GEMEINDEFÜHRUNG: Verwaltung in Root wird umgekrempelt

Eine weitere Gemeinde will das Geschäftsführermodell einführen: In Root startet nun die Vernehmlassung. Klar ist bereits: Die Pensen der Gemeinderäte werden deutlich verkleinert.

Beatrice Vogel
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Roots Gemeindepräsident Heinz Schumacher. (Bild: PD)

Roots Gemeindepräsident Heinz Schumacher. (Bild: PD)

Im März 2014 teilte der Gemeinderat Root mit, man prüfe im Rahmen der Überarbeitung der Gemeindeordnung ein neues Führungsmodell. Zu diesem Zweck wurde eine gemeinderätliche Kommission mit Mitgliedern der Controlling-Kommission sowie Vertretern aller Ortsparteien gegründet. Nun steht fest: Root will auf das Geschäftsführermodell umsteigen. Bis zum 2. März dauert die Vernehmlassung. An der Gemeindeversammlung vom 20. Mai wird darüber abgestimmt.

«Effizienter und sachlicher»

«Wir haben verschiedene Modelle geprüft. Nach intensiven Diskussionen hat sich die Kommission einstimmig für dieses Modell entschieden», sagt Gemeindepräsident Heinz Schumacher. «Mit dem Geschäftsführermodell können Geschäfte effizienter und sachlicher abgewickelt werden.» Ausserdem könne sich der Gemeinderat vermehrt auf strategisch wichtige Fragen und innovative Projekte konzentrieren, statt sich mit Details aufzuhalten. Das neue Modell soll denn auch das Amt des Gemeinderats attraktiver machen. «Dank der kleineren Pensen wird es mehr Leute geben, die sich als Gemeinderat engagieren wollen», so Schumacher.

Neue Rolle für Gemeinderat

«Das Schwierigste an der Umsetzung wird sein, die Kompetenzen klar zu trennen.» Besonders für den Gemeinderat sei es eine Umstellung, da sich dieser weniger mit dem Tagesgeschäft aufhalte, sondern sich mehr mit dem Gesamtwohl und der Zukunft der Gemeinde beschäftige. Für Schumacher ist jedoch klar: «Die Vorteile überwiegen.»

Gemäss der neuen Gemeindeordnung wird der Gemeinderat als Verwaltungsrat hauptsächlich strategische Aufgaben wahrnehmen. Die Pensen der fünf Gemeinderäte werden auf je 25 Prozent gekürzt. Heute verfügen sie über Pensen zwischen 25 und 95 Prozent. Daneben wird ein Geschäftsführer ernannt, der die Verantwortung der operativen Arbeiten übernimmt. Einige Kompetenzen, die heute beim Gemeinderat und insbesondere beim Gemeindeammann liegen, werden somit an die Verwaltung übergeben. «Die politische Steuerung liegt aber weiterhin beim Gemeinderat», so Schumacher. «Der Geschäftsführer handelt nach Vorgaben, die vom Gemeinderat in der Organisationsverordnung festgelegt werden.» Im Moment sei der Gemeinderat daran, die Verordnung auszuarbeiten. Darin werden die Kompetenzen der verschiedenen Ressorts festgehalten.

Es soll nicht­ mehr kosten

Das Geschäftsführermodell wurde in jüngster Zeit in mehreren Gemeinden bereits eingeführt. So in Ballwil, Buchrain, Buttisholz, Eich, Meierskappel, Nottwil, Römerswil, Rothenburg und Ruswil. In Adligenswil, Ebikon und Schüpfheim wird es geprüft. Allerdings bestehen oft Bedenken, der Gemeinderat könnte durch die Abgabe der operativen Kompetenzen die Bürgernähe verlieren. Dem versucht Root vorzubeugen, indem die Gemeinderäte weiterhin einem Ressort zugeteilt sind. Schumacher: «Damit bleiben wir die Ansprechpartner für die Bevölkerung.» Auch was die Kosten betreffe, müssten die Rooter keine Bedenken haben. «Durch die Reduktion der Pensen bauen wir 85 Stellenprozent ab», so Schumacher. Dadurch würden Ressourcen für die Geschäftsstelle frei. «Grundsätzlich ist das Ziel, die Umstellung kostenneutral durchzuführen.» Genaueres sei erst nach der Ausarbeitung der Organisationsverordnung klar. «Ich hoffe auf viel Feedback aus der Bevölkerung während der Vernehmlassung», sagt Heinz Schumacher.

Freude bei den Parteien

Bei den Rooter Parteien kommt die Umstellung auf das Geschäftsführermodell durchwegs gut an. «Da Fachpersonen in den Ressorts arbeiten werden, können Sachgeschäfte professioneller ausgeführt werden», sagt SP-Präsidentin Corinne Galante. CVP-Präsident Simon Amrein pflichtet ihr bei: «Die Aufteilung zwischen der Verwaltung und dem Gemeinderat wird klarer sein, was eine Effizienzsteigerung erhoffen lässt.» Auch für die FDP ist die Umstellung zeitgemäss. Präsident David Inderkum: «Durch die Reduktion der Pensen werden die Gemeinderäte vom Tagesgeschäft entlastet. Dadurch werden die Ämter wieder attraktiver und sind für fähige Kandidaten auch in Zukunft zeitlich machbar.» Der Präsident der SVP war gestern nicht erreichbar.