GEDENKEN: Luzern sagt Rolf Brem Adieu

Der verstorbene Künstler Rolf Brem «umarmte» mit seinen Skulpturen sehr viele Menschen. Entsprechend voll war bei der Gedenkfeier die Jesuitenkirche.

Hugo Bischof
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Vor der Gedenkfeier wurden in der bereits gut gefüllten Jesuitenkirche auf einer grossen Leinwand Fotos aus dem Leben Rolf Brems gezeigt. (Bild: Pius Amrein  / Neue LZ)

Vor der Gedenkfeier wurden in der bereits gut gefüllten Jesuitenkirche auf einer grossen Leinwand Fotos aus dem Leben Rolf Brems gezeigt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Vor etwas mehr als einem Monat, am 11. April, starb der Megger Bildhauer und Plastiker Rolf Brem 88-jährig. Gestern fand die Gedenkfeier in der Jesuitenkirche in Luzern statt. Diese war bis auf den letzten Platz gefüllt, viele Besucher mussten stehen. Das zeigt, wie populär Brem war, von dem viele Kunstwerke im öffentlichen Raum stehen – als wohl bekannteste die «Schäfergruppe» vor dem Luzerner Theater.

Es war ein ergreifender Abschied, mit wunderbaren Worten und Gesten. «Warum traurig sein?», brachte es Brems Tochter Lucie Heskett am Ende der gut einstündigen Feier auf den Punkt. «Mein Vater hat ein tolles, erfülltes und interessantes Leben geführt.» Er sei nicht wirklich krank gewesen, habe sein nahendes Ende aber gespürt. «Weisch, s Gääle vom Ei esch g’ässe», habe er ihr kurz vor dem Tod mit dem ihm eigenen Humor gesagt. Seinem Arzt habe er verraten, was der Grund für seine Gebrechen sei: «Ech be eifach alt.»

Brems grosser Humor

Über die volle Kirche hätte er sich gefreut, meinte seine Tochter. Sein Tod verursache ein grosses Loch. Aber: «Wir können es füllen mit den vielen Erinnerungen und Geschichten, die er uns hinterlässt.» Nichts sei so traurig, dass man ihm nicht etwas Lustiges abgewinnen könne, habe ihr Vater ihr gesagt. Und: «E blöde Sproch helft emmer.»

Es war dieser Humor und die grosse Lebenslust Rolf Brems, die alle betonten. Er habe die Menschen mit grosser Neugier angeschaut und so seine Porträtköpfe geschaffen, sagte sein Sohn Louis Brem. «Dä hed e sauguete Grend», habe er dabei oft ausgerufen. Es sei sein grösstes Kompliment gewesen.

Er habe unheimlich viel von seinem Vater gelernt, sagte Louis – vor allem das Anschauen und Sehen. Rolf sei «mit offenen Augen durch die Welt gegangen – er sah die Lichtspiele in den Wolken, die Schattenwürfe auf dem Asphalt, das Farbenspiel im Laub der Bäume.» Ein ergreifender Moment war, als Brems Lebenspartnerin sich an die Trauergäste wandte. «Es ist nicht einfach, nicht traurig zu sein», sagte sie und: «So, wie er mit Krankheit und Tod umging, genau so wünsche ich, dass wir das auch können, wenn es bei uns so weit ist.»

«Unerschütterliches Vertrauen»

Die Katechetin Beata Pedrazzini, die durch die Veranstaltung führte, betonte: «Rolf Brem hatte ein unerschütterliches Vertrauen, dass alles gut kommt.» Der Schriftsteller Hanspeter Gschwend würdigte Brems künstlerisches Schaffen. Er habe in seinen Skulpturen «die Tiefe unter der Oberfläche» gesucht; das sei «das Religiöse in seiner Kunst».

Die Skulptur sei «die einfachste, urtümlichste Kunst», zitierte die Luzerner Stadträtin Ursula Stämmer den Schriftsteller Max Ernst. «Sie entsteht in einer Umarmung mit zwei Händen – wie in der Liebe.» Genau so habe Brem seine Werke geschaffen und damit vielen Menschen in Luzern und anderswo «Freude bereitet». Brems Werke seien durch Umarmung entstanden «und laden zum Umarmen ein», sagte Stämmer. Auch sie erwähnte Brems Schafe vor dem Luzerner Theater. «Sie sind von Menschen aus aller Welt schon zigfach umarmt worden.»