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Georges Theiler: «Wie der letzte Schultag»

Georges Theiler verlässt die Berner Politbühne. Mit etwas Wehmut und einem besorgten Blick in die Zukunft.
Georges Theiler (Mitte hinten) mit seinen Parteikollegen (von links) Thomas Hefti, Hans Altherr, Joachim Eder und Karin Keller-Sutter während der letzten Herbstsession im Ständerat. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Georges Theiler (Mitte hinten) mit seinen Parteikollegen (von links) Thomas Hefti, Hans Altherr, Joachim Eder und Karin Keller-Sutter während der letzten Herbstsession im Ständerat. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Interview Cyril Aregger

Georges Theiler, nach nur vier Jahren verabschieden Sie sich aus dem Ständerat. Fällt der Abschied schwer?

Georges Theiler*: Mit den 16 Jahren als Nationalrat ist es ein Abschied nach 20 Jahren. Es ist ein wenig wie der letzte Schultag: Man verlässt interessante Aufgaben und viele Kollegen – etwas Wehmut ist dabei. Aber auch die Freude darauf, nun mehr Zeit für anderes zu haben. Zum Beispiel fürs Reisen, Lesen, Jassen oder für den Sport.

Sie waren National- und Ständerat. Wo liegen die Unterschiede bei der politischen Arbeit der beiden Kammern?

Theiler: Die Arbeit ist eigentlich dieselbe, was die Geschäfte anbelangt. Aber natürlich hat die Grösse der Kammern einen Einfluss. Der Ständerat ist konsensorientierter und – noch – angenehmer und sachlicher in der Tonart. Dafür gibt es für jeden Einzelnen wesentlich mehr zu tun: Im Ständerat war ich in vier Kommissionen vertreten, im Nationalrat bloss in einer.

Wenn Sie mit dem Wissen von heute nochmals Ihre Karriere als eidgenössischer Parlamentarier starten könnten: National- oder Ständerat?

Theiler (lacht): Das kann man ja nicht einfach so frei wählen ... Aber wenn, dann Ständerat. Das Klima ist angenehmer, und man hat mehr Gelegenheit, zu diskutieren und sich auszutauschen – und das erst noch freier.

Sie haben das Klima angesprochen. In einem Interview mit unserer Zeitung kritisierten Sie vor fünf Jahren, dass SVP und SP als Regierungsparteien die Verantwortung für die Schweiz nicht mehr wahrnehmen würden. Wie sehen Sie die Situation heute?

Theiler: Immer noch ähnlich. Schauen Sie sich zum Beispiel die Volksinitiativen an, die von links und rechts kommen. Die sind häufig einer Regierungspartei nicht würdig. Es wird da häufig der Eindruck erweckt, als ob unsere Regierung nur schlecht sei.

Keine Aussicht auf einen Grundkonsens der Regierungsparteien?

Theiler: Nein. Das Klima ist eher noch härter geworden. Das mag auf rechter Seite auch damit zu tun haben, dass die SVP seit der Abwahl von Christoph Blocher nicht mehr genügend im Bundesrat vertreten ist. Daraus entstehen Trotzreaktionen. Die Masseneinwanderungsinitiative stellt uns vor ernsthafte Probleme. Diese Frage hätte man auch auf Regierungsebene lösen können, hätte sich die SVP genügend vertreten gefühlt.

Das klingt alles nicht sehr optimistisch.

Theiler: Bei aller Kritik: Unser System ist gut. Ich kenne in Europa keines, mit dem ich tauschen möchte. Manchmal muss man einfach länger arbeiten, um Lösungen zu finden. Das hat durchaus auch Vorteile.

Die FDP hat in den letzten Monaten nach längerer ­Durststrecke wieder Erfolge feiern können. Wie lautet Ihre Prognose für die eidgenössischen Wahlen?

Theiler: Die Wählerinnen und Wähler realisieren, dass die FDP Lösungen sucht und nicht Probleme populistisch hochschaukelt. Das hat uns zum Erfolg zurückgebracht. Wenn wir den Schwung nutzen und jede Gelegenheit zum Mobilisieren, werden wir auch bei den eidgenössischen Wahlen Erfolg haben.

Und was geschieht im Bundesrat mit Eveline Widmer-Schlumpf?

Theiler: Das ist schwierig zu sagen und hängt auch ganz stark von ihr ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ihr noch wohl ist, sollte die BDP bei den Wahlen stark verlieren.

Sie sagten einmal, Sie würden nie einen amtierenden Bundesrat abwählen. Wäre das auch bei dieser Bundesratswahl so?

Theiler: Ich stehe nach wie vor zu dieser Aussage. Auch wenn es schwierig ist, wenn man gleichzeitig die Zauberformel berücksichtigen möchte.

Was raten Sie Ihrem Nachfolger auf dem Luzerner Ständeratssitz?

Theiler: Mein Nachfolger sollte versuchen, die Fülle von Geschäften und Regulierungen zu reduzieren, die wir in Bern zu bearbeiten haben. Im Jahr 2000 produzierten wir rund 6000 Seiten amtliches Bulletin, dieses Jahr werden es rund 11 000 sein. Das ist Wahnsinn. Er sollte sich fragen: Brauchen wir das alles? Braucht es für alles eine Regelung? Wir hatten 2000 ja nicht eine schlechtere oder zu wenig regulierte Schweiz ...

Und Tipps abseits des politischen Tagesgeschäfts?

Theiler: In den Betrieb in Bern muss man sich selber einleben. Aber natürlich werden wir ein Gespräch haben. Ich werde gerne Tipps geben, zum Beispiel im Umgang mit den Bundesräten oder Mitparlamentariern anderer Parteien.

Werden Sie mit jedem neuen Luzerner Ständerat ein Gespräch führen, egal von welcher Partei?

Theiler (lacht): Mit Damian Müller würde ich es besonders gerne führen. Und die anderen Kandidaten sind ja bereits in Bern tätig. Die brauchen das vielleicht gar nicht.

* Georges Theiler (66) ist Vater von drei erwachsenen Töchtern und lebt in Luzern. 1987–1995 sass er für die FDP im Luzerner Grossen Rat, dem heutigen Kantonsrat. 1995–2011 war er Nationalrat, ehe er vor vier Jahren für die mittlerweile verstorbene Parteikollegin Helen Leumann in den Stände­rat gewählt wurde. 2004 und 2005 kandidierte er für das Präsidium der FDP Schweiz, scheiterte jedoch zweimal. Beruflich ist Theiler seit 1997 Inhaber einer Unternehmensberatung. Zudem hat er mehrere Verwaltungsratsmandate inne.

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