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GENUSS: «Das Risiko mit Bio hat sich gelohnt»

Immer mehr Weinliebhaber entdecken, dass auch Bioweine Freude machen können. Der Solaris 2014 vom Weingut Sitenrain in Meggen ist zum Bioweisswein 2015 gekürt worden.
Hugo E. Berchtold
Beste Aussichten: Für Nora Breitschmid vom Weingut Sitenrain in Meggen gilt das nach der Prämierung ihres Weissweins in jeder Hinsicht. (Bild Nadia Schärli)

Beste Aussichten: Für Nora Breitschmid vom Weingut Sitenrain in Meggen gilt das nach der Prämierung ihres Weissweins in jeder Hinsicht. (Bild Nadia Schärli)

Hugo E. Berchtold

«Nora», stellt sich die braunhaarige junge Frau ohne Umschweife vor. Der Händedruck ist kräftig, das Outfit mit Karohemd, Jeans und Gummistiefeln entspricht nicht dem Klischee, das man von einer Tochter aus gutem Hause hat, die an der Hochschule Luzern Kommunikation und Marketing studiert. Doch die 26-jährige Nora Breitschmid ist auch «autodidaktische Winzerin», die es gewohnt ist, selber anzupacken. Da wären Schminke und lackierte Fingernägel fehl am Platz. Nora arbeitet drei Tage pro Woche auf dem familieneigenen Weingut Sitenrain in Meggen.

Teamarbeit

Der Grund unseres Besuchs: Der Solaris 2014 vom Sitenrain ist soeben zum Bioweisswein des Jahres gekürt worden. «Wir waren letztes Jahr bereits auf Platz 2. Es motiviert uns, wenn die oft harte Arbeit zu einem Resultat führt, das den Leuten Freude macht», erklärt Nora. Mit «wir» ist vor allem auch Benno Schwager gemeint. Der 33-jährige Thurgauer bringt das professionelle Know-how ein. «Ich bilde mich mit Learning by Doing weiter», sagt Nora, die eine fachliche Weinausbildung eventuell später nachholen will. Im Moment ist Benno auf dem Weingut Palmeri auf Sizilien tätig, auf dem anderen Weingut der Familie Breitschmid-Heiniger. Doch das ist eine andere Geschichte.

Weiter zum «wir» gehört auch Schwester Carla Breitschmid, die in der Zwischenzeit nach der Matura nun im Weinberg mithilft. Und schliesslich haben auch Toni Ottiger und sein Önologe Ralph Burki ihren Anteil am Erfolg: Die auf dem Sitenrain geernteten Trauben werden – zumindest vorerst noch – auf dem Weingut von Ottiger vinifiziert.

Zuerst verlottertes Heimetli

Die Aussicht auf dem Sitenrain ist grandios – auf den Vierwaldstättersee und die Berge. Kein Wunder, dass das etwas verlotterte Heimetli am Hang eingangs von Meggen dem Unternehmer Ueli Breitschmid schon vor Jahren ins Auge gestochen war. «Hier sollte man wohnen können, hat mein Vater oft gesagt», erinnert sich Nora. Nach der Jahrtausendwende konnte der Besitzer der erfolgreichen, auf Zahnpflege spezialisierten Breitschmid-Gruppe Curaden den ersten Schritt zu seinem Traum tun und das kleine Bauerngut erwerben. Da es in der Landwirtschaftszone liegt, war an einen Neubau nicht zu denken.

Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg: Im Jahr 2005 wurden an dem rund 1,5 Hektaren grossen Sonnenhang die ersten Reben gepflanzt. 2008 konnte der erste Wein gekeltert werden. «2011 habe ich erstmals auf dem Weinberg ausgeholfen, und es hat mir dabei den Ärmel reingenommen», lacht Nora.

«Wir haben von Anfang an auf pilzresistente Traubensorten, so genannte Piwi-Kreuzungen, gesetzt», sagt sie, «damit können wir auf chemische Schädlingsbekämpfung verzichten, und auch der erlaubte Einsatz von Kupfer und Schwefel ist viel geringer als auf konventionellen Weingütern.» Die Erde zwischen den Reben ist begrünt, Schafe weiden im Herbst im Weinberg und sorgen für natürlichen Dünger.

Vorbehalte schwinden

Der Entschluss, ganz auf Piwi-Reben zu setzen, war riskant, denn gegenüber den meisten dieser Trauben bestehen viele Vorbehalte. Nicht immer zu Unrecht. Doch nun scheinen sich Sorten wie Solaris (weiss), Regent, Maréchal Foch oder Cabernet Cortis (alle rot) langsam durchzusetzen, allerdings noch auf tiefem Niveau. Wie die Bioweine ganz allgemein. Nur 3 bis 4 Prozent der Weingüter sind in der Schweiz offiziell als Bio zertifiziert. Allerdings arbeiten weit mehr Winzer nach Bioregeln, ohne sich zertifizieren zu lassen.

Nora Breitschmid ist überzeugt, auf die richtige Nische gesetzt zu haben: «Der Erfolg spricht für uns. Immer mehr Leute verlangen nach regionalen, im Einklang mit der Natur produzierten Weinen, auch wenn sie etwas teurer sind.» Auch einst von Weinliebhabern geäusserte Bedenken wegen der Qualität von Biowein nehmen laufend ab – völlig zu Recht.

Nach langen Abklärungen und Verhandlungen soll deshalb auf dem Sitenrain weiter investiert werden: Die Baugespanne für einen Neubau mit Weinkeller und Wohnung stehen schon, demnächst soll mit den Arbeiten begonnen, der ursprüngliche Traum von Ueli Breitschmid verwirklicht werden. Der Firmenchef lässt es sich bereits heute nicht nehmen, oft den Verkauf auf dem Hofladen am Samstagvormittag zu übernehmen.

Hinweis

Der Solaris 2014 ist für 25 Franken im Hofladen Sitenrain, per Internet und bei Schubiger Weine erhältlich. www.sitenrain.ch

Beste Bioweine

Zum zweiten Mal hat die Weinzeitschrift «Vinum» zusammen mit dem Label Bio Suisse die besten Bioweine der Schweiz ausgezeichnet. Aus 145 Weinen wurden die 30 besten Tropfen vorselektioniert. Eine Jury aus rund 50 Weinprofis und Weinliebhabern hat dann die Sieger ermittelt. Die Resultate:

  • Bester Bioweisswein 2015: Solaris 2014, Weingut Sitenrain, Meggen
  • Bester Biorotwein 2015: Iselisberger Cuvée Noir 2013, Bioweingut Lenz, Uesslingen TG
  • Biowinzer des Jahres 2015: Karin und Roland Lenz, Uesslingen.

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