11 Prozent aller Luzerner Arbeitslosen im Jahr 2018 hatten einen akademischen Abschluss

Auch mit akademischen Abschlüssen ist Arbeitslosigkeit kein Fremdwort. Dabei zeigen sich je nach Diplom Unterschiede. Insbesondere Geisteswissenschaften erhöhen das Risiko einer Arbeitslosigkeit.

Sasa Rasic
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Die rasanten Entwicklungen am Arbeitsmarkt verschonen kaum einen Ausbildungsstand. Dabei sind auch Akademiker vor Arbeitslosigkeit nicht gefeit. Und das Megaphänomen Digitalisierung könnte für sie noch weiter für Probleme sorgen. Denn wie eine Studie der US-Denkfabrik Brookings In­stitution gezeigt hat, sind Arbeitnehmer mit Bachelor-Abschluss stärker gefährdet, ihren Job zu verlieren, als Personen ohne höhere Bildung (wir berichteten). Im Kanton Luzern präsentiert sich die Zahl über alle Personen mit tertiärer Bildung derzeit noch stabil. «Der Anteil der stellenlosen Akademiker liegt im Kanton Luzern seit Jahren zwischen 16 bis 19 Prozent», sagt Karin Lewis, Bereichsleiterin Arbeitsmarkt, Wirtschaft Arbeit Soziales (WAS wira Luzern).

Der Anteil beim RAV als arbeitslos gemeldeten Akademiker ist im Kanton Luzern gestiegen.

Der Anteil beim RAV als arbeitslos gemeldeten Akademiker ist im Kanton Luzern gestiegen.

Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone

Universitätsmaster am häufigsten betroffen

Dabei zeigen sich je nach Abschluss der Arbeitnehmer jedoch einige Unterschiede, wie die Zahlen der nationalen Arbeitsmarktstatistik des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco zeigen. So machten im Jahr 2018 Personen mit einem Bachelor- oder Master-Diplom von Universitäten und Fachhochschulen, sowie Arbeitnehmer mit Doktorat durchschnittlich 11 Prozent aller arbeitslos Gemeldeten im Kanton Luzern aus (438 der insgesamt 3983 arbeitslos Gemeldeten). Am häufigsten betroffen waren Master-Abgänger von Universitäten (178) und Bachelor-Absolventen von Fachhochschulen (118). Zum Vergleich: Über das ganze Jahr 2008 waren es über alle Abschlüsse von Universitäten und Fachhochschulen durchschnittlich noch 4,4 Prozent (164 der 3742 arbeitslos Gemeldeten).

Nach einem Jahr gleichen sich die Unterschiede aus

«Wir stellen fest, dass der Berufseinstieg bei den Studienrichtungen der Geisteswissenschaften leicht erschwert und somit das Risiko einer Arbeitslosigkeit erhöht ist. Mit zunehmender Berufserfahrung sind die Studienrichtungen jedoch ausgeglichen», sagt Karin Lewis. Die Werte von WAS wira Luzern zeigen, dass über die letzten knapp drei Jahre gesehen 56 Prozent der Akademiker innert sechs Monaten wieder eine neue Anstellung gefunden haben. Dieser Anteil ist leicht tiefer als bei den übrigen Stellensuchenden (59 Prozent). Innerhalb von zwölf Monaten melden sich anschliessend rund 80 Prozent der Akademiker sowie Nichtakademiker von der Arbeitsvermittlung ab.

Mehrere Programme helfen im Arbeitsmarkt

Für Akademiker haben staatliche Stellen mehrere Programme geschaffen, um sie zu unterstützen. Lewis: «Um den Anforderungen und der Individualität im Bereich Kader/Akademiker/Höher- und Hochqualifizierter gerecht zu werden, bieten wir ebenfalls Einzelcoachings an.» So organisiert das Seco unter anderem etwa Programme wie «FAU – Fokus Arbeit Umfeld», welches Qualifizierungsprojekte für hoch qualifizierte Stellensuchende sowie Berufspraktika anbietet. Dazu zählt etwa auch die Einschätzung der persönlichen Arbeitsmarkt-Fitness. Im Bereich Kader/Hochqualifizierte arbeitet WAS wira Luzern zudem mit dem Kanton Zug zusammen und nutzt dessen Angebote. Dazu gehört etwa das «Kick-Off Kaderseminar». Dieses steht einer Zielgruppe mit Kriterien wie unter anderem der früheren Verantwortung für mindestens 10 Mitarbeiter oder früherem Jahresgehalt von über 150 000 Franken offen.

Eine Liste aller Angebote finden Sie hier.