Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Schutz vor Strassenlärm: Luzerner Gemeinden müssen sich sputen

Strassenlärm belastet jeden vierten Luzerner. Der Bund verlangt von Kanton und Gemeinden, den Lärm zu reduzieren. Kantonsstrassen sind auf Kurs, findet der Kanton Luzern. Dies sieht der VCS ganz anders.
Roseline Troxler
Wie im Gebiet Münsterplatz übersteigt der Verkehrslärm in Sursee auf diversen Abschnitten den Grenzwert. (Bild: Pius Amrein, 14. März 2018)

Wie im Gebiet Münsterplatz übersteigt der Verkehrslärm in Sursee auf diversen Abschnitten den Grenzwert. (Bild: Pius Amrein, 14. März 2018)

12'000 Luzernerinnen und Luzerner leiden besonders unter Lärm. Sie sind einem Alarmwert ausgesetzt. Insgesamt sind gar 25 Prozent der Kantonsbevölkerung von Lärmbelastungen betroffen, die über dem Immissionsgrenzwert liegen. Dies geht aus dem Umweltbericht 2018 hervor, den der Kanton vor kurzem publiziert hat.

Der Strassenlärm stellt laut Bericht das grösste Lärmproblem dar. Genau hier setzt der Bund an: Er hat Kantone und Gemeinden beauftragt, die Bevölkerung vor Strassenlärm zu schützen. Dies geschieht mittels lärmarmen Belägen, Temporeduktionen oder Lärmschutzwänden. Noch sind nicht alle Strassen saniert – obwohl die Frist Ende März abgelaufen ist.

113 Lärmsanierungsprojekte erarbeitet

Im Bericht schreibt das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement: «Im Kanton Luzern sind die Sanierungen auf Kurs. Die Abschnitte aller Kantonsstrassen wurden überprüft, die Gemeinden hingegen müssen noch einen Effort leisten, damit sie die Frist zur Ausrichtung von Bundesbeiträgen erfüllen können.»

«Es gibt eine Vielzahl von Gemeinden, bei denen aufgrund tiefer Verkehrszahlen kein Sanierungsbedarf besteht.»

Daniel Christen, Leiter der Dienststelle Umwelt und Energie

Daniel Christen, Leiter der Dienststelle Umwelt und Energie, führt die Situation auf Anfrage so aus: «Die Lärmsanierung für Kantonsstrassen wurde vom Kanton Luzern in den letzten 20 Jahren mit hoher Priorität angegangen und ist zu rund 90 Prozent umgesetzt.» Der Kanton hat insgesamt 113 Lärmsanierungsprojekte erarbeitet. Davon sind 105 Projekte abgeschlossen oder stehen kurz vor dem Abschluss. Vier Projekte sind in Umsetzung, weitere vier noch offen.

Anders sieht es bei den Gemeinden aus: «Bei 14 Gemeinden sind die Verfahren für die Lärmsanierungen in der Umsetzung. Bei 21 sind sie abgeschlossen oder kurz vor dem Abschluss», sagt Daniel Christen und erklärt: «Es gibt eine Vielzahl von Gemeinden, bei denen aufgrund tiefer Verkehrszahlen kein Sanierungsbedarf besteht.» Ende 2013 ging der Kanton noch davon aus, dass die Gemeindestrassen von 35 Gemeinden saniert werden müssen.

VCS: «Kanton hat Hausaufgaben nicht gemacht»

Nicht zufrieden mit dem Stand der Sanierungsprojekte ist Michael Töngi. Er präsidiert beim Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) die Sektion Luzern. Der Nationalrat der Grünen sagt: «Nicht nur die Gemeinden sind im Verzug, auch der Kanton hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.» Viel zu oft habe er die Reduzierung des Lärms an der Quelle nicht einmal geprüft, sondern mit sogenannten Erleichterungen auf bauliche Massnahmen gesetzt.

Wenn die vollständige Lärmsanierung einer Strasse unverhältnismässig einschränkt oder unverhältnismässige Kosten verursachen würde, kann die Dienststelle die Gemeinde von der Pflicht entbinden, weitergehende Lärmschutzmassnahmen zu realisieren. Die kantonale Dienststelle Umwelt und Energie bestätigt, dass 15 Gemeinden ein Gesuch um Erleichterung eingereicht haben. «Der grösste Teil der Gesuche konnte bewilligt werden», sagt Daniel Christen. Weitere sechs konnten nachweisen, dass sie nicht zur Sanierung verpflichtet sind.

Verband wehrt sich mit Einsprachen

Der VCS hat gegen viele der Gesuche um Erleichterung Einsprache gemacht. «Rund zehn Einsprachen sind bereits abgeschlossen», sagt Michael Töngi. Die Einsprachen wurde zum grössten Teil abgewiesen, doch aufgrund neuer Bundesgerichtsentscheide erhofft sich der VCS mehr Erfolgschancen. Drei Einsprachen sind noch hängig. Dabei geht es um Projekte in Sursee, Malters sowie Root.

«Dem Schutz der Bevölkerung vor gesundheitsschädlichem Lärm wird ungenügend Rechnung getragen.»

Michael Töngi, Präsident Luzerner Sektion



des Verkehrs-Club der Schweiz (VCS)

Sursee beispielsweise will den gesetzlichen Spielraum nützen, weil der Stadtrat «keine wirkungsvollen und verhältnismässigen Massnahmen» gegen den Lärm sieht, wie es in einem Bericht zum Lärmsanierungsprojekt heisst. Der Stadtrat hat daher ein Gesuch um Erleichterung eingereicht. Auf gewissen Abschnitten sind dennoch Temporeduktionen vorgesehen. Inzwischen wurde das Gesuch vom Stadtrat aber sistiert. Es sollen nun zunächst weitere Abklärungen zur Temporeduktion sowie eine Vernehmlassung durchgeführt werden. Grund ist die Rückmeldung des Kantons, der das Fehlen eines «überregionalen und gemeindeübergreifenden Ansatzes zum Temporegime» bemängelt.

Erleichterungen sind VCS ein Dorn im Auge

Michael Töngi kritisiert die Argumentation des Kantons betreffend Erleichterungen: «Dem Schutz der Bevölkerung vor gesundheitsschädlichem Lärm wird ungenügend Rechnung getragen.» Für Töngi bleibt die Lebensqualität gar mit Schallschutzfenstern und -wänden eingeschränkt. «Vielmehr müsste die Lärmbelastung mit Massnahmen an der Quelle nachhaltig reduziert werden.» Dazu gehören eine Temporeduktion oder ein anderer Belag.

Das Problem liegt laut Töngi aber auch anderswo: «Es gibt diverse Gemeinden, die in Ortszentren Temporeduktionen fordern, dann aber wiederholt durch den Kanton ausgebremst werden.» Als vorbildliche Gemeinden bezeichnet er die Stadt Luzern, «welche 30er-Zonen bewusst fördert» oder Kriens, «wo der Gemeinderat im Zentrum Tempo 30 umsetzen will». Wenn es der Kanton oder die Gemeinden nicht schaffen, die Strassen rechtzeitig zu sanieren, können Lärmgeplagte versuchen, eine Entschädigung einzufordern. Dann werden sich die Gerichte mit dem Lärm und seinen Folgen auseinandersetzen.

Lärmbelastung: So wird gerechnet

Wann Lärm zu laut ist – respektive einen Grenzwert übersteigt – ist abhängig von der Zonennutzung: Für reine Wohnzonen gilt ein Immissionsgrenzwert von 60 Dezibel am Tag und 50 Dezibel in der Nacht. Für Mischzonen (Kern-, Dorf-, Gewerbe- und Arbeitszonen) gilt ein Immissionsgrenzwert von 65 Dezibel am Tag und 55 Dezibel in der Nacht. Die Überschreitung des Alarmwertes ist bei Misch- und Wohnzonen ab 70 Dezibel am Tag und 65 Dezibel in der Nacht gegeben. (rt)

Hinweis: Hier finden Sie den Link zum Immissionskataster zum Strassenverkehrslärm.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.