haben». Muss auch nicht sein. Es genügt, einfach eine gute Beiz sein zu wollen. Eine wie die «Jazzkantine».

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