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GEBURT: Doppelte Zwillinge sind «sehr selten»

Dass ein Paar wie Roger und Mirka Federer zum zweiten Mal Zwillinge bekommt, ist aussergewöhnlich, sagt Joachim Kohl vom Luzerner Kantonsspital. Auch Gene können eine Rolle spielen.
Interview Alexander von Däniken
Mirka Federer und die Zwillinge Myla Rose und Charlene Riva. (Bild: Keystone)

Mirka Federer und die Zwillinge Myla Rose und Charlene Riva. (Bild: Keystone)

Tennis-Star Roger Federer (32) und seine Frau Mirka (35) sind seit Dienstagabend Eltern der Zwillinge Leo und Lenny. Es sind nach Myla und Charlene bereits die zweiten Zwillinge der Federers. Wir haben beim Leitenden Arzt der Neuen Frauenklinik des Luzerner Kantonsspitals nachgefragt, wie häufig solche Doppel-Zwillingsgeburten vorkommen – und ob es mit den Zwillingen von Roger Federers Schwester Diana (34) einen Zusammenhang gibt.

Joachim Kohl, Roger und Mirka Federer sind zum zweiten Mal Eltern von Zwillingen geworden. Wie wahrscheinlich ist ein solches Ereignis?

Joachim Kohl*: Über Roger Federer und seinen Nachwuchs möchte ich nicht spekulieren. Gesichert ist, dass in der Schweiz 1,9 Prozent der Geburten Zwillinge sind. Wie viele davon in der gleichen Familie vorkommen, darüber gibt es keine Zahlen. Ich selber habe in meiner 14-jährigen Erfahrung aus der Geburtshilfe zwei, drei solcher Doppel-Zwillingsgeburten erlebt. Das ist also sehr selten.

Wie haben diese Eltern reagiert, als Sie ihnen verkündet haben, dass sie gleich nochmals Zwillinge bekommen?

Kohl: Die Überraschung und Verblüffung ist tatsächlich grösser, aber auch der Stolz. Im Verlauf der Schwangerschaft und bei der Geburt zeigt sich aber, dass diese Eltern sehr gut vorbereitet sind.

War darunter auch eine Familie, deren Kinder auf natürliche Weise gezeugt worden sind?

Kohl: Soweit ich mich erinnere, war es eine Familie.

Haben Sie mit diesen Familien noch Kontakt?

Kohl: Keinen engen, aber ab und zu habe ich eine Karte bekommen.

Roger Federers Schwester ist ebenfalls Mutter von Zwillingen. Gibt es eine entsprechende genetische Veranlagung?

Kohl: Ohne über die Familie Federer zu spekulieren, kann generell eine genetische Veranlagung vorkommen, die eine Neigung zu Zwillingsgeburten in sich trägt. Das ist aber in Tests nicht prognostizierbar.

In den letzten Jahren machen Paare vermehrt von der Fortpflanzungsmedizin Gebrauch. Steigt damit auch die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft?

Kohl: Rund 20 Prozent aller Geburten nach einer künstlichen Befruchtung sind Zwillingsgeburten. Das Ziel ist aber immer, dass ein Kind entsteht, denn so sind Schwangerschaft und Geburt sicherer. Bei der hormonellen Stimulation wird vor der Befruchtung immer kontrolliert, wie viele Eibläschen sich entwickelt haben. Und auch bei der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas gibt es in der Schweiz eine maximal vorgeschriebene Zahl, wie viele befruchtete Eizellen in den Mutterleib kommen dürfen.

Sie haben gesagt, Schwangerschaft und Geburt sind bei einem Kind sicherer. Welche Risiken gibt es bei Zwillingen?

Kohl: Bei Zwillingen gibt es eine höhere Rate an Frühgeburten. Zwillinge kommen im Schnitt in der 36. bis 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Darüber hinaus steigt die Wahrscheinlichkeit, bei der Geburt einen Kaiserschnitt vornehmen zu müssen. Für eine natürliche Geburt sollte die Schwangerschaft länger als 32 Wochen dauern, und der Kopf des ersten Kindes muss nach unten gerichtet sein. Mütterliche Erkrankungen durch die Schwangerschaft sind häufiger, es können Rückenprobleme oder Probleme beim Laufen auftreten. Das ist aber sehr individuell.

Und wenn eine Mutter zum zweiten Mal Zwillinge erwartet?

Kohl: Auch das ist sehr individuell, die Geburt selbst ist wahrscheinlich nicht schwerer.

Welches Geburtserlebnis ist Ihnen noch besonders in Erinnerung?

Kohl: Einmal hatte ich Vierlinge per Kaiserschnitt entbunden. Das war sehr eindrücklich.

Wie viele Geburten haben Sie bereits miterlebt?

Kohl: Bei 300 habe ich aufgehört zu zählen. Mittlerweile dürften es weit über 1500 Geburten sein.

Hinweis

* Joachim Kohl (39) ist seit rund zwei Jahren Leitender Arzt der Neuen Frauenklinik des Luzerner Kantonsspitals.

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