Gemeindepräsidium in Wolhusen: Wenn das Amt in der Familie bleibt

In Wolhusen könnte Fredi Bigler seinen Vater Peter als Gemeindepräsidenten ablösen. Was unterscheidet die beiden?

Alexander von Däniken
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Bei ihnen fällt der Apfel nicht weit vom Stamm: Peter und Fredi Bigler beim Dorfplatz Wolhusen.

Bei ihnen fällt der Apfel nicht weit vom Stamm: Peter und Fredi Bigler beim Dorfplatz Wolhusen.

Pius Amrein, 16. Januar 2020

Als Peter Bigler für die FDP in den Wolhuser Gemeinderat gewählt wurde, war sein Sohn gerade einmal 14. Das war im Jahr 2000. Dieses Jahr gibt Peter Bigler sein politisches Amt ab; er ist seit acht Jahren Gemeindepräsident, davor war er zwölf Jahre Gemeinderat. Für seine Nachfolge hat die FDP Biglers Sohn Fredi nominiert. Die beiden haben nicht nur das Parteibuch, sondern auch Schnauz und Unternehmertum gemeinsam. Peter Bigler führt in Wolhusen eine eigene Garage, Fredi im selben Dorf eine Informatikfirma mit elf Angestellten.

Trotzdem gibt es einige Unterschiede, wie Fredi Bigler betont: «Zwischen uns liegen 30 Jahre Unterschied. Ich bin mit Computern und Handys aufgewachsen. Entsprechend lege ich einen besonderen Fokus auf schnelle, aktive und transparente Kommunikation.» Das würde Bigler Junior nach einer Wahl auch im Gemeinderat versuchen umzusetzen. «Ich verstehe die Gemeinde als Dienstleisterin für ihre Bürgerinnen und Bürger.»

Auch Grossvater war Gemeinderat

Auch Vater Peter Bigler sagt: «Mein Sohn ist digital ganz anders unterwegs als meine Generation.» Er habe sich «sehr gefreut», als sich sein Sohn entschieden habe, als sein Nachfolger zu kandidieren. Als Berater stelle er sich aber nicht zur Verfügung: «Ich gebe mein Amt Ende August ab; dann ist, so hoffe ich, er an der Reihe – aber ohne mich.» Peter Bigler erzählt, dass auch sein Vater einst für die FDP politisierte – im Gemeinderat von Malters. «Ich freue mich, dass sich nun auch Fredi für die Politik interessiert.» Peter Bigler wird sich künftig mehr um seine Garage und um die Verwaltung seiner Wohnungen kümmern. «Alles andere lasse ich auf mich zukommen.»

Kampfwahl ums Amt

(avd) Nicht nur Fredi Bigler (FDP) kandidiert für das Wolhuser Gemeindepräsidium, sondern auch der parteilose Bruno Duss. Der 61-Jährige wird von einem überparteilichen Komitee um Unternehmer Walter Imbach unterstützt, wie der «Entlebucher Anzeiger» am Freitag berichtete. Gemeindeammann Willi Bucher (CVP) und die Gemeinderäte Ueli Lustenberger (SVP) sowie Gregor Kaufmann treten wieder an. Für die abtretende Rita Brunner-Lipp nominierte die CVP Lisbeth Wicki.

Fredi Bigler ist in Wolhusen aufgewachsen und zur Schule gegangen. Danach absolvierte er eine Lehre als Informatiker. Es folgte ein Engagement in Berlin, wo er für eine Softwarefirma Computerspiele mitentwickelt hat. Nach einer Selbstständigkeit zog er zurück nach Wolhusen, wo er als Informatiker in der Medizinbranche arbeitete.

Vor zehn Jahren machte sich Bigler mit der jetzigen Softwarefirma selbstständig – und entwickelt vor allem Lösungen im Bereich der Medizininformatik. Ein weiteres Büro ist in Berlin, «sonst wäre es nicht möglich, an die Fachkräfte heranzukommen», sagt Fredi Bigler.

Er ist Mitglied im örtlichen Gewerbeverein. In der Freizeit programmierte und gründete Bigler zusammen mit Andy Hochstrasser das lokale Portal «Wer Was Wolhusen», nebenbei braut er auch Bier. Am 1. Februar eröffnet er die Brauerei «Wolhuser Original», amtet dort als Gründer, Braumeister und schenkt auch das eigene Lager aus. Bigler, der ledig ist, sagt: «Ich will der Wolhuser Bevölkerung etwas bieten.»

Das trifft auch auf die Pläne nach der allfälligen Wahl zu. Für die Dorfumfahrung will er sich genauso einsetzen, wie für eine rasche Realisierung eines neuen Dorfkerns: «Es ist sehr wichtig, dass die Gemeinde im Zentrum eine Begegnungszone erhält.»

CVP: «Grundsätzlich kein Problem»

Was sagen die anderen Parteien zur «Familienangelegenheit Gemeindepräsidium»? Die CVP stellt mit Willi Bucher (Gemeindeammann), Rita Brunner-Lipp und Gregor Kaufmann die Mehrheit im Wolhuser Gemeinderat. Für Brunner-Lipp, die nicht mehr antritt, schickt die Partei Lisbeth Wicki Blum ins Rennen. Ortsparteipräsident Guido Roos spricht von «sehr starken Persönlichkeiten».

Aktuell mache die CVP Wolhusen keinen Anspruch auf das Gemeindepräsidium geltend. «Dass die FDP mit Fredi Bigler den Sohn des aktuellen Gemeindepräsidenten nominiert hat, ist grundsätzlich kein Problem. Die Person selber ist für uns wichtiger», sagt Roos. Fredi Bigler sei ein junger Mann aus Wolhusen, den er zwar nicht gut kenne, dem aber eine Chance eingeräumt werde. Eine Vertretung der CVP Wolhusen werde Bigler demnächst treffen, um mehr über Ziele und politische Einstellungen zu erfahren. «Danach werden wir über eine mögliche Unterstützung befinden.»