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GEHEIMORGANISATION: P26-Mitglied wurde in Luzern beerdigt

Am Donnestag kam einem Mitglied der P26 die letzte Ehre zu Teil. Um die Gruppierung ranken sich viele Gerüchte.

Die Todesanzeige erschien vor sechs Tagen und beginnt mit den Worten «Dienen und schweigen». Gedacht wird an den jüngst verstorbenen Heinrich Eichenberger. Weiter ist zu lesen: «Als Chef Feldorganisation im Spezialdienst UNA von 1976 bis 1979 hat er unserem Land während Jahren in Stille gedient.» Unterschrieben wird die Anzeige vom Präsidenten der Ehemaligenvereinigung P26 und dem Leiter des Musée Résistance Suisse.

Die Abdankungsfeier fand gestern in der ­Luzerner Matthäuskirche statt. Eichenberger bekleidete in der Armee den Rang eines Oberstleutnants und war, wie in der Todesanzeige vermeldet, für den Spezialdienst der Untergruppe Nachrichten und Abwehr (UNA) tätig. Diese Organisation war ab 1981 unter dem Namen P26 aktiv und wurde im Jahr 1990 aufgelöst.

Politiker, Wissenschafter, Künstler und Medienleute

Als publik wurde, dass mit der P26 respektive ihren Vorgängerorganisationen eine Geheimorganisation während Jahrzehnten im Verborgenen agiert hatte, löste das besonders im linken politischen Lager heftige Kritik aus. Der Historiker Georg Kreis äusserte sich 2016 gegenüber dem «Blick» wie folgt: «Solche Geheimorganisationen haben in einem demokratischen Rechtsstaat keinen Platz.» Und weiter forderte Kreis: Auch wenn der Zeitgeist angesichts der aktuellen Bedrohungslage wieder dreht, «sollte eine kritische Haltung gegenüber dieser Art von Parallelgesellschaften aufrechterhalten bleiben.»

Der Leiter des bereits erwähnten Musée Résistance ­Suisse in Gstaad heisst Felix ­Nöthiger. Er wehrt sich dagegen, dass die ehemaligen Mitglieder des UNA-Spezialdienstes heute noch verunglimpft werden. Er weist darauf hin, dass der Organisation zwischen 1940 und Ende der 1970er-Jahre unter anderem auch sechs nachmalige Bundesräte angehörten, vier davon seien Mitglieder der SP gewesen.

Weiter hätte eine grosse Zahl von Parlamentariern aller Bundesratsparteien, aber auch Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und Wissenschaft sowie bekannte Theologen, aber auch Künstler und Chefredaktoren zu den ­Mitgliedern der Organisation ­gezählt, so der Militärhistoriker weiter. Namen nennt Nö­thiger keine. Für das Dossier UNA-Spezialdienst respektive P26 gilt eine Aktensperre bis 2041. Seit 2009 ist es den Ex-Geheimdienstmitgliedern jedoch gestattet, die eigene Zugehörigkeit zur Organisation öffentlich zu machen. Das führte beispielsweise dazu, dass nach dem Tod von Alphons Egli im Sommer 2016 bekannt wurde, der Alt-Bundesrat (CVP) sei vor seiner Wahl in die Landesregierung ebenfalls Mitglied der Organisation gewesen. «Alphons wurde am 1. Januar 1971 als Major in den Stab der Widerstandsorganisation aufgenommen ...», hiess es damals unter anderem in einer Todesanzeige. Diese wurde von Felix Nöthiger sowie dem nun selbst verstorbenen Heinrich Eichenberger unterzeichnet.

Keine bewaffnete Guerilla-Truppe

2012 veröffentlichte der Historiker Martin Matter ein Buch mit dem Titel «Die Geheimarmee, die keine war.» Der 73-jährige Matter, der bei der «Basler Zeitung» Mitglied der Redaktionsleitung war, stellt fest: «Die Einschätzung der P26 als staatsgefährdende Geheimarmee bildet eines der grössten Fehlurteile in der jüngsten schweizerischen ­Geschichte.» Und weiter sagt Matter: «Die Gründung der Organisation fiel in die Zeit des Kalten Krieges.» Er weist darauf hin, dass dieser Widerstand kein bewaffneter gewesen sei. «Die ­Absicht bestand darin, Sand ins Räderwerk der Besatzungsmacht zu streuen, mehr eine psycho­logische Kriegsführung.»

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

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