Gemeinsam gegen die Verkehrslawine

Die Resultate der bisherigen Bemühungen zur Verlagerung der alpenquerenden Güterverkehrs auf die Schiene sind ernüchternd. Umso wichtiger sind für die betroffenen Regionen eine gemeinsame Strategie und gemeinsame Massnahmen. Daran arbeiten sie derzeit an einer Tagung in Luzern.

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Lastwagen auf der Gotthard-Rampe. (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)

Lastwagen auf der Gotthard-Rampe. (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)

In den wichtigsten Fragen sei man sich einig, hiess es an der Medienkonferenzzum Treffen von iMonitraf! (Monitoring of road traffic related effects in the Alpine Space). Beteiligt an diesem Projekt sind zehn Alpenregionen aus Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz (Zentralschweiz und Tessin).

Einzelne Länder wie die Schweiz oder Österreich haben bereits diverse Massnahmen getroffen. Um zu vermeiden, dass der Transitverkehr auf andere Routen ausweicht, ist aber ein gemeinsames Vorgehen unerlässlich. Darin sind sich alle Regionen einig. Deshalb arbeiten sie nun an einer gemeinsamen Strategie, die im kommenden Frühling an einer weiteren Tagung in Lyon beschlossen werden soll.

Der Urner Regierungsrat Markus Züst, Vertreter der Zentralschweizerischen Regierungskonferenz (ZRK), nennt mögliche Massnahmen: ein Nachtfahrverbot, ein Fahrverbot für Lastwagen mit schlechten Emissionswerten, sektorale Fahrverbote (abgestimmt auf die Regionen) und ein Lenkungsinstrumtent wie die Alpen-Transitbörse.

Wichtige Solidarität der Regionen

Der Alpenbogen sei eine sensible Region, der Schutz der Bevölkerung und der Umwelt sei vorrangig, sagte Bernhard Tilg, Vertreter der österreichischen Region Tirol. Wie die Schweiz, setze auch das Tirol auf den Ausbau der Schiene und man habe einige wenige Fortschritte erzielt. Wichtig sei aber ein gemeinsames Konzept für die Alpenspange. Gerade für die verhältnismässig kleine Region der Schweiz, so der Tessiner Regierungsrat Mario Borradori, sei die Solidarität unter den Regionen extrem wichtig.

Dem stimmt auch Eduard Simonian von der französischen Région Rhône-Alpes zu. Alle Regionen seien mit den gleichen Problemen konfrontiert. Simonian hofft, dass die gemeinsame Strategie von iMonitraf! im kommenden Mai zu einem guten Abschluss kommt. Und dass die vorgeschlagenen Massnahmen dann auch von den einzelnen Ländern und von der EU umgesetzt werden.

Dass in Brüssel auch Hürden zu überwinden sind, weiss der Tiroler Tilg. Einerseits, so erklärte er an der Medienkonferenz, halte die EU ihre Mitgliederstaaten an, die Schadstoff-Grenzwerte einzuhalten. Andererseits aber wolle man dort das im Tirol beschlossene sektorale Fahrverbot für Lastwagen verhindern. Immerhin hätten die Massnahmen im Tirol eine Verlagerung der Güterverkehrs auf die Schiene bewirkt(von 22 auf 35 Prozent zwischen 2007 und 2010).

Die harte Bewährungstest für iMonitraf! fällt denn auch möglicherweise erst nach Lyon 2012 und der Verabschiedung der Strategie an. Dann nämlich, so Markus Züst, müsse man aufzeigen, wie das Projekt weitergeführt werden soll, und wie man auf die einzelnen Länder losgehe.

Das Projekt iMonitraf! hat ein Budget von 1,7 Mio. Euro (ca. 2,1 Mio. Franken). Es wird von der EU und vom Bund mitfinanziert; der Schweizer Anteil beträgt rund 630'000 Franken.

sda