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GENUSS: Entlebucher Gin gewinnt internationalen Preis

Das Entlebuch ist bekannt für Kräuter und Beeren. Mehr als ein Dutzend regionale Pflanzen hat Wirtin Barbara Grossenbacher zu einem Gin gebrannt – mit dem sie einen internationalen Award einheimste.
Andreas Bättig
Barbara Grossenbacher (links) mit Heilpflanzenfachfrau Sandra Limacher in deren Garten. (Bild: Roger Grütter (Entlebuch, 15. August 2017))

Barbara Grossenbacher (links) mit Heilpflanzenfachfrau Sandra Limacher in deren Garten. (Bild: Roger Grütter (Entlebuch, 15. August 2017))

Andreas Bättig

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Der Gin namens «Edelwhite» von Barbara Grossenbacher sei nicht einfach ein Schnaps. «Er ist Medizin, ein Lebenselixier», versichert die 55-Jährige und fügt dann doch noch an: «Aber nur, wenn er in moderaten Mengen getrunken wird.» Ihr Gin bestehe aus 27 Pflanzen – sogenannten Botanicals. Dazu gehören verschiedene Kräuter und Blätter, Samen, Blüten und Hülsenfrüchte, Wurzeln und Rinden sowie Beeren und Früchte.

Gastgeberin und Wirtin Barbara Grossenbacher sitzt an einem Holztisch im Schybi-Keller des ­Hotel-Restaurants Drei Könige in Entlebuch. Es ist ein geschichtsträchtiger Landgasthof. Hier wirtete der berühmte Anführer der Luzerner Untertanen im Schweizer Bauernkrieg, Christian Schybi, vor 400 Jahren. Am Stammtisch werden am Samstagnachmittag die ersten Bierflaschen getrunken. Der Kontrast zu den hippen Zürcher Bars, in denen der Hype um den Gin in der Schweiz seinen Ursprung hat, könnte nicht grösser sein.

«Mich hat die Geschichte des Gins in den Bann gezogen»

«Die Entlebucher sind keine Gin-Trinker, das war mir von Anfang an klar. Wir haben den Zwetschge, den Träsch. Und der ist ja wirklich sehr gut», sagt Grossenbacher. Und doch hat die Wirtin seit ein paar Wochen eine Gin-Karte. Auf der wird ihr eigener «Edelwhite»-Gin in verschiedenen Variationen – mal mit frischen Erdbeeren, mal mit Grapefruit – als Drink angeboten.

«Der Gin-Hype begann vor etwa 10 Jahren in Berlin. Dann kam er vor fünf Jahren nach Zürich, Basel, Bern und Genf. Bis er im Entlebuch und in ländlichen Regionen angekommen ist, dauert es halt etwas länger.» Inzwischen seien die Entlebucher jedoch neugierig geworden und probieren die Gin-Drinks aus.

Auf die Idee, einen eigenen Gin zu kreieren, kam Barbara Grossenbacher bei ihrer Ausbildung zur Weinakademikerin in der Weinakademie in Rust, im Burgenland am Neusiedlersee in Österreich. «Beim Diplomkurs Wine and Spirit Educational Trust spielen auch Spirituosen eine wichtige Rolle. Mich hat die Geschichte des Gins sofort in den Bann gezogen. Diese Hochs und Tiefs, mal boomt er, dann verschwindet er wieder fast. Und doch ist er irgendwie immer da.» Die Kreation und die Dokumentation des «Edelwhite»-Gins ist Barbara Grossenbachers Abschlussarbeit des Lehrgangs und trägt den Namen «From Botanicals to the Bottle».

Bei der Auswahl der Botanicals für ihren «Edelwhite» arbeitete Grossenbacher eng mit Sandra Limacher zusammen, einer ausgebildeten Aromatherapeutin und Heilpflanzenfachfrau. «Der Gin ist ein Destillat aus verschiedenen Botanicals mit den unterschiedlichsten Eigenschaften», sagt Grossenbacher. Der Hauptbestandteil sei der Wacholder. Er muss der vorherrschende Geschmack sein, damit er Spirituosen-Gin genannt werden darf. Insgesamt 14 der 27 Botanicals stammen aus dem Entlebuch. Sie wurden entweder bei der Entlebucher Kräuteranbaugenossenschaft bezogen oder von Hand gepflückt. «Mir war es wichtig, dass ich regionale Produkte verwende und dass mein Gin den Geschmack des Entlebuch hat», sagt Grossenbacher. Auch die Schweizer Nationalblume Nummer eins, das Edelweiss, hat es in die Zutatenliste geschafft und gleichzeitig dem Gin unter anderem den Namen verliehen. «Das Edelweiss gibt dem Gin eine blumige und erdige Note.»

Den Geschmack ihrer Heimat Kanada eingefangen

Eine Zutat liegt Grossenbacher aber besonders am Herzen: das Sweetgrass, wie es in Barbara Grossenbachers Heimat Kanada genannt wird. Aufgewachsen ist die Wahlentlebucherin, deren lediger Name «White» ist, nämlich in Sudbury, Ontario, 400 Kilometer nördlich von Toronto. Mit 19 Jahren lernte sie in der Jasper Park Lodge in den Rocky Mountains ihren heutigen Schweizer Mann Fritz kennen, der dort in einem Resort kochte. Sie folgte der Liebe in die Schweiz und blieb. Seit 28 Jahren ist sie im Heiligkreuz im Entlebuch zu Hause. Hier wuchsen auch ihre inzwischen erwachsenen Kinder Mark und Jenny auf. «Wenn ich das Sweetgrass herausrieche und her­ausschmecke, dann fühle ich mich gleich in mein Wohnzimmer in Kanada zurückversetzt. Es verleiht dem Gin meine ganz persönliche und edle Note.»

Bis der fertige Gin im Juni dieses Jahres in die Flasche abgefüllt werden konnte, musste allerdings erst die richtige Rezeptur gefunden werden. Dieser Prozess war, wie Grossenbacher sagt, sehr intensiv. «Wir wollten einen Gin, den wir selber richtig gerne trinken. Dafür haben wir Monate experimentiert.» Als sie endlich die richtige Kombination gefunden hatten, waren sie nicht sicher, ob diese bei einer grösseren Menge immer noch gleich riechen und schmecken würde. Aus mehreren Kilo Botanicals und 143 Litern reinem Schnaps von der Alkoholverwaltung brannte der Entlebucher Lohnbrenner Bruno Limacher in seiner mobilen Brennerei 307 Liter des Edelweiss-Gins, der in 500 Flaschen abgefüllt wurde. «Das war rich­tig idyllisch und traditionell. Die Brennerei stand auf einem ­Bauernhof. Der Brennkessel aus Kupfer wurde mit Holz ange­feuert», so Grossenbacher.

Bronzemedaille in London gewonnen

Mit dem Ergebnis ist die Gin-Kreateurin äusserst zufrieden. «Wacholder, Koriander, Kardamon, aber auch Zitrusschalen, Kamille- und Holunderblüten ­zusammen mit Vanille, Zimt­blüten und das Sweetgrass: Jeder schmeckt etwas anderes heraus, dies kann auch je nach Stimmung ändern.» Etwas hebt Barbara Grossenbachers «Edelwhite» zudem von vielen anderen Gins ab. Wird die ansonsten klare Spirituose durch Eis und Tonic gekühlt und verdünnt, wird sie leicht milchig und sieht ein bisschen wie ein Pastis aus. «Es sind die vielen ätherischen Öle im Gin, die bei einer niedrigeren Temperatur sichtbar werden.»

Dieser Effekt und der Geschmack kamen auch bei der «International Wine and Spirits Competition» in London sehr gut an. Der «Edelwhite» gewann dort die Bronzemedaille in der Kategorie Gin & Tonic. «Das ist für uns sehr wichtig. Den eigenen Gin gut zu finden, ist das eine, von einer Fachjury die Be­­stä­tigung zu bekommen, das an­dere», sagt Grossenbacher.

Ganze Familie ist involviert

Beim «Edelwhite» ist die ganze Familie Grossenbacher-White involviert. Der Sohn gestaltete das Branding des Produkts und den Edelweiss-Stoffüberzug mit den gedrehten Kordeln. Die Kordeln wurden im Heilpädagogischen Zentrum Schüpfheim hergestellt, wo die Tochter arbeitet. Einen Teil der 55 Franken Verkaufspreis pro Gin-Flasche geht an das Zentrum. Seit Mitte Juli kann man den «Edelwhite»-Gin im Hotel Drei Könige kaufen oder online bestellen. «Unsere Abfüllung ist limitiert. Wir wollen noch klein­­ ­bleiben. Aber wer weiss, vielleicht ­erobert der ‹Edelwhite› vom ­Entlebuch aus die Gin-Welt.»

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