Gemeinderat Buchrain: Jetzt kommt es zur Kampfwahl

Auf den letzten Drücker kommt die CVP nun doch mit einer Kandidatur für den Buchrainer Gemeinderat. Aber: Die SP will einen zweiten Sitz – und sie schlägt ihren bisherigen Bildungsvorsteher fürs Präsidium vor.

Roman Hodel
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Noch vor einem Monat klang es dramatisch: Die CVP droht erstmals überhaupt aus dem Gemeinderat von Buchrain auszuscheiden, weil sie keinen Ersatz für ihre zurücktretende Gemeindepräsidentin Käthy Ruckli findet (wir berichteten). Jetzt aber zeichnet sich eine Lösung ab. «Ja, wir haben eine gute Kandidatur», so CVP-Präsident Walter Graf. Die Parteileitung schlägt den Mitgliedern am nächsten Mittwoch Mirjam Urech zur Nomination vor. Die 39-Jährige ist seit sieben Jahren im Vorstand der CVP-Ortspartei tätig, seit einem Jahr als Vizepräsidentin.

Mirjam Urech, CVP.

Mirjam Urech, CVP.

(Bild: Manuela Jans-Koch, Buchrain 8. Januar 2020)

Allerdings soll die ausgebildete Primarlehrerin Urech nicht als Gemeindepräsidentin nominiert werden, sondern als Bildungsvorsteherin. Ein Departement, das erst seit Neustem zur Disposition steht. Denn die SP hat am Montag ihren bisherigen Bildungsvorsteher Ivo Egger (SP) fürs Präsidium nominiert – er wäre der erste linke Gemeindepräsident von Buchrain. «Aufgrund der Ausgangslage stellt er sich für dieses Amt zur Verfügung», sagt SP-Präsidentin Klara Vogel. «Ivo Egger ist seit zwölf Jahren Gemeinderat und daher in alle grossen Projekte involviert.» Aber: Die SP hat noch eine weitere Person nominiert: Andrea Gasser-Bolliger.

Andrea Gasser.

Andrea Gasser.

(Bild: PD)

Die 50-Jährige soll das Bildungsdepartement von Egger übernehmen. Damit kommt es am 29. März in Buchrain zur Kampfwahl. SP-Präsidentin Klara Vogel sagt dazu: «Als die CVP am 16. Dezember immer noch keine Kandidatur präsentieren konnte, mussten wir handeln.» Ein Rückzug von Gassers Kandidatur sei kein Thema.

Zwei Kandidatinnen mit ähnlichem Profil

Andrea Gasser-Bolliger ist wie CVP-Kandidatin Mirjam Urech ebenfalls ausgebildete Primarlehrerin und hat zudem mehrere Jahre in der kantonalen Verwaltung sowie in verschiedenen Positionen in der Privatwirtschaft gearbeitet. Aktuell ist sie als Klassenlehrerin mit einem 50-Prozent-Pensum an der Schule Ebikon tätig. Den Job würde sie bei einer Wahl beibehalten. Gasser ist seit mehreren Jahren Mitglied der Rechnungskommission und hat so Einblicke in viele Gemeinderatsgeschäfte. «Das finde ich sehr spannend und bietet mir die Möglichkeit, die Zukunft unserer Gemeinde aktiv mitzugestalten», sagt sie und fügt an:

«Das ist auch der Grund, warum ich Bildungsvorsteherin werden möchte.»

Aufgewachsen ist die 50-Jährige in Kriens. In Buchrain wohnt sie mit ihrer Familie seit zwölf Jahren. «Die Lage des Dorfes ist perfekt, mein Mann arbeitet in der Stadt, wir sind schnell im Grünen – und ich hatte noch nie so viel Sonne», sagt die Mutter von zwei Kindern im Alter von 14 und 16 Jahren.

Der CVP ist derweil wichtig, dass sie ihre Kandidatin nicht aus dem Hut zauberte. Mirjam Urech sagt, sie spiele schon länger mit dem Gedanken, Gemeinderätin zu werden:

«Weil ich so Bueri mitgestalten und etwas bewirken kann.»

Aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung liegt ihre momentane Präferenz klar beim Bildungsdepartement. Nur sei dieses bis vor Kurzem gar nicht zur Disposition gestanden. Dabei sei für sie jetzt der richtige Zeitpunkt: «Ich werde bald 40 und habe Lust auf eine Veränderung.» Deshalb habe sie ihren Teilzeitjob als Primarlehrerin an der Schule Inwil im November auf nächstes Schuljahr gekündigt. «Obwohl noch offen ist, ob ich nominiert und gewählt werde.» Sie unterrichte nach wie vor sehr gerne, «aber ich habe daheim drei Kinder im Alter von 6, 7 und 8 Jahren – da fehlt mir einfach die nötige Abwechslung», sagt Urech. Aufgewachsen ist sie in Winterthur, seit 2011 wohnt die Familie in Buchrain. «Das ist ideal für uns – nahe bei der Stadt, wo mein Mann herkommt, und trotzdem auf dem Land.»

Bei der FDP begrüsst man die neueste Entwicklung: «So haben die Buchrainer am 29. März eine wirkliche Wahl», sagt Präsident Armin Niederberger und ist überzeugt, dass die eigenen drei Gemeinderäte Heinz Amstad (Bau), Stephan Betschen (Soziales) und Patrick Bieri (Finanzen) die Wiederwahl schaffen. «Alle haben eine tolle Performance hingelegt.»

Seitens SVP ist keine Kandidatur zu erwarten, wie Karin Hess schreibt: Ein möglicher Kandidat habe das berufliche Pensum leider nicht wie gewünscht reduzieren können. Und auch die GLP verzichtet mit Blick auf die vorhandenen Kandidaturen, wie Kantonsrätin Ursula Berset sagt.

Trotz Kampfwahl und dem Umstand, dass die beiden Kandidatinnen ein ähnliches Profil aufweisen, schaut CVP-Präsident Walter Graf dem 29. März optimistisch entgegen: «Ich bin überzeugt, dass die Buchrainer die CVP weiterhin im Gemeinderat haben wollen.»