Gemeinderat Wolhusen: FDP wechselt Kandidaten aus – es kommt zum Duell mit der SVP

Hanspeter Streit soll für die Liberalen den Sitz im Gemeinderat verteidigen. Und ein Parteiloser wird wahrscheinlich Präsident.

Dominik Weingartner
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Der Landwirt Hanspeter Streit will den FDP-Sitz im Wolhuser Gemeinderat verteidigen.

Der Landwirt Hanspeter Streit will den FDP-Sitz im Wolhuser Gemeinderat verteidigen.

Bild: Boris Bürgisser (Wolhusen, 24. April 2020)

Eine Woche vor Eingabeschluss für den zweiten Wahlgang bei den Gemeinderatswahlen kommt es in Wolhusen zur Überraschung. Die FDP zieht ihren Kandidaten für das Gemeindepräsidium, Fredi Bigler, zurück und schickt stattdessen Parteipräsident Hanspeter Streit ins Rennen. Das teilte die FDP mit, zuvor hatte der «Entlebucher Anzeiger» darüber berichtet.

Streit will allerdings nur für den Gemeinderat kandidieren. «Das Pensum des Gemeindepräsidenten von 40 Prozent wäre für mich aus beruflichen und persönlichen Gründen nicht machbar», sagt er auf Anfrage. Als Grund für den Kandidatenwechsel nennt Streit das Abschneiden von Fredi Bigler im ersten Wahlgang. Bigler erzielte mit 339 das schwächste Resultat aller drei Kandidaten fürs Präsidium. Ueli Lustenberger von der SVP kam auf 471 Stimmen, der parteilose Bruno Duss verpasste das absolute Mehr mit 720 Stimmen nur um 61 Stimmen.

Hat sich die SVP verzockt?

«Das Resultat von Fredi Bigler hat die Ausgangslage verändert», sagt Hanspeter Streit. Der Entscheid, ihn aus dem Rennen zu nehmen, sei im Einvernehmen mit Bigler erfolgt. «Das Resultat war für ihn enttäuschend, deshalb war für ihn eine Kandidatur für den Gemeinderat kein Thema», so Streit. Der 45-jährige neue FDP-Kandidat führt auf dem Steinhuserberg einen Landwirtschaftsbetrieb, präsidiert seit vier Jahren den Luzerner Fleckviehverband und seit acht Jahren die Wolhuser FDP.

Somit kommt es am 28. Juni zum Duell zwischen FDP und SVP um den letzten zu vergebenen Gemeinderatssitz. Im ersten Wahlgang holte die CVP auf Anhieb drei Sitze. Für die SVP steigt Ex-Gemeindepräsidentschaftskandidat Ueli Lustenberger (49) in die Hosen. Er sitzt seit acht Jahren im Gemeinderat. Lustenberger zeigt sich «überrascht» von der Kandidatur der FDP. «Die FDP hat von Anfang an immer am Präsidium festgehalten», sagt er. Die SVP selber hatte gehofft, zwei Sitze zu ergattern, mit Lustenberger als Gemeindepräsidenten und der neu angetretenen Susanne Egli, die sich inzwischen zurückgezogen hat. Jetzt könnte die Partei am Ende mit leeren Händen dastehen. «Meine Motivation für die Kandidatur als Gemeindepräsident war, dass ich mit meiner politischen Erfahrung, der Fachkenntnisse der Gemeindegeschäfte und dem aufgebauten politischen Netzwerk einen Mehrwert für die Gemeinde bringen kann», sagt Lustenberger. Er setzt auf seinen Bonus als Bisheriger: «Ich habe acht Jahre lang als Gemeinderat konstruktiv mitgearbeitet, mich für Wolhusen eingesetzt und gute Politik gemacht.» Er hoffe, die Wähler wüssten dies zu honorieren.

Hanspeter Streit sagt zu seiner Ausgangslage: «Die Wahlchancen sind intakt. Ich bin ein neues Gesicht und durch meine Tätigkeiten in den Vereinen und verschiedenen Kommissionen verfüge ich über ein sehr gutes Netzwerk und kenne die Gemeindegeschäfte sehr gut.»

Freude bei Bruno Duss

Als Gemeindepräsident gewählt scheint so gut wie sicher der parteilose Bruno Duss. Bislang zeichnet sich keine Kandidatur gegen den 61-Jährigen ab. Somit wäre Duss in stiller Wahl gewählt. Dieser zeigt sich auf Anfrage «sehr erfreut» über die neue Ausgangslage. Dass er als parteiloser wohl Gemeindepräsident wird, sieht er als grossen Vorteil: «Ich trage keinen Parteirucksack und kann darum unabhängiger entscheiden», sagt er. Er nennt drei Punkte, die er als Gemeindepräsident angehen will: Eine Lösung für die vielen leeren Ladenlokale im Dorf, die Sanierung der alten Häuser an der Hauptstrasse und die Bewältigung der finanziellen Auswirkungen der Coronakrise.