Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Geforderter Baustopp in der Emmer Feldbreite: Nur die SP hilft den Grünen

Mehr Qualität, weniger Tempo: Das verlangen die Emmer Grünen in der Feldbreite. Doch den anderen Parteien geht das zu weit - mit einer Ausnahme. Der betroffene Immobilienentwickler zeigt sich derweil «offen für konstruktive Kritik».
Roman Hodel
Auf diesem Baufeld der Feldbreite im Vordergrund verlangen die Grünen mehr städtebauliche Qualität. (Bild: Jakob Ineichen, Emmen, 12. März 2019)

Auf diesem Baufeld der Feldbreite im Vordergrund verlangen die Grünen mehr städtebauliche Qualität. (Bild: Jakob Ineichen, Emmen, 12. März 2019)

Geht es nach den Emmer Grünen, soll bei der Bebauung des Feldbreite-Quartiers einen Gang runter geschaltet werden. In einem dringlichen Postulat fordert die Partei beim Baufeld E, dessen Pläne momentan öffentlich aufliegen, mehr städtebauliche Qualität und deshalb den Dialog mit den Eigentümern. Beim Baufeld C2, für das noch kein konkretes Projekt vorliegt, verlangt sie gar eine Planungszone mit Bauverbot. Als Gründe für den Vorstoss nennen die Grünen das zu schnelle Tempo beim Bebauen der Feldbreite, die hohen Leerstände – rund 50 von 660 Wohnungen sind frei – und die teils mangelnde städtebauliche Qualität (wir berichteten). Hier ist die Übersicht der Baufelder:

Bei den anderen Parteien teilt man zwar die Ansicht der Grünen, wonach die Gemeinde Emmen das Wachstum besser lenken muss, auch die Dringlichkeit des Vorstosses sehen alle als gegeben – doch nur die SP unterstützt die konkreten Forderungen: «Die Feldbreite brachte der Gemeinde nicht den finanziellen Vorteil, den man versprochen hatte», sagt SP-Fraktionschefin Barbara Fas. Zudem seien viel zu viele Wohnungen quasi «auf einen Chlapf» gebaut worden. Fas sagt: «Lieber jetzt noch reagieren als gar nicht.»

Die anderen Parteien dagegen winken ab. «Qualitativ hochwertig zu bauen ist zwar auch ein Anliegen unserer Partei, wie unsere Vorstösse und Anträge zeigen», sagt CVP-Fraktionschef Christian Blunschi. Die Forderungen der Grünen seien aber reine Willkür. Bei einem rechtskräftigen und grösstenteils realisierten Bebauungsplan plötzlich einzugreifen, gehe nicht, findet Jurist Blunschi:

«Wo bliebe da die Planungssicherheit für Immobilienentwickler?»

Ähnlich äussert sich FDP-Fraktionschefin Conny Frey: «Das würde mit Blick auf die Planungssicherheit ein ganz schlechtes Signal aussenden – Investoren würden sich von Emmen abwenden», sagt sie und betont, dass es sich um ihre persönliche Meinung handelt. «Viel wichtiger ist, dass wir bei künftigen Projekten ein gesundes Wachstum berücksichtigen.» Selber halte sie die Feldbreite überdies für ein gelungenes Quartier. «Es ist gut erschlossen und verfügt über grosszügige Grünräume.»

Viel Grün rund um die Häuser: Schnappschuss von der Feldbreite. (Bild: hor)

Viel Grün rund um die Häuser: Schnappschuss von der Feldbreite. (Bild: hor)

Selbst SVP-Fraktionschef Markus Schumacher, der Initiant der Emmer Wachstumsbegrenzungs-Initiative, kann sich nicht für das Postulat der Grünen erwärmen: «Ein Baustopp, ohne dass sich ein Bauherr eines Vergehens schuldig gemacht hat, ist hart.» Zudem sei fraglich, ob die Forderungen rechtlich überhaupt umsetzbar wären. Schumacher legt den Fokus lieber auf die eigene Initiative. Diese soll noch vor den Sommerferien im Einwohnerrat beraten werden – zusammen mit anderen Vorstössen zum selben Thema. «Wir sind gegen ein überdimensioniertes Wachstum wie in den letzten Jahren, weil dies die Gemeinde finanziell nicht verkraften kann», sagt er. «Und wir merken, dass andere Parteien auch anfangen, sich mit dem qualitativen Wachstum zu beschäftigen.»

Eine Aussage, die Grüne-Einwohnerrat und Postulant Marco Huwiler verwundert: «Gerade bei der SVP-Initiative geht es ja bloss um Quantität und nicht um Qualität – gerade Letztere ist für uns entscheidend und ein Grund für den dringlichen Vorstoss.» Auch die Kritik anderer Parteien, sein Vorstoss käme zur falschen Zeit und sei rechtlich schwierig umsetzbar, lässt er nicht gelten: «Die Planungszone wurde für solche Zwecke geschaffen, es ist nie zu spät einzugreifen.» Der Bebauungsplan Feldbreite stamme aus einer Zeit, in der alle froh waren, dass jemand in Emmen investiert – und das merke man halt. Huwiler sagt:

«Heute sind wir strenger – das zeigte sich etwa beim Bebauungsplan Grünmatt, der zuerst zurückgewiesen wurde.»

Eigentümerin des Baufelds E ist die Arvum Architektur und Immobilien AG mit Sitz in Luzern. Deren Geschäftsführer Erio Brun sagt: «Das Projekt auf dem Baufeld E wurde von uns über mehrere Jahre und Entwurfsvarianten sorgfältig geplant, und vom Begleitgremium Feldbreite geprüft, um die städtebauliche und architektonische Qualität zu gewährleisten.» Vorgesehen seien dort Eigentumswohnungen. Diese sprächen laut Brun genau jene «gewinnbringenden Einwohner» an, von welchen im Vorstoss der Grünen die Rede sei. Weiter richte sich das Tempo der Bebauung nach der Marktnachfrage. Deshalb warte man mit der Realisierung des Baufeldes C2 auch noch zu.

Dass der Unmut in der Bevölkerung über den allgemeinen Bauboom wächst, ist Brun bewusst: «Wir glauben aber, dass die aktuell geplanten Projekte durchaus mit dieser Entwicklung in Einklang stehen.» Und was den geforderten Dialog seitens der Grünen betrifft, sagt er: «Für konstruktive Kritik sind wir jederzeit offen.»

800 Wohnungen auf zwölf Baufeldern

Auf dem Areal des ehemaligen Schindler-Dörflis, der sogenannten Feldbreite, sind auf zwölf Baufeldern rund 800 Wohnungen vorgesehen – grösstenteils zur Miete. Davon sind bislang rund 660 auf sieben Baufeldern erstellt. 75 weitere auf zwei Baufeldern sind zurzeit im Bau. Noch frei sind drei Baufelder. Beim C1 mit 71 Wohnungen lagen die Pläne Anfang 2019 öffentlich auf, beim Baufeld E mit 52 Wohnungen läuft die Planauflage momentan. Und beim Baufeld C2 ist noch nichts Konkretes geplant. Der Bebauungsplan Feldbreite wurde im Jahr 2009 von der Emmer Stimmbevölkerung genehmigt. Die ersten Bewohner zogen 2015 ein – mittlerweile sind es insgesamt rund 1500. Das Investitionsvolumen beträgt total rund eine halbe Milliarde Franken. (hor)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.