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GEMEINDEN: Frauen sind in Gemeinderäten weiter rar

In drei Wochen beginnt die neue Legislatur. Nur rund ein Drittel der 395 Sitze wird von Frauen besetzt. Das soll sich ändern, finden eine Gemeindepräsidentin und ein Gemeindepräsident.
Lukas Nussbaumer
Unterwegs im Städtli: Erna Bieri-Hunkeler (58) ist seit 2011 Stadtpräsidentin von Willisau. (Bild Dominik Wunderli)

Unterwegs im Städtli: Erna Bieri-Hunkeler (58) ist seit 2011 Stadtpräsidentin von Willisau. (Bild Dominik Wunderli)

Lukas Nussbaumer

Es sei «sehr wichtig», dass Frauen und Männer im Stadtrat dabei sind. Das sagte Erna Bieri-Hunkeler (FDP) gegenüber unserer Zeitung vor fünf Jahren, einen Tag nach ihrer stillen Wahl zur ersten Stadtpräsidentin von Willisau. Sie trat in grosse Fussstapfen: in die ihres Parteikollegen Robert Küng, der in die ­Regierung gewählt wurde.

Heute ist die 58-jährige Politikerin überzeugt: «Es ist sehr wertvoll, wenn beide Geschlechter im Rat vertreten sind.» Das zeige sich in der Art der Zusammenarbeit, auch darin, wie Frauen und Männer ihre Sichtweisen und Erfahrungen bei der Beratung der Geschäfte einbringen würden.

Frauenmehrheit «nie ein Thema»

Willisau ist eine von neun Gemeinden, in denen die Frauen im Gemeinderat – mit drei von fünf Sitzen – in der Mehrheit sind. Und die Exekutive der Stadt Willisau gehört zu jenen 15 Gremien im Kanton, die von einer Frau präsidiert werden (siehe Kasten). Die Frauenmehrheit, versichert Bieri-Hunkeler, sei im Stadtrat jedoch «nie ein Thema».

Genauso verhalte es sich mit der Parteipolitik: «Bei uns steht die Sache, das Ringen nach guten Lösungen, im Vordergrund. Parteipolitik war im momentanen Stadtrat noch nie stark spürbar.» Auch in diesem Frühjahr nicht, als in Willisau zum ersten Mal seit der Fusion von Willisau-Land mit Willisau-Stadt vor zehn Jahren Kampfwahlen stattgefunden haben. Ihre Kolleginnen und Kollegen im Stadtrat seien allesamt konsensorientiert. Genauso sieht sich auch die «Chefin» selber: «Ich bin bekannt als Sachpolitikerin, konsensfähig und lösungsorientiert», sagte Erna Bieri-Hunkeler 2011 im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zuerst Familie, dann Politik

Dass Frauen in den Gemeinderäten krass untervertreten sind – nur knapp ein Drittel der Sitze werden von Frauen gehalten –, bezeichnet Bieri-Hunkeler als schade. Sie wünsche sich in Zukunft stärkere Frauenvertretungen in den Behörden, trotz der oft feststellbaren Tat­sache, dass Frauen vorab aus zeitlichen Gründen auf ein politisches Amt verzichten müssen.

Wie anspruchsvoll es für eine Frau sein kann, Beruf, Familie und Politik zu vereinbaren, weiss die Mutter zweier erwachsener Söhne aus eigener Erfahrung: «Ich musste warten mit dem Einstieg in die Politik, bis ich aus familiärer Sicht den Rücken frei hatte.» Die Zeit vor ihrer Wahl in den Stadtrat hat Bieri-Hunkeler mit Teilzeitarbeit und Engagements in der Freiwilligenarbeit genutzt. Dazu hat sie an der Hochschule für soziale Arbeit in Luzern eine Weiterbildung in Projektmanagement absolviert. Davon sowie von ihrer breiten Berufs- und Lebenserfahrung profitiere sie als Stadtpräsidentin sehr, sagt die gelernte Kauffrau.

Mehr Frauen in die Politik: Hinter diesen Wunsch kann sich auch Ruedi Burkard stellen. Der knapp 60-jährige FDP-Politiker übernimmt am 1. September das Gemeindepräsidium von Horw, wo er einem reinen Männergremium vorstehen wird. Burkard sagt, er würde noch so gerne eine Frau im Gemeinderat willkommen heissen. «Doch das Volk hat anders entschieden. Frauen wählen offenbar nicht Frauen.» Horw ist eine von vier Gemeinden, wo der Gemeinderat ausschliesslich aus Männern besteht.

«Frauen politisieren zurückhaltend»

Langfristig betrachtet werde der Frauenanteil in den politischen Gremien steigen, ist Burkard überzeugt. Schliesslich seien Frauen ebenso gut ausgebildet wie Männer. «Leider aber politisieren sie etwas zurückhaltender als Männer. Dies, obwohl sie ihre Dossiers im Griff haben.» Burkard muss es wissen: Er sitzt seit 2009 im Kantonsrat und war zwischen 1993 und 2000 Mitglied des Horwer Einwohnerrats – und hat deshalb oft und in verschiedenen Kommissionen zusammen mit Frauen politisiert. Mit Blick auf sein neues Amt sagt Burkard: «Auf die Politik des Horwer Gemeinderats wird das Fehlen einer Frau keine grossen Auswirkungen haben.»

Wo Frauen besonders gut vertreten sind

Der Frauenanteil in den Exekutiven der 83 Luzerner Gemeinden hat sich gegenüber den Wahlen 2012 nur marginal verändert. Damals lag er bei 33,3 Prozent, mit dem Start der neuen Legislatur am 1. September beträgt er 32,7 Prozent. Das heisst: 129 der 395 Gemeinderatsmandate werden von Frauen besetzt. Das sind 2 Frauen weniger, als jetzt in den Räten vertreten sind. Aktuell beträgt die Zahl der Gemeinderatsmandate 393, Mauensee wird seinen Gemeinderat ab September um 2 auf 5 Mitglieder aufstocken.

Wahlkreisunterschiede: Die höchsten Frauenanteile weisen die Wahlkreise Willisau (34,6 Prozent) und Entlebuch (34,1 Prozent) aus, den tiefsten der Wahlkreis Hochdorf (30,3 Prozent). In Luzern Stadt und Luzern Land liegt er mit 31,8 Prozent unter dem kantonalen Durchschnitt. Tobias Arnold, Politologe beim Luzerner Politbüro Interface, erklärt sich dies so: Politische Ämter seien sehr zeitintensiv. Dies könne dazu führen, dass in Regionen mit einer hohen Frauenerwerbsquote wie in der Stadt und Agglomeration Luzern Frauen aus Zeitgründen auf ein politisches Amt verzichten würden.Neben den unterschiedlich hohen Frauenanteilen in den Wahlkreisen gibt es weitere Auffälligkeiten.

Frauenlos: In vier Gemeinden sitzt keine Frau im Gemeinderat – in Neuenkirch, Pfaffnau, Horw und Udligenswil. Das ist eine Gemeinde mehr, als es in den noch amtierenden Gremien der Fall ist. Aktuell sind die Gemeinderäte von Reiden, Fischbach und Neuenkirch reine Männerrunden.

Frauenmehrheit: In neun Gemeinden haben Frauen die Mehrheit, nämlich in Dierikon, Meierskappel, Knutwil, Mauensee, Altbüron, Grossdietwil, Ufhusen, Willisau und Entlebuch. Das sind zwei Gemeinden mehr als jetzt. Von den noch amtierenden Räten besetzen Frauen in Dierikon, Hildisrieden, Knutwil, Grossdietwil, Nebikon, Zell und Entlebuch mehr als 50 Prozent der Sitze. Auffällig: Hochdorf ist der einzige Wahlkreis ohne einen Gemeinderat, in dem die Frauen die Mehrheit innehaben. Dafür zählt der Wahlkreis Willisau gleich vier Gemeinden mit Frauenmehrheiten.

Frauenpräsidien: 15 Gemeinderäte werden von Frauen geleitet, je 4 in den Wahlkreisen Luzern Land und Willisau. Es handelt sich um Adligenswil, Buchrain, Greppen, Malters, Hochdorf, Römerswil, Knutwil, Mauensee, Alberswil, Ufhusen, Wauwil, Willisau, Entlebuch, Flühli und Schüpfheim. Neu mit einer Frau an der Spitze politisieren die Räte in Mauensee und Ufhusen. Damit schaffte nur eine Frau, die für ein Gemeindepräsidium kandidierte, die Wahl nicht: Elisabeth Riwar (SVP, Weggis).

Parteienunterschiede: Gross sind die Differenzen zwischen den Parteien bei den Wahlchancen, wie die neu gegründete Arbeitsgruppe «Frauen Luzern – Politik» berechnet hat. Die aus allen sechs im Kantonsrat vertretenen Parteien (CVP, SVP, FDP, SP, Grüne, GLP) zusammengesetzte Gruppe setzt sich zum Ziel, den Frauenanteil in den politischen Gremien zu erhöhen oder zumindest zu erhalten. Laut «Frauen Luzern – Politik» wurden 99 Prozent der Kandidatinnen der CVP gewählt, also 70 von 71. Am anderen Ende der Skala stehen GLP, Grüne und SVP, wo nur ein Drittel (GLP und Grüne) beziehungsweise die Hälfte der Angetretenen (SVP) die Wahl schafften. Bei der FDP betrugen die Wahlchancen für Frauen 91 Prozent, bei der SP 67 Prozent.

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