120 Millionen Franken: Luzerner Gemeinden decken immer mehr Pflegekosten

2018 haben die Luzerner Gemeinden 120 Millionen Franken für Pflegeleistungen ausgegeben – so viel wie noch nie.

Chiara Stäheli
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Eine Spitexmitarbeiterin bereitet Medikamente für einen Klienten vor.

Eine Spitexmitarbeiterin bereitet Medikamente für einen Klienten vor.

Gaetan Bally, KEYSTONE

120 Millionen Franken: So viel zahlten die Luzerner Gemeinden 2018 an die Pflegekosten der Bevölkerung. Innert fünf Jahren ist die Belastung der Gemeinden damit um rund 20 Prozent gestiegen. Die steigenden Kosten führt Oskar Mathis vom Verband Luzerner Gemeinden (VLG) hauptsächlich auf zwei Gründe zurück: «Einerseits steigt die Zahl der älteren Menschen mit Pflegebedarf aufgrund der demografischen Entwicklung jährlich weiter an.» Andererseits nehme die Komplexität der Krankheitsbilder zu, was sich ebenfalls auf die Pflegekosten auswirke, so Mathis, der beim VLG den Bereich Soziales und Gesundheit leitet.

Steigende Kosten trotz ambulant vor stationär

Rund 80 Prozent der Kosten entfallen auf die stationäre Pflege, auf welche 2018 knapp 5000 Luzernerinnen und Luzerner angewiesen waren. Die restlichen 20 Prozent kamen rund 9000 Personen zugute, die von der Spitex oder ähnlichen Organisationen zu Hause betreut wurden. Die Zahl der ambulanten Leistungen, die deutlich weniger kosten als die stationäre Pflege, sind seit 2013 um die Hälfte gestiegen. Ein Indiz dafür, dass die kantonale Strategie ambulant vor stationär umgesetzt werde, sagt Oskar Mathis.

Er stellt fest, dass ältere Personen auch bei zunehmender Pflegebedürftigkeit möglichst lange selbstbestimmt leben möchten. «Diese Entwicklung ist im Sinne des Kantons und soll langfristig dazu beitragen, die gesamten Pflegekosten zu senken.» Das Ziel der vergangenen Jahre sei es denn auch gewesen, die Kosten für Pflegeleistungen in Heimen stabil zu halten. Das ist beinahe gelungen: Die stationären Aufwände sind seit 2013 nur um drei Prozent gestiegen.

Seit 2011 sind Krankenversicherer, Pflegebedürftige und Gemeinden gemeinsam für die Finanzierung der Pflegeleistungen zuständig. Mit der Neuordnung der Pflegefinanzierung wurde ein Kostenschlüssel definiert: So sollen Private 20 Prozent der Pflegekosten übernehmen und die Krankenversicherer sowie die Gemeinden je 40 Prozent. Während bei den Krankenversicherern und den Pflegebedürftigen eine Kostenobergrenze besteht, mussten die Gemeinden in den vergangenen Jahren für die wachsenden Restkosten aufkommen. Der Bund hat daher eine Anpassung bei den Krankenkassen vorgenommen: Auf Beginn des aktuellen Jahres sind die Beiträge der Krankenversicherer an stationäre Pflegeleistungen gestiegen, gleichzeitig sind jene für die ambulante Pflege gesunken.

Ein Wermutstropfen für die Luzerner Gemeinden: «Die Krankenversicherer entlasten uns seit Anfang dieses Jahres verstärkt bei den stationären Angeboten, jedoch nicht bei den ambulanten.» Da jedoch Letztere zunehmen werden, müssen die Gemeinden langfristig mit höheren Aufwänden rechnen, ist Mathis überzeugt. Besonders betroffen seien Stadt- und Agglomerationsgemeinden: «Die dortige Bevölkerungsstruktur fordert die Gemeinden zusätzlich heraus, weil mehr ältere Personen in städtischen Gebieten wohnen», erklärt Mathis. So sei beispielsweise in der Stadt Luzern mittlerweile jeder Fünfte älter als 65 Jahre.

Monitoring liefert Basis für Budgetplanungen

Immer höhere Pflegeausgaben prognostiziert auch Edith Lang, Dienststellenleiterin Soziales und Gesundheit beim Kanton Luzern: «Die Zahl der Pflegebedürftigen und damit die Kosten für die Pflege werden in den nächsten Jahren weiter steigen. Man kann aber davon ausgehen, dass der Anstieg der Restkosten der Gemeinden mit der Anpassung durch den Bund gebremst wird.» Zudem könnten die Gemeinden durch geeignete ambulante Angebote ebenfalls dazu beitragen, die Kosten einzudämmen, da diese günstiger seien als ein Heimaufenthalt.

Die Entwicklung der Pflegekosten überprüft die Dienststelle gemeinsam mit dem Verband Luzerner Gemeinden in einem jährlichen Monitoring. Dieses soll nicht nur Transparenz schaffen, sondern den Gemeinden auch dazu dienen, ihre Budgets präziser planen zu können.