GEMEINDEN: Was uns Verwaltungen kosten

Die Ausgaben für die allgemeine Verwaltung sind in den Gemeinden sehr unterschiedlich. Hohe Kosten bedeuten aber nicht zwingend eine verschwenderische Haushaltspolitik.

Cyril Aregger
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Unter welchen Posten Gemeinden ihre Ausgaben verbuchen, variiert sehr stark und wirkt sich auf deren Verwaltungskosten aus. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Unter welchen Posten Gemeinden ihre Ausgaben verbuchen, variiert sehr stark und wirkt sich auf deren Verwaltungskosten aus. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Cyril Aregger

Die Ausgaben für die allgemeine Verwaltung beinhalten unter anderem die Löhne für den Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung, aber auch Posten wie das Bauamt oder die Kosten für das Gemeindehaus können darunter verbucht werden. Die Unterschiede sind beträchtlich, wenn man die Pro-Kopf-Kosten betrachtet, die Lustat Statistik Luzern veröffentlicht: In Buchrain (208 Franken pro Kopf) ist der Betrag fast 3,7-mal geringer als in Meggen (764 Franken). Der durchschnittliche Pro-Kopf-Aufwand der Luzerner Gemeinden beträgt 344 Franken. Unter dem Schnitt liegen beispielsweise Horw (225 Franken pro Einwohner, Kriens (256), Luzern (275), Emmen (288) und Willisau (317), darüber Hitzkirch (464 Franken), Gisikon (486) und Sursee (495). Der eigentliche «Tabellenführer» Nottwil ist wegen eines ausserordentlichen Ertrags nicht mit den übrigen Gemeinden vergleichbar (siehe Kasten).

Buchrain: Stolz

Die Kosten unterscheiden sich nicht nur wegen der unterschiedlichen Ausgaben für die Gemeinderatslöhne (siehe Ausgabe vom 14. März). Buchrains Gemeindepräsidentin Käthy Ruckli erklärt die Situation für ihre Gemeinde: «Die simple Erklärung ist: Unsere Verwaltung arbeitet effizient und kostengünstig.» Doch hinter den tiefen Kosten der finanziell nicht auf Rosen gebetteten Agglomerationsgemeinde stecke mehr: «Wir suchen kreative Lösungen in unserer Arbeit, nutzen moderne Technologien wie die elektronische Geschäftsverwaltung. Mit diesen Mitteln nehmen wir oft eine Vorreiterrolle ein», erklärt Ruckli mit einem gewissen Stolz. Effizienz und der Verzicht auf Wünschenswertes sei Buchrains Antwort auf die schwache Steuerkraft. Dafür brauche es auch initiative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, betont Ruckli. «Alles läuft unter dem Motto ‹Not macht erfinderisch›.» Immer weiter könne man aber nicht sparen, so Ruckli: «Mittlerweile ist das Sparpotenzial ausgereizt.»

Ebenfalls sehr tiefe Ausgaben im Bereich allgemeine Verwaltung hat Hochdorf vorzuweisen. 212 Franken waren es 2014 pro Einwohner, ein Jahr zuvor 246 Franken. Gemeinderat Markus Stocker, verantwortlich für das Ressort Finanzen, erklärt: «Wir haben einen tiefen Personalbestand, und unsere Mitarbeiter arbeiten sehr effizient. Ferner weist unsere Verwaltung ein eher tiefes Durchschnittsalter auf. Das sind natürlich Faktoren, die die Kostenseite positiv beeinflussen. Ein kürzlich durchgeführter Benchmark mit anderen Luzerner Gemeinden hat uns dies ebenfalls bestätigt.» Auch beim Sachaufwand schaue man aufs Geld – gezwungenermassen: «Wir hatten 2011 bis 2013 teils sehr hohe Defizite zu verzeichnen. Gemäss unserer Finanzstrategie wollen wir spätestens ab 2019 unsere Investitionen wieder zu einem grossen Teil selber finanzieren können.» Wie die Jahresergebnisse 2014 (plus 1,6 Millionen Franken) und jetzt auch 2015 (plus 1,1 Millionen) zeigen, sei man hier auf einem guten und erfreulichen Weg. «Mit jedem Steuerfranken werden wir weiterhin sehr sparsam umgehen.»

Hohe Ansprüche

Am höchsten sind die Ausgaben für die allgemeine Verwaltung in Meggen – 764 Franken waren es 2014 pro Einwohner (2013: 758). «Ja, unser Aufwand ist relativ hoch», sagt Gemeindepräsident Urs Brücker. «Aber wir haben in unserer Gemeinde in verschiedenen Bereichen auch überdurchschnittlich anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen. Zum Beispiel im Bereich komplexer Erbschaftsfälle, wo es sehr anspruchsvolle Dossiers zu bearbeiten gilt. Oder beim regen Liegenschaftenhandel, der in Meggen auch aussergewöhnliche Objekte betrifft.» Dies ist personalintensiv und braucht hoch qualifizierte Fachleute. «Dank deren Arbeit kommt aber auch wieder Geld in die Gemeindekasse», so Brücker. Weitere Gründe für die hohen Ausgaben seien beispielsweise auch die vielen Dienstleistungen und die Infrastruktur, welche die Gemeinde zum Beispiel den Vereinen bei der Nutzung des Verwaltungsgebäudes kostenlos zur Verfügung stellt. Und dann gebe es noch etwas ganz Grundsätzliches, sagt Brücker: «In Meggen sind die Erwartungen an die Leistungen der Verwaltung sicher grösser als in vielen anderen Luzerner Gemeinden.»

Tourismus kostet

Weggis weist mit 757 Franken die zweithöchsten Pro-Kopf-Ausgaben aus. 2013 waren es noch 679 Franken. Schaut man in der wohlhabenden Gemeinde nicht so sehr aufs Geld? Gemeindepräsident Kaspar Widmer wehrt ab: «Wir machen das natürlich nicht, weil wir viel Geld haben.» Die relativ hohen Aufwendungen hätten vielmehr auch mit der Rolle von Weggis als Tourismusdestination zu tun: «Wir haben regen Zu- und Wegzug von ausländischen Arbeitskräften in verschiedenen Sprachen, das gibt einen erhöhten Verwaltungsaufwand. Zudem haben wir viele Hotels und Zweitwohnungen. Deshalb ist unsere Infrastruktur nicht nur auf unsere gut 4400 Einwohner ausgelegt. Auch das schlägt sich in den Verwaltungskosten nieder.» 2014 mussten zudem Beratungsdienstleistungen eingekauft werden. Widmer: «Dabei handelt es sich vor allem um planerische und juristische Beratungen. Wir haben zum Teil sehr anspruchsvolle Bauprojekte. Das gibt mehr Aufwand, den wir nicht komplett über die Gebühren verrechnen können.»

Teure Anschaffungen

Dass sich auch Egolzwil bei den Gemeinden mit hohen Pro-Kopf-Ausgaben einordnet, mag auf den ersten Blick erstaunen: Die fünf Gemeinderäte haben zusammen lediglich ein Pensum von 128 Stellenprozenten. Dennoch schlägt die allgemeine Verwaltung 2014 mit 666 Franken pro Einwohner zu Buche. «Wir wissen, dass wir relativ hohe Kosten haben», sagt Gemeindepräsident Urs Hodel. «Dies liegt aber unter anderem daran, dass wir viele Aufgaben über die allgemeine Verwaltung verrechnen. Dafür sind die Kosten zum Beispiel in den Bereichen Soziales oder Sicherheit tief.» 2014 hätten zudem Sondereffekte durch einmalige Kosten für die Renovation der Gemeindekanzlei und Anschaffungen von Mobiliar und Informatikmitteln zu erhöhten Ausgaben geführt, so Hodel. «Das entspricht einer Erhöhung der Kosten um rund 180 Franken pro Einwohner.» 2013 hatte die Gemeinde mit 572 Franken denn auch deutlich tiefere Pro-Kopf-Ausgaben zu verzeichnen.

Unterschiedliche Buchungsarten

Hodels Erklärung ist denn auch ein Grund dafür, dass Armin Hartmann, beim Verband Luzerner Gemeinden (VLG) für die Finanzen zuständig, die Vergleichbarkeit der Pro-Kopf-Ausgaben relativiert: «Die Verbuchung wird unterschiedlich gehandhabt. Den Gemeinden steht es frei, ob sie beispielsweise den Personalaufwand für den Werkdienst in der allgemeinen Verwaltung verbuchen oder unter dem Budgetposten Verkehr.» Auch die Tatsache, dass Gemeinden Aufgaben auslagern, zum Beispiel in ein regionales Steueramt, habe einen Einfluss auf die Ausgaben bei der allgemeinen Verwaltung.

Die Rangliste von Lustat Statistik Luzern zeigt aber, dass grosse Gemeinden nicht zwingend einen Vorteil bei den Verwaltungskosten pro Kopf haben. Hartmann erklärt: «Zwar können grosse Gemeinden von gewissen Skaleneffekten profitieren. Eine grössere Bevölkerung bedeutet aber auch mehr Aufwand. Kleine Gemeinden können hingegen von flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswegen profitieren.»

Spezialfall Nottwil

Bloss 21 Franken betrugen 2014 in Nottwil die Kosten für die allgemeine Verwaltung pro Einwohner. Damit liegt die Gemeinde am Sempachersee mit grossem Abstand an der Spitze der Liste von Lustat Statistik Luzern. Wie ist das möglich? Ein genauerer Blick in die Rechnung 2014 zeigt, dass nachträgliche Belastungen der Spezialfinanzierungen Wasser und Abwasser 2014 zu einem verzerrten Resultat führten. Die Nachbelastung in der Höhe von 1,05 Millionen Franken wurde auf Vorschlag der Revisionsstelle als ausserordentlicher Ertrag dem Ressort Gemeindeverwaltung gutgeschrieben, wie die Gemeinde in ihrer Botschaft zur Rechnung 2014 schrieb. Ohne diesen Ertrag würde Nottwil mit 319 Franken knapp unter dem kantonalen Schnitt von 344 Franken liegen. 

Spezialfinanzierungen belastet

Belastet wurde die «Gutschrift», die nichts mit dem betrieblichen Ergebnis zu tun hat, den Bereichen Wasser beziehungsweise Abwasser. Die Ergebnisse der beiden Spezialfinanzierungen haben sich deshalb 2014 entsprechend verschlechtert. 

Die Ausgaben aller Gemeinden finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus