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GENERAL-ABO: In Kriens ist das Tages-GA der Hit

Billette für den öffentlichen Verkehr bei der Gemeinde zu holen, liegt im Trend. Dabei lohnt sich dieses Geschäft für sie finanziell kaum.
Simon Bordier
Eine Zugbegleiterin kontrolliert ein GA. (Bild: Keystone)

Eine Zugbegleiterin kontrolliert ein GA. (Bild: Keystone)

Simon Bordier

Gemeinde-Tageskarten für den öffentlichen Verkehr sind in den Sommermonaten heiss begehrt. «Von Juli bis Oktober sind meistens 100 Prozent der Karten verkauft», sagt etwa Benedikt Anderes, Medienbeauftragter der Gemeinde Kriens. Auch in Luzern, Emmen, Horw und Ebikon verzeichnet man im Sommer Auslastungsquoten von über 95 Prozent; viele Karten werden Wochen oder gar Monate im Voraus reserviert.

Mit einer solchen Karte kann man einen Tag lang die Vorteile eines Generalabonnements 2. Klasse geniessen und muss dabei viel weniger bezahlen als für eine entsprechende Tageskarte der SBB. Letztere kostet 73 Franken; die Gemeinden verlangen in der Regel etwas mehr als 40 Franken (siehe Tabelle). Es handelt sich hierbei um Kontingente, welche die Gemeinden bei den SBB erwerben und zu Sonderkonditionen an ihre Bürgerinnen und Bürger abgeben können (siehe Box).

Kriens begann mit zwei Karten

Wie beliebt das Angebot ist, zeigt das Beispiel Kriens. Die Gemeinde begann 2004 mit zwei Generalabonnements, oder genauer gesagt: mit zwei Kartensätzen a 365 Tageskarten; die Karten sind vordatiert, können also nicht an einem x-beliebigen Tag verwendet werden. Das Angebot in Kriens wurde stetig ausgebaut. Heute besitzt die Gemeinde sieben GA.

Die Tages-GAs können für die Gemeinden aber auch zum Klumpenrisiko werden: Ein Kartensatz kostet nämlich 13 300 Franken, also rund 36 Franken pro Tageskarte. Nicht verkaufte Karten werden von den SBB nicht zurückerstattet. Sprich: Die Gemeinden bleiben unter Umständen auf Restkarten sitzen und können so die Investition nicht leicht amortisieren. Gerade im Winter harzt das Geschäft. Um diese Einbussen zu kompensieren, verlangen viele Gemeinden daher etwas mehr als den Einstandspreis von 36 Franken.

Den Einstandspreis finanzieren

Ein weiterer Kostenfaktor ist die Organisation und Verkauf der Tages-GA. «Berücksichtigt man die effektiven Kosten, so lohnt sich das Geschäft aus finanzieller Sicht für die Gemeinde kaum», erklärt Roberto Trento, Leiter der Einwohnerdienste Horw. Es handle sich um eine Dienstleistung der Gemeinde mit dem Ziel, die Mobilität der Bewohnerinnen und Bewohner zu fördern. Ähnlich klingt es in Ebikon: «Mit dem Verkauf der Karten können wir den Einstandspreis finanzieren», erklärt Claudia Hermann, die das Angebot betreut. Alles in allem sei der Aufwand aber grösser als der Ertrag.

In der Stadt Luzern werden 48 Franken pro Karte verlangt, das sind knapp 15 Prozent mehr als in den umliegenden Gemeinden (siehe Tabelle). Der Preis sei so angesetzt, dass die Stadt die Ausgaben und das Risiko beim Kauf der Tageskarten durch die Einnahmen decken könne, sagt Gregor Schmid, Leiter Umweltschutz der Stadt Luzern. Zudem versuche man, «etwas Gewinn» zu erzielen. Damit soll der Verwaltungsaufwand finanziert werden – zumindest teilweise. «Der Aufwand für den Betrieb der Tageskarten ist gross», betont auch er. Genau beziffern lasse er sich nicht. Denn das Angebot ist im Öko-Forum, der Anlaufstelle der Stadt für Energie- und Umweltfragen, integriert; wie viel Zeit die Mitarbeiter für Tages-GA aufwenden, wird dort nicht separat erfasst.

Kleinere Nachfrage in der Stadt

In absoluten Zahlen bietet die Stadt im Vergleich mit den umliegenden Gemeinden am meisten Tageskarten an. Doch setzt man die 20 Gemeinde-GA ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, dann gehört die Stadt zu den Schlusslichtern.

Zudem werden die Tageskarten weniger rege genutzt als in den Agglomerationsgemeinden: Spitzenreiter waren im Jahr 2015 Kriens und Emmen mit einer Auslastung von 97,5 beziehungsweise 94,5 Prozent; Luzern bewegte sich mit 91 Prozent eher am unteren Ende der Skala. Dafür mag es verschiedene Gründe geben. «Der Preis dürfte aber eine gewisse Rolle spielen», meint Schmid.

Höhere Preise senken Attraktivität

Der Fall Luzern zeigt somit die Grenzen des Wachstums auf: Wenn eine Gemeinde versucht, die effektiven Kosten durch höhere Preise zu finanzieren, so sinkt die Attraktivität des Angebots; es werden weniger Tageskarten verkauft, und die Gemeinden bleiben eher auf Restkarten sitzen. In der Folge wird es schwieriger, die Investition von jährlich 13300 Franken pro Abo zu amortisieren – und der Druck, die Preise weiter zu erhöhen, steigt. Diese Kostenspirale führte 2013 in Zürich gar dazu, dass das Angebot gänzlich abgeschafft wurde.

Gregor Schmid betont, dass das Angebot in Luzern bestehen bleiben soll. Man habe in den Jahren 2000 bis 2010 ein starkes Wachstum verzeichnet und das Angebot entsprechend angepasst. Mit heute 20 Abos habe man eine «sinnvolle Grösse» erreicht, meint Schmid: «Die Nachfrage ist ungebrochen und hält sich auf hohem Niveau.»

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