GEMÜSEBAU: Ruswiler setzt voll auf Kohl

Federkohl und Flower Sprout: Damit will Hans Blaser bei seinen Kunden punkten. Der Weg zum Erfolg kann allerdings steinig sein, weiss der Gemüsegärtner.

Lukas Nussbaumer
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Gemüsegärtner Hans Blaser inmitten von Flower-Sprout-Pflanzen auf seinem Betrieb in Ruswil. (Bild Eveline Beerkircher)

Gemüsegärtner Hans Blaser inmitten von Flower-Sprout-Pflanzen auf seinem Betrieb in Ruswil. (Bild Eveline Beerkircher)

Lukas Nussbaumer

Federkohl und Flower Sprout sind Kohlarten, welche die meisten Konsumenten noch nie gekauft oder gegessen haben. Es sind zwei Gemüsekulturen, in die der Ruswiler Gemüsegärtner Hans Blaser viel Energie steckt. Er baut sie als Einziger im Kanton Luzern in grösseren Flächen an. Federkohl schon seit 16 Jahren, Flower Sprout, eine Kreuzung aus Feder- und Rosenkohl, zum ersten Mal. Die wichtigsten Kulturen auf dem Betrieb der Gebrüder Blaser im Neuboden sind Salate, Gurken, Blumenkohl, Lauch und Sellerie.

Pionier im Gemüsebau zu sein, kann allerdings ganz schön zäh sein und viel Ausdauer verlangen, weiss der 57-jährige Chef von rund 35 Angestellten und Bewirtschafter von 16 Hektaren Gemüsefläche. «Die Verkäufe von Federkohl waren in den ersten zehn Jahren sehr bescheiden. Jetzt läuft es besser. Und die Migros, mein Abnehmer, hat mich gerade beauftragt, mehr davon anzubauen», erzählt Blaser, dessen Grossvater 1920 mit dem Gemüseanbau in Ruswil begonnen hat.

Boom in den USA

Dass Federkohl auch in der Schweiz beliebter wird, lässt sich auf einen Boom in den USA zurückführen. So verkündeten Hollywoodstars wie Jennifer Aniston oder Anne Hathaway im letzten Jahr, sich mit Federkohl für verschiedene Rollen in Form gebracht zu haben.

Hans Blaser baut Federkohl auf einer Fläche von etwa 80 Aren an, Flower Sprout auf 20 Aren. Beide Kohlarten sind sehr robust und überstehen auch deutliche Minustemperaturen. Die beiden Kohlarten lassen sich allerdings im Gegensatz zu anderen Gemüsearten nicht über längere Zeit lagern.

Saison vorbei – Importe aus Spanien

Während die Saison für Federkohl – in Norddeutschland unter dem Namen Grünkohl bekannt und sehr populär – in der Schweiz bereits vorbei ist und das Gemüse deshalb aktuell vorab aus Spanien importiert wird, wäre Flower Sprout aktuell. Wäre deshalb, weil es mit dem Absatz noch harzt, wie Blaser sagt. Das könnte sich allerdings ändern, glaubt man in der Gemüsebranche – und bei Ernährungswissenschaftlern. Schliesslich ist die in England im Jahr 2010 realisierte Kreuzung sehr gesund, enthält beispielsweise doppelt so viel Vitamin C und B 6 wie Rosenkohl. Federkohl und Flower Sprout sind in der Schweiz nur in grossen Filialen von Migros und Coop sowie auf Wochenmärkten erhältlich. 200 Gramm Flower-Sprout-Gemüse kostet rund 3 Franken, Federkohl pro Kilo etwa 5 Franken.

Gemüsebau leicht im Aufwind

Landesweit sind Federkohl und vor allem Flower Sprout noch völlig unbedeutend. Die Anbaufläche von Federkohl beträgt nur knapp 10 Hektaren; produziert wurden 2014 rund 94 Tonnen dieses Trendgemüses. Zum Vergleich: Die gesamte Gemüseanbaufläche beläuft sich auf rund 15 000 Hektaren; die produzierte Gemüsemenge auf über 300 000 Tonnen. Während landesweit etwa 2200 Bauern auf den Gemüsebau setzen, sind es im Kanton Luzern nur rund 30. Sie bewirtschaften etwa 200 Hektaren, Tendenz wie in der ganzen Schweiz leicht zunehmend. Der wichtigste Gemüsekanton ist Bern, gefolgt vom Aargau.

Trockenheit willkommen

Das Jahr 2015 wird im Kanton Luzern als gutes Gemüsejahr in Erinnerung bleiben. Auf einen nassen Frühling folgte ein trockener Sommer – ideal für Betriebe wie den der Gebrüder Blaser, weil sie ihre Kulturen bewässern können.