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GEBÜHREN: Wo Abwasser teurer ist als Trinkwasser

Die Versorgung mit Wasser und die Entsorgung von Abwasser und Abfall sind je nach Gemeinde unterschiedlich teuer. Warum das Abwasser in Ruswil besonders teuer ist, erklärt Gemeindepräsident Leo Müller.
Raphael Zemp
In Hochdorf kam es zu einem Unterbruch der Trinkwasserversorgung. (Symbolbild: Keystone)

In Hochdorf kam es zu einem Unterbruch der Trinkwasserversorgung. (Symbolbild: Keystone)

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

Das Entsorgen von Abfall, die Aufbereitung von Abwasser und die Versorgung mit Trinkwasser kosten. Aus diesem Grund erheben die Gemeinden Gebühren. In ihrer Höhe unterscheiden sie sich aber beträchtlich. Das zeigt ein Vergleich der 18 Luzerner Gemeinden mit über 5000 Einwohnern mit Daten des Preisüberwachers (siehe Kasten). Während ein Adligenswiler Single-Haushalt jährlich rund 486 Franken an Gebühren entrichten muss, bezahlt ein gleich grosser Haushalt in Meggen, in der billigsten ­untersuchten Gemeinde, nur 269.50 Franken – fast die Hälfte weniger.

Besonders krass fallen die Unterschiede bei den Abwassergebühren aus – auch im schweizweiten Vergleich. Denn Luzerner Gemeinden mischen sowohl bei den überdurchschnittlich billigen wie auch den teuren mit. So kommt es, dass ein Ruswiler 4-Personen-Haushalt für sein Abwasser pro Jahr rund 440 Franken bezahlen muss. Das ist mehr als dreimal so viel wie in der billigsten Gemeinde Dagmersellen.

Auffällig weit klafft die Gebührenschere auch bei der Wasserversorgung auseinander. Die Gebührenrechnungen der teuersten Luzerner Kommunen sind mehr als doppelt so hoch wie die kostengünstigste. Verhältnismässig wenig unterscheiden sich die Abfallgebühren. Betroffen vom kantonsweit höchsten Tarif sind aber auch hier die Ruswiler.

«Man darf Pflaumen nicht mit Birnen vergleichen», mahnt Leo Müller, CVP-Gemeindepräsident von Ruswil. Er führt viele Gründe ins Feld, warum Bürger seiner Gemeinde für die Abwasser- und Kehrichtentsorgung kantonsweit am meisten bezahlen. Zum einen habe man die Abwasser-Gebühren auf den 1. Juli 2016 angepasst, um den Anschluss an die ARA Blindei in Wolhusen zu finanzieren. Am 24. September hat die Ruswiler Stimmbevölkerung einen entsprechenden Sonderkredit in der Höhe von 9 Millionen klar gutgeheissen. Die Anhebung der Gebühren soll aber nur temporär sein. Denn langfristig erhofft sich der Ruswiler Gemeindepräsident vom Anschluss an die regionale ARA in Wolhusen eine Senkung der Gebühren um 15 Prozent. Dass die Kosten pro Einwohner mit zunehmender Grösse eines ARA-Einzugsgebiets sinken, zeigt auch eine Untersuchung zweier Abwasser-Branchenverbände.

«Hausaufgaben gemacht» wirkt sich nicht gleich aus

Weiter sei Ruswil, erklärt Müller, eine weitläufige Gemeinde mit vielen Weilern, was sich auf die Versorgungs- und Entsorgungskosten auswirke. «Aus topografischen Gründen benötigt es dazu auch Pumpwerke.» Und zu guter Letzt unterhält die Gemeinde Wasser- und Abwasserleitungen bis zum Hausschacht, was laut Müller wohl der Hauptgrund für die hohen Gebühren ist. «Andernorts kommen dafür Strassengenossenschaften oder die Quartiervereine auf», sagt Müller. Weil die Leitungen aber oft schlecht gewartet waren, kümmere sich nun die Gemeinde darum – und für die Grundeigentümer fallen keine weiteren Kosten mehr an. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und investieren in unsere Infrastruktur», sagt Leo Müller. «Gut möglich, dass andere Gemeinden säumig sind und darum ihre Tarife so tief sind.»

«Auch wir haben unsere Hausaufgaben gemacht», sagt Philipp Bucher, Dagmerseller FDP-Gemeindepräsident. Die Gemeinde ist verantwortlich für sämtliche Werkleitungen – mit Ausnahme des letzten Teilstücks ab dem Strassenverteiler bis zum Hausanschluss. Um dieses muss sich der Eigentümer kümmern. Unentwegt unterhalte die Gemeinde sämtliche Werkleitungen. Wann immer eine Strasse sowieso aufgerissen werden müsse, erneuere man – falls nötig – konsequent auch die Leitungen. «So lassen sich Kosten sparen.» Finanziert werden diese Unterhalts- und Erneuerungsarbeiten über ein spezielles Budget. «Um dieses ist es gut bestellt», erklärt Bucher. «Deshalb macht es keinen Sinn, hohe Gebühren in Rechnung zu stellen und so noch mehr Geld einzuziehen.»

Gebühren für Abfall, Abwasser und Trinkwasser in 18 Gemeinden im Überblick

(pro Jahr, in Franken, sortiert nach 1-Personen-Haushalt)

Gemeinde 1-Personen-Haushalt 3-Personen-Haushalt 4-Personen-Haushalt
Meggen 269.50 657.13 892.14
Willisau 280.00 697.93 978.26
Malters 283.53 645.11 894.16
Dagmersellen 308.20 725.13 980.56
Rothenburg 311.53 823.49 1232.50
Luzern 315.35 841.55 1248.89
Kriens 319.53 799.81 1229.96
Neuenkirch 333.53 883.70 1239.93
Hitzkirch 335.98 813.58 1094.50
Buchrain 336.56 821.15 1125.70
Emmen 336.75 845.24 1131.07
Ebikon 341.13 779.59 1081.24
Horw 360.18 882.41 1273.93
Reiden 362.22 979.08 1413.21
Hochdorf 372.02 931.18 1281.57
Beromünster 407.38 978.48 1361.30
Ruswil 480.79 1184.84 1661.64
Adligenswil 485.62 1019.40 1324.52
3 günstigsten Gemeinden 3 teuersten Gemeinden


Quelle: Preisüberwacher

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