Haarscharf verpasst: Diesen Luzerner Gemeinderäten missglückte die Wiederwahl

In mehr als zehn Luzerner Gemeinden misslang Bisherigen der erneute Einzug in die Exekutive. Längst nicht immer waren Kampfwahlen schuld.

Evelyne Fischer
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Amtierend, aber nicht im ersten Anlauf wiedergewählt: Mit diesem Verdikt mussten sich am vergangenen Wahlsonntag, 29. März, einige Exekutivmitglieder abfinden. In Kriens, Emmen oder Ebikon ebenso wie auf der Luzerner Landschaft.

Walter Eberhard, seit 2012 im Gemeinderat von Pfaffnau.

Walter Eberhard, seit 2012 im Gemeinderat von Pfaffnau.

Haarscharf wegen zwei Stimmen die Wahl verpasst hat unter anderem Walter Eberhard, seit 2012 im Gemeinderat von Pfaffnau. Eberhard, 66, Kandidat der Interessengemeinschaft (IG) Unabhängige Pfaffnau–St. Urban, nimmt es gelassen. Der Betriebsökonom sagt: «Bei uns auf dem Land legen die Bürger die klassischen Parteilisten ins Wahlcouvert, da habe ich als Parteiloser das Nachsehen.» Dafür spricht auch die Stimmenzahl: 295 waren es heuer, 285 vor vier Jahren, 276 beim erstmaligen Einzug in den Rat.

Dem zweiten Wahlgang blickt Eberhard optimistisch entgegen, bislang ist kein Kontrahent in Sicht. Zudem ist er wahlkampferprobt: Bevor er ins Fünfergremium einzog, kandidierte er dreimal erfolglos: 2004 als Gemeindepräsident sowie 2006 und 2008 als Gemeinderat.

7 Stimmen fehlten in Ufhusen, 20 in Luthern

Josef Müller, seit 2014 Sozialvorsteher in Ufhusen.

Josef Müller, seit 2014 Sozialvorsteher in Ufhusen.

Sehr knapp missglückte auch Josef Müller in Ufhusen die Wiederwahl ins Fünfergremium, in dem alle Bisherigen erneut antraten. 7 Stimmen mehr und er hätte die Hürde von 123 Stimmen erreicht. Ein Déjà-vu. Schon 2016 verpasste der Kandidat der IG Zukunft Ufhusen im ersten Anlauf den Einzug ins Fünfergremium – eine Stimme fehlte. Auch Müller, 64, seit 2014 Sozialvorsteher, dürfte die fehlende Partei im Rücken zum Verhängnis geworden sein: Denn auf der Listenverbindung von CVP und FDP fehlte sein Name. Ob er nochmals antritt, ist offen: Müller war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

20 Stimmen fehlten derweil CVP-Politiker Lukas Lustenberger aus Luthern zur Wiederwahl – das absolute Mehr lag bei 307 Stimmen. Besonders bitter: Lustenberger, 45, Landwirt, seit 2012 im Rat, wurde gleich von zwei neuen Kandidaten überholt. Martin Bucher, FDP, 34, beerbte mit 461 Stimmen den Sitz des abtretenden FDP-Gemeinderats Heini Walthert. Und auch Stefan Alt, SVP, 46, machte fünf Stimmen mehr als Lustenberger. Dieser sagt: «Den Entscheid des Souveräns gilt es zu akzeptieren.»

Lukas Lustenberger, seit 2012 im Gemeinderat von Luthern.

Lukas Lustenberger, seit 2012 im Gemeinderat von Luthern.

«Ich bin auf dieses Mandat nicht angewiesen und sehe nicht, warum ich nochmals ins Rennen steigen sollte.» Gemessen an der Parteistärke bei den letztjährigen Kantonsratswahlen sei die SVP nach der CVP die zweitstärkste Kraft. «Ihr Sitzanspruch ist legitim.» 2016 scheiterte die Volkspartei nur knapp.

So unverhofft in der Gemeinde am Fusse des Napfs am Montag trotz Sommerzeit der Winter zurückkehrte, so überraschend fiel für SVP-Kandidat Stefan Alt aus Hofstatt am Sonntag das Wahlergebnis aus. «Ich bin immer von einem zweiten Wahlgang ausgegangen. Aber nicht, dass ich dann einen Bisherigen angreifen müsste.» Wahlen sind offensichtlich «unberechenbar», so der Landwirt und Gartenbauer.

«Dass so viele Luthertaler ihre Stimme dem FDP-Kandidaten gaben, zeigt auch: Die SVP ist für manche schlicht aus Prinzip nicht wählbar.» Dass er allerdings mehr Stimmen als ein Bisheriger erhalten habe, zeige andererseits auch: «Luthertaler halten die Konkordanz hoch und wünschen einen SVPler im Gemeinderat.»

Gemeinderat Reiden bleibt ein Sorgenkind

Bruno Aecherli verpasste die Wiederwahl in Reiden.

Bruno Aecherli verpasste die Wiederwahl in Reiden.

Fast so knapp wie Lustenberger in Luthern hat in Reiden Bruno Aecherli (IG Reiden) die Wiederwahl verpasst. 26 Stimmen fehlten bis zum absoluten Mehr von 704 Stimmen. Aecherli, 50, Immobilienfachmann aus Reiden, gab bereits am Sonntagabend per Communiqué bekannt, keinen zweiten Anlauf zu nehmen. Er eruiere den Grund der «Nichtwahl in der bisher geleisteten Arbeit und der erbrachten Leistung, welche die Reider Bevölkerung mit der heutigen Wahl als ungenügend bewertet hat».

Zieht sich die IG allenfalls ganz vom zweiten Wahlgang zurück? Sehr unwahrscheinlich ist es derzeit jedenfalls, dass Evi Gasser, die als IG-Kandidatin fürs Präsidium scheiterte, nochmals antritt und das nun frei werdende Mandat im Gemeinderat anpeilt. «Stand jetzt kann ich mir das nicht vorstellen.» Sie sei in einer Aussenseiterrolle gestartet, entsprechend mager seien ihre 419 Stimmen, sagt Gasser, 52, Familienfrau und Bäuerin aus Langnau. «Die Treue zu den klassischen Parteien dürfte eine Rolle gespielt haben. Die Bevölkerung wollte aber auch eine Übermacht der IG verhindern.»

Evi Gasser kandidierte ohne Erfolg fürs Gemeindepräsidium von Reiden.

Evi Gasser kandidierte ohne Erfolg fürs Gemeindepräsidium von Reiden. 

Denn nebst Gasser und Aecherli kandidierte für die IG auch die nun wiedergewählte Esther Steinmann.

Man habe ein «Hochrisikospiel» gewählt, sagt denn auch Markus Schwander, Sprecher der IG. Für den zweiten Wahlgang wolle man sich nun die nötige Zeit nehmen. «Das Versammlungsverbot erschwert derzeit den Austausch massiv.» Klar ist: Der sofortige Rückzug von Bruno Aecherli hat Schwander «enttäuscht und überrascht». Aecherli sei für das Ressort Finanzen qualifiziert, «hätte bei einem zweiten Anlauf beste Wahlchancen gehabt». Die Gemeinde Reiden sei «ein Sanierungsfall», sagt Schwander. «Es dürfte ganz schwierig werden, für den Gemeinderat den nötigen Finanzfachmann zu finden.»

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