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Zwei langjährige Horwer Gemeinderäte marschieren Richtung Rente

Die abtretenden Horwer Gemeinderäte Oskar Mathis (L20) und Robert Odermatt (SVP) haben am Montag offiziell ihren letzten Arbeitstag. Zeit für eine Bilanz – beide sind sie frohen Mutes, aber natürlich auch wehmütig.
Roman Hodel
Am Montag ist ihr offiziell letzter Tag im Amt: Oskar Mathis (links) und Robert Odermatt auf dem Gemeindehausplatz. (Bild: Eveline Beerkircher, Horw, 24. September 2019)

Am Montag ist ihr offiziell letzter Tag im Amt: Oskar Mathis (links) und Robert Odermatt auf dem Gemeindehausplatz. (Bild: Eveline Beerkircher, Horw, 24. September 2019)

Oskar Mathis: Der Amtsälteste

Es riecht nach Farbe im Büro des Horwer Sozialvorstehers, die Wände sind schon leer. Umzugsstimmung. Oskar Mathis relativiert: «In dieses Büro war ich erst vor Kurzem gezogen, darum sieht es hier so aus.» Auf und hinter dem Schreibtisch stapeln sich Akten. Vieles davon hat er in den letzten Wochen aktualisiert – und digitalisiert. Es sind Vorbereitungen für die Übergabe an seine Nachfolgerin Claudia Röösli. Heute hat Mathis offiziell seinen letzten Arbeitstag als Gemeinderat – nach über 16 Jahren.

An den Wahltag damals im Mai 2003 könne er sich noch gut erinnern. «Es war eine Überraschung. Als das Telefon mit der erfreulichen Nachricht kam, musste mich meine Frau aus der Dusche holen», sagt er. Seine Partei, die L20, war zuvor länger in der Opposition gewesen, ihr Einfluss im Parlament bescheiden. Heute stellt die L20 nicht nur die zweitgrösste Fraktion im Einwohnerrat, sondern ab Oktober gar zwei Gemeinderäte. Dass er letzteres nicht mehr im Amt erlebt, fuchst ihn zwar ein bisschen, aber:

«Ich konnte mir auch als einziger Linker im Gemeinderat stets Gehör verschaffen – ich bin ja ein Realo und kein Fundi.»

Und wohl gefühlt habe er sich sowieso – bis auf den Umstand, dass seit den letzten Wahlen keine Frau mehr dabei war. «Frauen sind generell offener für soziale und grüne Themen.»

Die Wiederwahl schaffte Mathis stets problemlos. Überhaupt war es meist ruhig um sein Ressort. Was auch daran liegt, dass in Horw aufgrund der Bevölkerungsstruktur die Sozialhilfekosten kaum gestiegen sind. Doch stellt er ebenfalls fest, dass die Sozialversicherungen immer mehr an die Kommunen abschieben. Das schlägt sich dann eben doch in den Kosten nieder und geht ihm gegen den Strich.

Gegen den Strich ging ihm eigentlich auch die Auslagerung des «Kirchfeld – Haus für Betreuung und Pflege» in eine AG: «Ja, ich sah wenig Vorteile darin.» Doch als sich eine Mehrheit dafür ausgesprochen habe, sei er «mit Herzblut» an die Umsetzung der Vorlage gegangen. Dem Betrieb und dem Personal zuliebe. Dies sei wohl mit ein Grund für die hohe Zustimmung an der Urne gewesen. Allerdings: Kaum ausgelagert, kämpft das Kirchfeld mit Unterbelegung im Altersheim. «Das schmerzt mich», so Mathis. Denn es droht ein Abbau von Stellen. Bislang hat er vor allem welche geschaffen:

«Als ich angefangen habe, gab es im Kirchfeld keine Ausbildungsstelle, jetzt sind es 23.»

Es ist einer von mehreren Erfolgen, die Mathis erwähnt. Dazu zählen auch die Einführung von Betreuungsgutscheinen für Kinder als erste Luzerner Gemeinde sowie die Fachstelle Familie plus. In der Jugendarbeit schuf er Probelokale und nennt mit Stolz Bands wie Dada ante Portas oder 7 Dollar Taxi, die hier angefangen hatten. Und Niederlagen? Die gab es auch. Überschaubar in der Zahl. Etwa das abgelehnte Budget kurz nach seinem Amtsantritt.

Diese Vielfalt an Aufgaben, überhaupt, die Gemeinde mitzugestalten, das werde er vermissen. Ja, der Abschied falle ihm nicht leicht. Wobei: Der 64-Jährige geht noch nicht ganz in Rente. Seinen Posten im Vorstand des Verbands Luzerner Gemeinden behält er bis nächsten Frühling. Und: Sein Fachwissen will er künftig Sozialberatungsfirmen zur Verfügung stellen. Mathis: «Als Senior Consultant, wie das heute so schön heisst.»

Robert Odermatt: Der Einzelkämpfer

Mit dem heutigen letzten Arbeitstag des Horwer Immobilien- und Sicherheitsvorstehers endet eine Ära: Jene von Robert Odermatt, aber auch jene der SVP im Gemeinderat. Nach nur sieben Jahren ist die Partei wieder draussen. Odermatts Nachfolger Jörg Stalder ist bekanntlich L20-Mitglied. «Natürlich wärs schön gewesen, hätte ich mein Amt jemandem übergeben können, der meinem Gedankengut näher steht», sagt Odermatt. Über die Art und Weise, wie die SVP ihren Sitz verloren hat, mag er schon gar nicht sprechen. Nicht jetzt, wo es darum geht, Bilanz zu ziehen über seine Amtszeit.

Im Juni 2012 schaffte Odermatt den Sprung in den Gemeinderat. Es war sein zweiter Anlauf nach 2008 und der Abstand zu Ruth Strässle, die den Sitz für die FDP verteidigen sollte, war knapp. Auch bei der Wiederwahl 2012 kam ihm erneut Strässle gefährlich nahe. Dafür hat er heute nur ein müdes Lächeln übrig:

«Am Ende zählt, dass ich gewählt wurde.»

Aber: Die knappen Resultate zeigten eben durchaus, dass man als SVPler in Horw allein kämpfen müsse. «Das ist ein Fakt.»

Fakt ist auch, dass Odermatt im Gegensatz zu seiner Amtsvorgängerin nicht nur Sicherheits- sondern auch Immobilienvorsteher wurde. Gerade die Immobilien forderten ihn oft heraus. Gleich zu Amtsbeginn lehnte das Stimmvolk den Verkauf von Gemeindeland auf der Stirnrüti überraschend ab. Es konnte dafür 2018 laut Odermatt «zu vorteilhaften Konditionen» im Baurecht abgeben werden. Apropos Land: 2012 sagte das Volk Ja zum Verkauf des Grundstücks, wo nun das Hochhaus Solitaire steht. Dieses brachte der Gemeinde die stolze Summe von 10 Millionen Franken ein. Odermatt: «Das war aber nicht nur gut, denn es hat die Landpreise in Horw zusätzlich angeheizt.»

Als Erfolge in seiner Amtszeit verbucht er zudem: Bereich Immobilien neu aufgestellt, Werkdienst reorganisiert sowie die ganze Anlage der Villa Krämerstein «zu einem Top-Zins» vermietet und trotzdem für die Öffentlichkeit zugänglich. Oder 2014, als Odermatt im letzten Moment in Eigenregie den Abriss zweier gemeindeeigener Häuser an der Allmendstrasse gestoppt hat. «Zunächst erhielt ich von einzelnen Gemeinderäten Schelte, weil der Abriss beschlossen war, aber am Ende waren alle froh, dass wir die Häuser als Asylunterkunft nutzen konnten.»

Schelte gabs auch wegen des gemeindeeigenen Grämlishofs, dessen Land der Gemeinderat aufstückeln wollte. Nach medienwirksamen Protesten klopfte plötzlich eine Stiftung an. Ihr trat die Gemeinde den Hof im Baurecht ab. Odermatt wertet auch dies als Erfolg:

«Diese Lösung ist noch besser, aber der Effekt der gleiche – wir haben die Gemeinde vor enormen Kosten bewahrt.»

Bei anderen Geschäften muss er die Lösung derweil seinem Nachfolger überlassen: Etwa beim künftigen Standort des Ökihofs. «Ja leider», sagt er.

Odermatt betont, dass er sich stets zuerst der Gemeinde verpflichtet gefühlt habe, «die Partei kam an zweiter Stelle.» Er gehe denn auch mit einem weinenden Auge, weil er sich von den drei gut aufgestellten Bereichen Feuerwehr, Werkdienst und Immobilien mit ihren «tollen Mitarbeitenden» trennen müsse, aber auch mit einem lachenden: «Ich habe mehr Zeit für mich, die Familie, Freunde und meine Immobilienfirma.»

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