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Gemeinde Ebikon will sich das neue Sozialversicherungszentrum angeln

Für den künftigen Standort des fusionierten Sozialversicherungszentrums sind mehrere Angebote eingegangen. Ebikon macht sich grosse Hoffnungen – auch, weil damit ein Schandfleck beseitigt werden könnte.
Roman Hodel
In diesem sogenannten «Ballastbau» beim Bahnhof Ebikon könnte dereinst das Sozialversicherungszentrum mit 700 Arbeitsplätzen entstehen. (Archivbild: LZ/Eveline Beerkircher)

In diesem sogenannten «Ballastbau» beim Bahnhof Ebikon könnte dereinst das Sozialversicherungszentrum mit 700 Arbeitsplätzen entstehen. (Archivbild: LZ/Eveline Beerkircher)

WAS. Das ist die Abkürzung für «Wirtschaft Arbeit Soziales» und auch gleich der Name der öffentlich-rechtlichen Institution, in welcher der Kanton Luzern Anfang Jahr die Ausgleichskasse, die IV-Stelle und die Dienststelle Wirtschaft und Arbeit als selbständiges Sozialversicherungszentrum zusammengeschlossen hat. Nun sucht das WAS einen geeigneten Standort, um die rund 700 Arbeitsplätze an einem zentralen Ort zusammen zu führen – die Eingabefrist endet am 15. März. «Bei uns sind bislang einige Angebote eingegangen», sagt Urs Kneubühler, Vizepräsident des WAS-Verwaltungsrats. Nähere Angaben dazu würden zum jetzigen Zeitpunkt nicht gemacht.

Bedingung: Alle 15 Minuten eine ÖV-Verbindung

Klar ist, dass eine Gemeinde ein besonders grosses Interesse zeigt: Ebikon. «Ja, wir sind sehr interessiert, das künftige Sozialversicherungszentrum nach Ebikon zu holen», sagt Bauvorsteher Hans Peter Bienz (parteilos). «Wir sind überzeugt, dass wir die Eignungskriterien optimal erfüllen.» Diese lauten gemäss einem Inserat, das im Januar unter anderem im Kantonsblatt erschienen ist:

  • Realisierung von mindestens 20'000 Quadratmeter Geschossfläche über Terrain
  • Standort Stadt Luzern oder maximal zehn Kilometer davon entfernt
  • ÖV-Erreichbarkeit mit mindestens vier Hin- und Rückfahrten pro Stunde zu Bürozeiten, Fussdistanz ab Station rund fünf Minuten
  • Gute Erreichbarkeit für Autos
  • Geplante Büronutzung ist zonenkonform und die Baureife gegeben
  • Realisierung ab zirka dem Jahr 2021 bis 2023

Dabei denkt Gemeinderat Bienz an einen bestimmten Standort: Den sogenannten Ballastbau über der SBB-Unterführung, durch welche die Buchrainstrasse führt. Dieser befindet sich unmittelbar beim Bahnhof Ebikon, dem zukünftigen Bushub sowie der VBL-Bushaltestelle Halten und wäre auch für Autos gut erschlossen.

Der Betonbunker gehört der Firma Aplafinimo AG. Hinter der Firma steht der Buttisholzer Bauunternehmer und ehemalige CVP-Kantonsrat Hans Aregger. Er sagt:

«Wir haben uns für das Sozialversicherungszentrum beworben und es wäre schön, würden wir den Zuschlag erhalten.»

Denn der Ballastbau erfüllt laut Aregger nicht nur sämtliche Kriterien, «sondern das Rontal bekäme dadurch eine kantonale Institution, was bislang nicht der Fall ist.» Selbstverständlich denkt Aregger aber auch an seine eigene Firma. Vor über zehn Jahren erwarb die Aplafinimo das Gebäude. «Weil es gut gelegen ist, hatten wir die Hoffnung, hier schnell etwas realisieren zu können.» Mehrere Projekte habe man pfannenfertig entwickelt – darunter ein neuer Standort für das Kantonsgericht oder die höhere Fachschule Gesundheit. Vergeblich. «Es wäre für alle gut, wenn hier bald etwas Neues entstünde», sagt Aregger.

Der Bunker wurde gebaut, um den Tunnel zu beschweren

Für die Ebikoner ist der Ballastbau – eine mittlerweile verwitterte Betonkonstruktion im Rohbau – ohnehin ein Schandfleck. Das Gebäude war Anfang der 1990er Jahre erstellt worden, um die im Grundwasser liegende, unterirdische Kantonsstrasse zu beschweren. Ursprünglich hätte es zu einem Gewerbehaus ausgebaut werden sollen. Gemäss Aregger würde der Ballastbau in das künftige Zentrum integriert. So könnte man die Konstruktion etwa als Parkhaus nutzen.

Gut möglich ist, dass Aregger nicht der Einzige im Rontal ist, der sein Grundstück für das künftige Sozialversicherungszentrum hergeben möchte. «Das Rontal ist für einen Arbeitgeber dieser Grössenordnung ein ausgezeichneter Standort und erfüllt die Eignungskriterien», sagt Pius Portmann, Gebietsmanager LuzernOst. «So sind an geeigneter Stelle ausreichend Geschossfläche vorhanden, die im geforderten Rayon liegen.» Abklärungen zu konkreten Standorten seien noch im Gang. Zumindest die Gemeinden Dierikon und Buchrain bemühen sich aber nicht aktiv um den Standort, wie es auf Anfrage heisst.

Auch der Seetalplatz wäre gut geeignet

Abgesehen davon: Auch im Süden und Norden der Stadt ist man am Sozialversicherungszentrum interessiert. «Das Gebiet LuzernNord wäre prädestiniert, wegen der sehr guten Erreichbarkeit, speziell mit dem ÖV», sagt Christoph Zurflüh, Gebietsmanager LuzernNord. «Zudem gäbe es Synergien mit der neuen, zentralen Kantonsverwaltung am Seetalplatz, wo 30 Standorte unter einem Dach vereint werden.» Man habe deshalb die betroffenen Eigentümer ermuntert, dem WAS Angebote zu unterbreiten. Von der guten Erreichbarkeit und den genügend vorhandenen Geschossflächen spricht auch Thomas Glatthard, Gebietsmanager LuzernSüd: «Der Lead liegt aber bei den Gemeinden.» Zumindest die Stadt Kriens weibelt nicht für den Standort – soviel ist seit der Antwort auf eine Interpellation bekannt.

Aktuell befindet sich das WAS an drei Standorten in der Stadt Luzern: Die IV-Stelle an der Landenbergstrasse, Teile der Dienststelle Wirtschaft und Arbeit an der Bürgenstrasse und die Ausgleichskasse an der Würzenbachstrasse. Letzteren Standort auszubauen kommt gemäss Urs Kneubühler, Vizepräsident des WAS-Verwaltungsrats, nicht in Frage: «Unser Platzbedarf ist zu gross für das Grundstück.»

Stadt Luzern will, dass die Versicherungen auf Stadtgebiet bleiben

Geht es nach der Stadt Luzern, sollen sich diese sowieso weiterhin auf Stadtgebiet befinden. «Wir haben das WAS auf geeignete Liegenschaften aufmerksam gemacht und bieten Unterstützung bei der Standortsuche», sagt Marko Virant, Leiter Immobilien Stadt Luzern.

Doch warum überhaupt der Zusammenzug an einem Standort? «Dadurch können wir die Beratung und Begleitung von Klientinnen und Klienten optimal anbieten und koordinieren», sagt Kneubühler. Zudem rechnet das WAS mit einem Sparpotenzial von jährlich rund einer Million Franken. Rund 30 Stellen fallen dadurch weg, sollen jedoch durch natürliche Abgänge aufgefangen werden.

Der Neubau wird das WAS voraussichtlich rund 100 Millionen Franken kosten. Die Ausgleichskasse finanziert dies vollumfänglich mit ihrem Vermögen und tritt als Bauherrin auf. Noch offen ist der Zeitplan: Als der Kantonsrat der Fusion im letzten Juni zustimmte, war vom Bezug des Zentrums im Jahr 2023 die Rede. Kneubühler sagt: «Der weitere Zeitplan hängt von den eingereichten Angeboten ab.»

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