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Luzerner Gemeinden kämpfen gegen Fachkräftemangel

Sie kennen die hiesigen rechtlichen Verhältnisse? Sie besitzen gar das Gemeindeschreiberpatent? Dann gehören sie zu einem kleinen, feinen Kreis – auf den es Luzerner Gemeinden besonders abgesehen haben.
Raphael Zemp
Das Büro des Gemeindeschreibers von Egolzwil. Zwei Bewerbungsfristen waren nötig, um einen Nachfolger für Gemeindeschreiber David Schmid zu finden. (Bild: Pius Amrein, 11. Dezember 2018)

Das Büro des Gemeindeschreibers von Egolzwil. Zwei Bewerbungsfristen waren nötig, um einen Nachfolger für Gemeindeschreiber David Schmid zu finden. (Bild: Pius Amrein, 11. Dezember 2018)

Wird eine Verlängerung verlängert, dann ist das aussergewöhnlich. Zumindest auf dem Fussballfeld – aber auch anderswo: Während Wochen hat die Gemeinde Egolzwil verzweifelt einen neuen Gemeindeschreiber gesucht. Sie hat online Stelleninserate geschaltet, im Kantonsblatt inseriert – doch die Suche blieb lange erfolglos. Zwei Bewerbungsfristen sind verstrichen, und so ist sie eingetreten: Die Verlängerung der Verlängerung bevor schliesslich doch eine neue Gemeindeschreiberin gefunden wurde.

Einige Dossiers seien eingegangen, darunter auch sehr vielversprechende, sagt David Schmid, der noch bis Ende Januar Gemeindeschreiber ist. «Wir glaubten schon einen Nachfolger gefunden zu haben – doch dann ist unser Wunschkandidat abgesprungen, just im letzten Moment.» Zu verlockend seien andere Angebote gewesen – auch aus der Privatwirtschaft. Das liege aber nicht an der Gemeinde, die eine sehr attraktive Arbeitgeberin sei. «Es ist vielmehr ein Problem, das alle Gemeinden kennen», schlussfolgert Schmid.

Kleinere Gemeinden sind besonders betroffen

Und tatsächlich steht Egolzwil nicht alleine da. Auch Wikon bekundet Schwierigkeiten, einen neuen Gemeindeschreiber anzustellen. «Es wird immer schwieriger, qualifizierte Fachpersonen für die Verwaltung zu rekrutieren», hält überdies die Gemeinde Kriens in ihrem aktuellen Aufgaben- und Finanzplan fest. Diesen Eindruck bestätigt der Krienser Gemeindeschreiber Guido Solari, der gleichzeitig den Gemeindeschreiberverband des Kantons Luzern präsidiert. «Vor allem kleinere Gemeinden haben grosse Schwierigkeiten geeignetes Personal für Vollzeitkaderstellen in der Verwaltung zu finden.»

Geschuldet ist das laut Solari zum einen den hohen Anforderungen, die besonders an Gemeindeschreiber gestellt werden. «Gesucht sind absolute Generalisten, die in allen möglichen Rechtsgebieten sattelfest sind und die hiesigen Verhältnisse bestens kennen.» Verwaltungsrecht, Gemeinde-, Kantons- und Bundesrecht aber auch Privatrecht; der oberste Sachbearbeiter einer kleineren Gemeinde muss auf verschiedenen Hochzeiten tanzen können. Kandidaten, die alle Voraussetzungen erfüllen, gibt es wenige. Zudem müssten sie ein Salär in Kauf nehmen, das häufig nicht so hoch ausfällt wie in der Privatwirtschaft.

«Viele unterschätzen Kaderjobs in der Gemeindeverwaltung.»

David Schmid,



Gemeindeschreiber von Egolzwil

Dieser Lohnunterschied ist mitunter ein Grund für die gegenwärtigen Personalnöte in gewissen Gemeindestuben. Ein anderer ist das verstaubte Image der Gemeindearbeit. Obschon der offizielle Beamtenstatus im Kanton Luzern schon vor Jahren abgeschafft wurde, ist der Beamtenmief noch immer in den Vorstellungen vieler verhaftet: monotone, trockene Arbeit, gepaart mit starren Bedingungen und wenigen Aufstiegschancen. Das zieht weder bei Jugendlichen noch bei Leuten in der Privatwirtschaft, die mit einem Jobwechsel liebäugeln.

Dieses Bild allerdings habe nichts mit der Realität zu tun, sagt Solari. «Die Arbeit auf der Gemeinde ist sehr anspruchsvoll und vielseitig.» Und auch Gemeindeschreiber Schmid meint: «Viele unterschätzen Kaderjobs in der Gemeindeverwaltung.» Schmids Aussage hat besonderes Gewicht: Als studierter Jurist ist er quer in seinen derzeitigen Beruf eingestiegen, hat das Gemeindeschreiberpatent berufsbegleitend nachgeholt. Damit zählt er (noch) zu einer kleinen Minderheit, die nicht den üblichen Ausbildungsweg durchlaufen hat und für Gemeinden zunehmend interessant werden dürfte.

Hoher Frauenanteil wirkt sich erschwerend aus

Vor allem spüren die Gemeindekanzleien, wofür sich sämtliche Branchen wappnen müssen: den Wandel in der Gesellschaft. «Der Beruf auf Lebzeiten stirbt aus», sagt etwa Franz Galliker, stellvertretender Geschäftsführer der Gemeinde Eich und Zuständiger für die Stellenvermittlung des Gemeindeschreiberverbands. Regelmässige Jobwechsel; sie gehören heute zu einem interessanten Lebenslauf wie Geschäftsessen und Glühwein zur Weihnachtszeit.

Und wer sich zum Gemeindeschreiber oder Gemeindeschreiberin ausbildet, landet längst nicht immer in der Kommunalverwaltung, oder zumindest nicht in der vorgesehenen Position. Das trifft besonders auf Frauen zu, auf deren Konto die meisten neuausgestellten Gemeindeschreiberpatente im Kanton Luzern gehen. Von den zuletzt 16 ausgestellten Patenten sind nicht weniger als 13 an Frauen gegangen. «Für sie steht die Vereinbarkeit von Job und Familie oft an erster Stelle», weiss Galliker. Auch deshalb gibt es den Fachkräftemangel bei Kaderstellen in Teilzeit kaum, in Vollzeit aber umso mehr. Weil Jobsharing in Kaderpositionen bei vielen Gemeinden (noch) nicht vorgesehen ist.

«Die Jungen brauchen Perspektiven, sonst wandern sie in die Privatwirtschaft ab.»

Marco Studer,



Gemeindeschreiber von Hasle

Die Zeichen der Zeit erkannt hat man im Kanton Bern, wo seit über zwei Jahren eine spezielle Kampagne gegen den Mangel an qualifiziertem Fachpersonal gefahren wird. Aber auch in Luzern ist man nicht untätig geblieben. So hat der Gemeindeschreiberverband im letzten Herbst die Imagekampagne «wirken für alle» lanciert, um auch zu zeigen, was Luzerner Gemeinden alles an Dienstleistungen vollbringen. «Obschon die Gemeindekanzleien im Kanton dank Digitalisierung immer weniger häufig aufgesucht werden, erbringen sie eine sehr breite Palette an Dienstleistungen», sagt Guido Solari.

Der Trumpf der Gemeindeverwaltung

Zudem wird derzeit die Ausbildung umgekrempelt und laut Solari «den Bedürfnissen der Zeit angepasst». Während man in Bern Zulassungshürden gesenkt hat, will man in Luzern die Qualität der Ausbildung anheben. Statt eines bestehenden Fachmoduls sollen neu zwei zertifizierte und international anerkannte Diplomkurse geschaffen werden. Marco Studer, Gemeindeschreiber von Hasle und zuständig für die Fachbildung beim Luzerner Gemeindeschreiberverband, erklärt: «Die Jungen brauchen Perspektiven, sonst wandern sie in die Privatwirtschaft ab.» So will man Lehrlinge in den Gemeindestuben halten, aber auch jene anlocken, die mit einem Studium liebäugeln oder bereits ein Bachelor-Diplom in der Tasche haben.

Wenig schmeichelhaftes Image hin, begrenzte Karriereleiter her: Einen grossen Vorteil hat die Arbeit auf der Gemeinde gegenüber der Privatwirtschaft. «Wir verrichten eine Arbeit, die unverzichtbar ist», sagt Solari. Wegrationalisieren lässt sich diese nicht. Inwiefern dieses Argument bei Chantal Müller verfangen hat? Klar ist seit der Gemeindeversammlung vom Dienstagabend: Die ehemalige Solothurner Kantonsrätin und Gemeindeschreiberin von Trimbach leitet neu die Egolzwiler Gemeindeverwaltung. Zu einer Verlängerung der verlängerten Verlängerung kommt es also nicht.

So wird man Gemeindeschreiber

Wer in Luzern ein Gemeindeschreiberpatent beantragen will, muss drei berufsbegleitende Ausbildungsstufen durchlaufen haben: Den Studiengang für den eidgenössischen Fachausweis öffentliche Verwaltung (Dauer: ein Jahr), gefolgt von einem einjährigen Fachmodul Recht und dem Lehrgang Verwaltungsmanagement, der anderthalb Jahre dauert. Alle Module werden von der Hochschule Luzern angeboten und kosten zusammen über 30'000 Franken.

Allerdings ist das Patent nicht zwingende Voraussetzung, um als Gemeindeschreiber zu arbeiten. Es reicht auch eine «ähnliche Ausbildung», wie das Gemeindegesetz des Kantons festhält. Was das genau heisst, liegt im Ermessen des betroffenen Gemeinderates, der über eine Einstellung befindet. (zar)

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