Gemeinnütziger Wohnungsbau ja, Dachterrasse nein: Luzerner Stadtrat will die Rösslimatt zum belebten Quartier machen

Der Luzerner Stadtrat hat sich dazu verpflichtet, im Rösslimatt-Quartier den gemeinnützigen Wohnungsbau zu fördern. Eine öffentliche Dachterrasse auf dem Gebäude «Perron» der SBB sei hingegen nicht realistisch.

Simon Mathis
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So soll das neue Gebäude «Perron» in der Rösslimatt aussehen.

So soll das neue Gebäude «Perron» in der Rösslimatt aussehen.

Bild: PD

Der Luzerner Stadtrat will sich dafür einsetzen, dass sich das Rösslimatt-Areal östlich des Bahnhofs zu einem belebten Quartier entwickelt. Die Exekutive nimmt ein entsprechendes Postulat der SP und Grünen teilweise entgegen. Die Linken forderten, dass die Rösslimatt «bevölkerungsnah und mit Weitsicht entwickelt» werden soll. Hintergrund ist ein geplantes Grossprojekt der SBB, das unter anderem einen 200 Meter langen Riegelbau namens «Perron» vorsieht.

In seiner Antwort betont der Stadtrat, dass der ebenso wie die Postulanten ein belebtes Quartier statt eines toten «Business District» wolle. Er sehe an diesem zentralen Ort die Chance für eine «Stadt der kurzen Wege». Die Exekutive folgt allerdings nicht allen Vorschlägen, die sich im Postulat finden.

Eine Übersicht:

  • Die Postulanten fordern, dass das Gebäude Perron bei der Güterstrasse durchlässiger werden soll, sprich mehr Querungsmöglichkeiten bieten solle als zur Zeit geplant. Der Stadtrat stützt dieses Anliegen, betont allerdings, dass bereits jetzt zwei wichtige Querungen geplant seien. Einerseits sei das die sogenannte «Gleisloggia» in der Gebäudemitte. Sollte das Gleisfeld beim Güterbahnhof aufgehoben werden, könne die Loggia als Durchgang dienen. Andererseits sei geplant, den heutigen Frohburgsteg aufzuwerten. Laut Stadtrat habe die SBB die Möglichkeit signalisiert, wenn nötig weitere Durchgänge durch das Gebäude zu schaffen.
  • Die Postulanten wünschen bevölkerungsnahe Erdgeschossnutzungen. Laut Stadtrat wird dies bereits durch den Gestaltungsplan versichert.
  • Weiterhin wollen die Postulanten eine begehbare Dachterrasse auf dem Gebäude «Perron» beliebt machen. Dies lehnt der Stadtrat ab. Um eine Terrasse zu bauen, müsse man den Gestaltungsplan anpassen. Rund 50 Prozent des geplanten Dachs bestehe aus Grünflächen, 20 Prozent dienten der Energiegewinnung und 17 Prozent seien Vordachflächen. Der Rest werde für technische Aufbauten genutzt. Mit dieser Aufteilung könne die 2000-Watt-Zertifizierung erreicht werden, so der Stadtrat. Zudem müsse man berücksichtigen, dass das «Perron» kein öffentliches Gebäude sei. Die Hochschule Luzern (HSLU) wird sich voraussichtlich 2025 mit den Departementen Wirtschaft und Soziale Arbeit in den Bau einmieten.
  • Die Postulanten verlangen, dass versiegelte Flächen wie Beton oder Asphalt nur wo nötig bewilligt werden. Laut Stadtrat werden für die notwendige Erschliessung Flächen versiegelt. Allerdings entstehe im Rösslimatthain eine Parklandschaft. Zudem sollen in den Innenhöfen grosse Grünflächen entstehen.
  • Die Postulanten wollen, dass in der zweiten Bauphase nach der Umsetzung des Durchgangsbahnhofes ein Anteil von über 50 Prozent gemeinnützigen Wohnungen verpflichtend sei. Dazu schreibt der Stadtrat, er werde von den SBB einen Drittel gemeinnütziger Wohnfläche einfordern. Die SBB sei bereit, Fläche für preisgünstiges Wohnen und Arbeiten anzubieten.
  • Schliesslich regen die Postulanten an, ungenützte Flächen im Freien engagierten Gruppen für Zwischennutzungen zur Verfügung zu stellen. Laut Stadtrat ist das vorgesehen. Namentlich prüfe die SBB eine Zwischennutzung des Gebäudes Güterstrasse 7 mitsamt Umgebung.

Ablehnung für FDP-Postulat

Der Stadtrat lehnt zudem ein Postulat der FDP ab; diese hatte erbeten, die Erschliessung des neuen Gebietes entlang der Gleise oder der Gewerbezone abzuwickeln – nicht aber über die Bürgenstrasse. Die FDP will so die Tribschenstadt von Verkehr entlasten.

Laut Stadtrat hätte dieser Vorschlag den Abbruch des Konzerthauses Schüür zur Folge. Die Idee basiere zudem auf dem Projekt der Spange Süd, deren Kosten-Nutzen-Verhältnis der Stadtrat in Frage stelle. Das Gebiet soll möglichst «autoarm» geplant werden.

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