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Gebühren für Car-Touristen: Das sagen die City-Vereinigung und weitere Betroffene

Luzerner Car-Touristen sollen für einen Besuch der Stadt Eintritt bezahlen, findet «Montana»-Direktor Fritz Erni. Die Idee stösst grösstenteils auf Ablehnung – aber nicht auf fundamentale.
Stefan Dähler
Vor allem in den Geschäften rund um den Schwanenplatz sorgen die Tagestouristen für Wertschöpfung. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 20. Juni 2018))

Vor allem in den Geschäften rund um den Schwanenplatz sorgen die Tagestouristen für Wertschöpfung. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 20. Juni 2018))

Tagestouristen würden kaum Wertschöpfung für das Gesamtgewerbe generieren, aber die Infrastruktur stark beanspruchen. Mit dieser Aussage heizt Fritz Erni, Direktor des Hotels Montana, die Diskussionen um den Tourismus an. Er schlägt vor, für den Besuch der Stadt Luzern von Car-Touristengruppen eine Gebühr zu erheben (wir berichteten).

Erni ist nicht der erste Luzerner Hotelier, der den Car-Tourismus kritisiert. Ähnlich äusserte sich bereits National-Besitzer Umberto Erculiani im Jahr 2013 (wir berichteten). Es sei aber nicht so, dass Luzerner Hotels nicht von Gruppen profitieren würden. «Rund 22 Prozent aller Übernachtungsgäste sind Gruppengäste, sprich rund 300 000», sagt Conrad Meier, Präsident von Luzern Hotels und Direktor des Hotels Europe. «Ein Vorteil ist auch, dass diese sich gut über das gesamte Jahr verteilen.» Doch er begrüsst die Diskussion. Man müsse «kritisch hinterfragen, ob wir überhaupt diesem Ansturm an Besucher gerecht werden können». Dies auch, weil die Zahl der Touristen in Zukunft noch steigen dürfte.

Bucherer offen für höhere Parkgebühren

Keine Freude an Ernis Vorschlag hat Robert Casagrande, Inhaber der gleichnamigen Souvenir-, Schmuck- und Uhrenläden. Dieser sende ein schlechtes Signal aus. «Damit würde man einen Unterschied zwischen Touristen erster und Touristen zweiter Klasse einführen. Wie würde das bei uns ankommen, wenn man im Ausland so behandelt würde, weil man mit dem ‹falschen› Verkehrsmittel anreist? Fühlt man sich so noch willkommen?»

Für Jörg Baumann, Mediensprecher von Bucherer, ist fraglich, ob Ernis Idee tatsächlich umsetzbar ist. «Aber gegenüber höheren Carparkinggebühren, etwa in einem Innenstadtparking, sind wir offen.» Es könnte zwar sein, dass dann etwas weniger Leute kommen, aber diese würden länger bleiben und mehr Wertschöpfung generieren.

«Wir sind kein Museum, sondern eine offene Stadt.»

Laut André Bachmann von der City Vereinigung und der tourismusfreundlichen IG weltoffenes Luzern wäre ein «Roadpricing-System einseitig für Touristen» rechtlich nicht haltbar. Eine Lenkung der Carbewegungen über Gebühren könne aber auch aus seiner Sicht «Teil einer Lösung» sein. Die Gebühren sollten für die Kosten einen Car-Managements verwendet werden.

Luzern Tourismus will Daten sammeln

Für den Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren ist Ernis Idee weder logistisch noch rechtlich umsetzbar. «Wir sind kein Museum, sondern eine offene Stadt. Alle Besucher sollen willkommen sein. Die Gebühr würde nicht einer guten Gastgeberkultur entsprechen, ein Gruppengast ist per se kein ‹schlechterer› Gast.» Perren betont, dass Tagestouristen nicht nur am Schwanenplatz Geld ausgeben. «Pro Jahr generieren Gruppen eine Wertschöpfung von rund 400 Millionen Franken, davon entfallen 224 Millionen auf den Schwanenplatz.» Profitieren würden auch andere Läden, die Schifffahrtsgesellschaft, die Gastronomie und auch die Hotellerie.

Perren stimmt mit Erni aber überein, dass «man das Unbehagen in Teilen der Bevölkerung ernst nehmen muss». Luzern Tourismus fokussiere sich grundsätzlich auf Übernachtungsgäste und habe das Ziel, grosse Konzentrationen durch Besucherlenkung zu vermeiden. Hierbei stehe man aber erst am Anfang. «Erster Schritt ist, Daten zu sammeln darüber, wann sich die Leute wo aufhalten.» Eine Möglichkeit wäre, die Reiseprogramme der Gruppen besser zu koordinieren. «Ebenfalls besteht die Option, die Gäste vermehrt in die Neustadt zu locken, wobei das auch umstritten ist, weil man so den Touristenströmen weniger gut ausweichen könnte.»

Weiter seien auch Gebühren für beschränkte Plätze wie etwa das Löwendenkmal denkbar. Solche waren auch schon politisch ein Thema. CVP-Grossstadtrat Roger Sonderegger hatte die Idee 2016 in einem Postulat für die Aufwertung des Gebiets Löwenplatz eingebracht. Der Vorstoss wurde aber im Parlament abgelehnt (Ausgabe vom 30. September 2016).

Experte: «Gebühr macht Sinn»

Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern, findet Fritz Ernis Idee, eine Gebühr für Cartouristen zu erheben, interessant. «Eine Gebühr macht grundsätzlich Sinn, um den Gruppentourismus insbesondere der Tagestouristen zu steuern», sagt Stettler. Wichtig sei für eine gezielte Lenkung die Unterscheidung der Höhe der Gebühren nach Tages- und Übernachtungsgästen sowie nach Saison, Wochentag und Tageszeit. Technisch solle das machbar sein. Es müsste aber genauer abgeklärt werden, was eine praktikable Lösung ist. Stettler: «Bevor man so etwas einführt, muss man sich darüber im Klaren sein, welche Art von Tourismus man will.» Vor Einführung sind Abklärungen nötig Solch eine Grundsatzdiskussion soll in Luzern nun ja auch stattfinden, nach dem der Grosse Stadtrat an der Sitzung vom 28. Juni den Bericht «Attraktive Luzerner Innenstadt» an den Stadtrat zurückgewiesen hat. Stettler rät, vor der allfälligen Einführung einer Gebühr umfassende Abklärungen zu treffen – auch bei Tour-Operatoren. Dies, damit man abschätzen kann, wie stark sich die Nachfrage durch die höheren Kosten verändert. Zudem brauche es genauere Datengrundlagen zur Nachfrage und deren Verteilung. Luzern Tourismus plant, solche Daten zu erheben (siehe Haupttext). (std)

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