Gemeinderatssitze im Kanton Luzern sind umstrittener als 2016 – hier kommt es zu Kampfwahlen

Am 29. März kommt es in 30 Luzerner Gemeinden zu Kampfwahlen. Vor allem in drei Wahlkreisen zeichnet sich Hochspannung ab.

Lukas Nussbaumer
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Wenn in siebeneinhalb Wochen der erste Wahlgang der Gemeindewahlen stattfindet, richtet sich das Augenmerk vorab auf 30 Kommunen. Dort kommt es nämlich zu Kampfwahlen – die Zahl der Kandidaten übersteigt also jene der zu vergebenen Sitze. Das ist eine der Erkenntnisse nach dem Eingabeschluss für die Luzerner Gemeindewahlen. Am Dienstag haben auch noch jene acht Gemeinden ihre Kandidaten mitgeteilt, die dies am Montag nicht getan hatten. Dazu wurde in Aesch ein zusätzlicher Kandidat portiert (siehe aktualisierte Liste).

Erst am Dienstag bekannt wurde auch, dass es neben Oberkirch und Triengen auch in Ballwil zu wenig Kandidaten für die fünf Sitze gibt (siehe Kasten am Ende des Beitrags). Wir zeigen die wesentlichsten Unterschiede des Kandidatenfelds im Vergleich mit den Wahlen vor vier Jahren.

In der Agglo sind die Sitze in den Räten besonders begehrt

  • Kampfwahlen: Mehr Kandidaten als Sitze in 30 Gemeinden entsprechen einem Anteil von fast 40 Prozent jener 77 Gemeinden, in denen es am 29. März zu Wahlen kommt. In den anderen fünf Kommunen gibt es aufgrund von Fusionen keine Urnengänge. 2016 kam es in 26 Gemeinden zu Kampfwahlen, was einem Anteil von etwas über 30 Prozent entsprach, denn vor vier Jahren gab es keine Gemeinde-Zusammenschlüsse. In den Wahlkreisen Luzern Land, Hochdorf und Sursee kommt es zu besonders vielen Ausmarchungen – die Zahl der Kampfwahlen übersteigt jene vor vier Jahren (siehe Grafik). 2016 waren die Gemeinderatsmandate im Wahlkreis Willisau stark umstritten.
  • Frauenkandidaturen: Die Wahlen vom 29.März werden nicht nur in mehr Gemeinden als 2016 spannend, es treten auch mehr Frauen an. Lag der Anteil der Frauenkandidaturen vor vier Jahren bei 33 Prozent, liegt er heuer bei 36,7 Prozent. Am höchsten sind die Frauenquoten in den Wahlkreisen Entlebuch (40,9 Prozent) und Sursee (40 Prozent). Dann folgen Willisau (37,6 Prozent), Luzern Land und Stadt (34,8 Prozent) sowie Hochdorf mit 30,8 Prozent. Ob diese Ausgangslage auch zu einem höheren Frauenanteil führt, wird sich weisen müssen. Bemerkenswert ist auf jeden Fall die Situation in Udligenswil. Dort treten sechs Frauen und zwei Männer an, wobei vier Frauen gute Wahlchancen haben. Udligenswil wäre die einzige Gemeinde mit vier Frauen in der fünfköpfigen Exekutive.
  • Seitenwechsel: Wenn drei Kandidaten um das Gemeindepräsidium kämpfen, ist das speziell – so in Wolhusen und Kriens (siehe nächste Seite). Speziell ist auch, wenn frühere Kantonsräte wie Raphael Kottmann in den Gemeinderat wechseln wollen. Der CVP-Politiker kandidiert in Oberkirch für das Gemeindepräsidium, nachdem er sich im letzten Jahr aus der kantonalen Politik verabschiedet hatte. Mit Daniel Gloor (FDP, Sursee) und Corinna Klein (SVP, Wauwil) planen weitere ex-Kantonsratsmitglieder den Sprung in einen Gemeinderat. Auffällig sind auch die Kandidaturen von Jeannette Riedweg-Lötscher (CVP) in Escholzmatt-Marbach und von Oliver Kuhn (parteilos) in Rickenbach. Riedweg-Lötscher ist die persönliche Mitarbeiterin von CVP-Regierungsrat Guido Graf, Kuhn ist als ehemaliger, langjähriger Chefredaktor von Tele1 ebenfalls öffentlich bekannt.

Drei Gemeinden haben zu wenig Kandidaten

Nach Oberkirch und Triengen hat am Dienstag auch Ballwil gemeldet, dass es weniger Kandidaten als Gemeinderatssitze gibt. Doch das kann sich noch vor dem ersten Wahlgang vom 29. März ändern, erklärt Kathrin Graber, Leiterin der kantonalen Abteilung Gemeinden. Das Zauberwort heisst «nichtamtliche Kandidatenliste». Ein bis dato noch nicht bekannter Kandidat kann nach Vorgaben der Gemeinde und auf eigene Kosten eine Liste erstellen, drucken und verbreiten, was als «wilde Kandidatur» bekannt ist. Eine andere Möglichkeit ist laut Graber, dass Parteien und Gruppierungen eine Person finden und diese via Flugblätter oder Medien bekannt machen. Steht der erste Wahlgang an, können die Bürger den Namen des Kandidaten je nach Gemeinde auf einen Blankozettel oder eine leere Linie schreiben. Allerdings gilt beim ersten Wahlgang das absolute Mehr. Es ist also möglich, dass auch eine nachträgliche Kandidatur diese Hürde nicht auf Anhieb schafft. Der Eingabeschluss für den zweiten Wahlgang vom 17. Mai ist am 2. April um 12 Uhr.

Auch für den zweiten Wahlgang können sich Einzelpersonen als «wilde Kandidaten» oder Parteien als empfehlende Gremien hervorheben. Geschieht dies nicht, spielt der Zufall eine grössere Rolle: Dann gilt als gewählt, wer am meisten Stimmen hat (relatives Mehr). So ist es vor vier Jahren Renate Gerber-Schär ergangen. Die damals 41-Jährige wurde in Ufhusen mit 38 Stimmen für die FDP in den Gemeinderat gewählt. Dieses Jahr kandidiert sie für eine weitere Legislatur. Ablehnen kann eine Wahl nur, wer innert zehn Tagen ein Entlassungsgesuch einreicht. Dieses wird nur gültig erklärt, wenn die Person entweder schon 65 ist, das gleiche Amt während einer Legislatur ausgeübt hat oder gesundheitlich oder wirtschaftlich nicht in der Lage ist. (avd)

Hier kommt es zu Kampfwahlen: