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Interview

Gemeindeverband macht klare Ansage: «Das Seetal braucht die Südumfahrung»

Der Gemeindeverband Idee Seetal steht vor Herausforderungen. Geschäftsführer Cornelius Müller (65) spricht über den Sparprozess – und verrät seine Visionen in Sachen Mobilität.
Ernesto Piazza
Cornelius Müller, Geschäftsführer des Gemeindeverbandes Idee Seetal. (Bild: Philipp Schmidli, Hochdorf, 19. Oktober 2018)

Cornelius Müller, Geschäftsführer des Gemeindeverbandes Idee Seetal. (Bild: Philipp Schmidli, Hochdorf, 19. Oktober 2018)

Seit zwei Jahren ist der ehemalige Hitzkircher Gemeinderat Cornelius Müller (65) bei der Idee Seetal Geschäftsführer. Er trat ein schweres Erbe an: Die AG wurde im Jahre 2015 liquidiert und als Gemeindeverband mit zehn Kommunen neu gegründet.

Cornelius Müller, die Idee Seetal hat turbulente Zeiten hinter sich. So hat der Kanton die Gelder mittlerweile von ursprünglich 250'000 Franken bis auf 100'000 Franken gekürzt. Wie geht man mit dem massiven Einschnitt um?

Wir sind mit der neuen Situation gefordert. Der Gemeindeverband muss sparen und sich neu ausrichten. Und er hat intern begonnen.

Was heisst das?

Die Entschädigungen in der Organisation wurden gekürzt. Zudem sind wir in ein neues Büro umgezogen. Mit weniger Quadratmetern sparen wir dort Geld. Insgesamt sind das jährlich rund 56'000 Franken.

Zur Neuausrichtung gehört der Bericht «Quo vadis Seetal». Er konzentriert sich auf die vier Kernthemen Raumplanung, Mobilität, Wirtschaft und Tourismus. Wo steht die Idee Seetal hier?

Das Konzept unter dem Namen «RaMoWiTo» ist erstellt. Im Juni erhielten wir von den Delegierten für die Weiterentwicklung unter dem Namen «Meine Idee – mein Seetal» grünes Licht. Jetzt fliessen die finanziellen Auswirkungen ins Budget 2019 ein.

Das Budget beträgt 385'000 Franken. Hauptgeldgeber sind die zehn Verbandsgemeinden und der Kanton. Zu reden gab die Anhebung des Pro-Kopf-Beitrages im Juni von sieben auf neun Franken.

Ballwil votierte an der Delegiertenversammlung dagegen und lehnte die Beitragserhöhung ab. Eschenbach enthielt sich der Stimme, hat aber signalisiert, bei uns konstruktiv mitzuarbeiten. Vor der Delegiertenversammlung im Dezember werden wir mit beiden Gemeinden Gespräche führen. Das Ziel muss sein, wieder auf deren Unterstützung zählen zu können. Ballwil wie auch Eschenbach sind sehr wertvolle und wichtige Verbandsmitglieder.

Was passiert, wenn die Delegierten im Dezember dem Voranschlag nicht zustimmen?

Wir gehen davon aus, dass uns die Delegierten nach dem «go» im Juni nicht zurückzupfeifen.

An der Gwärb Ballwil vom letzten Jahr wollte die Idee die Wünsche der Besucher an das Seetal wissen. Auf Rang eins war ein Hallenbad. Hitzkirch und Hohenrain haben bereits eines, Hochdorf hat hier abgewinkt. Kann die Idee Seetal da ansetzen?

Die Frage kann nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden. Dazu braucht es genauere Abklärungen. Zusammen mit den Gemeinden, Privaten und Tourismusorganisationen könnte dafür eine Projektträgerschaft entstehen.

Wie sehen Sie das persönlich?

Ich könnte mir vorstellen, dass wir das Projekt umtaufen und beispielsweise einen Sport- und Freizeithub Seetal prüfen würden. Dessen Kern wäre ein Hallenbad.

Wie will die Idee Seetal das stemmen?

Per 1. Januar stellen wir Roger Brunner von der CycloConsulting GmbH, Oberkirch, als Projektleiter zu 40 Prozent an. Er wird sich vor allem der neuen Regionalpolitik widmen. Die grosse Herausforderung ist, diese mit den massiven Kürzungen des Kantons so umzusetzen, dass die Wertschöpfung in unserer Region massgeblich gesteigert werden kann.

Die Idee Seetal sagt: Das Seetal wird gegenüber andern Regionen benachteiligt und verliert so an Bedeutung. Warum?

Das Seetal liegt nicht an der Y-Achse und ist somit nicht an einer kantonalen Hauptentwicklungsachse. Wir verfügen nur über einen kantonalen Entwicklungsschwerpunkt im Industriegebiet Hochdorf/Römerswil. Diesen gilt es nicht nur möglichst schnell, sondern vor allem für Unternehmen, Grundeigentümer und die Menschen im Seetal optimal und gewinnbringend zu entwickeln.

Wie sieht es in diesem Zusammenhang in Hitzkirch aus?

Dort ist es keineswegs so, dass sich die Gemeinde nicht gut entwickelt oder in Zukunft nicht mehr gut entwickeln kann. Gemeinsam mit Ermensee wird der regionale Entwicklungsschwerpunkt Arbeit rund um den Bahnhof Richensee weiter an Bedeutung gewinnen. Aus regionaler Sicht sind wir gehalten, die Möglichkeiten vor allem dort voranzutreiben, wo sie der Kanton auch sieht und unterstützt.

Als Geschäftsführer der Idee Seetal müssen Sie eine Lanze für diese Region brechen.

Sagen wir es so: Das Seetal hat sehr grosse Werte und viel Potenzial. Jetzt gilt es die Stärken dieser Region insbesondere von innen, das heisst aus den Ortskernen und Arbeitszonen, zu stärken.

Heisst das: Arbeitsplatzgebiete wie die Ziegelei Hochdorf, die in unmittelbarer Nähe von Wohnraum liegt, fliessen in die kantonale Planung ein?

Ich weiss nicht, was deren Eigentümer planen. Aber gemäss der kantonalen Richtplanung reicht der Perimeter in dem Gebiet von der SBB-Bahnlinie bis zu den grossen Industriebetrieben, die auf dem Gemeindeareal von Römerswil liegen. Dieses Gebiet gilt es mit den Direktbetroffenen und den Gemeinden zu entwickeln.

Die Mobilität ist ein weiterer Schwerpunkt der Idee Seetal. Sie setzt sich auch für eine Südumfahrung Hochdorf ein. Doch die Regierung hat beim kantonalen Bauprogramm 2019-2022 diesem Vorhaben einen Dämpfer versetzt (Artikel vom 12. September).

Mit Blick auf die Mobilität braucht das Seetal und speziell Hochdorf die Südumfahrung. Die Idee Seetal wird zusammen mit dem Gemeinderat Hochdorf jetzt versuchen, beim Kantonsrat noch eine höhere Einstufung zu erreichen.

Den Kantonsrat zu überzeugen dürfte schwierig werden.

Erlauben Sie mir folgenden Hinweis: Es ist nur schwer vorstellbar, dass wir den kantonalen Entwicklungsschwerpunkt Römerswil/Hochdorf im Sinne des kantonalen Richtplans vorantreiben und die Herausforderungen der Mobilität nicht lösen. Das eine geht nicht ohne das andere.

Wo sehen Sie bei der Mobilität die Ansätze, um das Problem in den Griff zu bekommen?

Hochdorf zählt bald 10'000 Einwohner. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, den Bahnhof zu einer Mobilitätszentrale mit Auto- und Fahrradverleih auszubauen. So würde er zu einem optimalen Umsteigepunkt für andere Verkehrsmittel. Auch ein Reisebüro sollte Platz finden.

Es geht der Idee Seetal also nicht nur um den motorisierten Individualverkehr.

Überhaupt nicht. Wir gehen die Herausforderung Mobilität umfassend an. Die Mobilität und der Verkehr sind neben der Raumplanung wichtige Pfeiler der regionalen Strategie. Beide tragen zur Qualität des Lebensraums der Region bei. Ein Gesamtverkehrskonzept bildet dabei ein wichtiges Element einer nachhaltigen regionalen Lebensraum-Politik.

Touristisch wird das Seetal von Lenzburg gesteuert. Kann das überhaupt funktionieren?

Ja, wobei der Aargauer Teil mehr von dieser Organisationsform profitiert. Für einen Alleingang ist das Luzerner Seetal zu wenig stark. Die Idee Seetal sieht sich hier nicht mit im Lead. Wir sind kein Tourismusbüro, haben lediglich eine Scharnierfunktion inne.

Aber diese Region hat mit See, Schloss, Burgen, Wander- und Bikerouten durchaus Reize.

Keine Frage: Das Seetal ist lebens- und erlebenswert. Das Projekt «Drachental», das von Seetal Tourismus lanciert und mit den beiden regionalen Entwicklungsträgern aufgegleist ist, kommt gut an. Ein Baumwipfelpfad, gehobenes Schlafen im Stroh oder ein Ferienheim für Menschen mit einer Beeinträchtigung wären weitere Ideen. Generell bin ich jedoch der Meinung: Das Seetal – vor allem der Luzerner Teil – hat zur Zeit touristisch zu wenig zu bieten – vor allem am Abend.

Was meinen Sie damit?

Es fehlt beispielsweise auch ein grösseres Hotel mit mindestens 50 Betten. Deshalb ist es wichtig, dass wir gemeinsam an einer verträglichen touristischen Entwicklung des Seetals arbeiten.

Zur Person

Cornelius Müller (65) ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Er wohnt in Hitzkirch und sass für die CVP 29 Jahre im Gemeinderat. Zudem war er 12 Jahren Kantonsrat. Seit 1. Oktober 2016 ist er Geschäftsleiter der Idee Seetal.

Zum Gemeindeverband

Die Idee Seetal umfasst die zehn Verbandsgemeinden Aesch, Altwis, Ballwil, Ermensee, Eschenbach, Hitzkirch, Hochdorf, Hohenrain, Römerswil und Schongau. Auf einem Gebiet von rund 130 Quadratkilometern wohnen knapp 30'000 Personen. In den zehn Verbandsgemeinden sind etwa 1350 Unternehmungen mit rund 12'900 Beschäftigten angesiedelt. Die Verbandsleitung wird von SVP-Kantonsrat Fredy Winiger (Kleinwangen) präsidiert.

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